Morgan Stanley verhandelt mit Wachovia über Fusion

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New York (dpa) - Nach einem dramatischen Kurssturz ist nun auch die Unabhängigkeit der vorletzten großen US-Investmentbank Morgan Stanley gefährdet.

Das traditionsreiche Investmenthaus habe Fusionsverhandlungen mit dem viertgrößten US-Finanzkonzern Wachovia gestartet, berichtete der US-Wirtschaftssender CNBC am Donnerstag. Auch Branchenprimus Goldman Sachs kommt wegen des Kursverfalls immer stärker unter Druck. Die durch die Kreditkrise angeschlagene größte US-Sparkasse Washington Mutual stellte sich zudem Berichten zufolge ebenfalls zum Verkauf und begann bereits Gespräche.

Goldman Sachs und Morgan Stanley sind die letzten verbliebenen unabhängigen US-Investmentbanken von einst fünf Häusern. Lehman Brothers stürzte erst zu Wochenbeginn am "schwarzen Montag" der US- Finanzbranche in die Insolvenz. Merrill Lynch rettete sich am selben Tag durch eine Übernahme in die Arme der Bank of America.

Wachovia und Morgan Stanley führten bereits "fortgeschrittene Gespräche" über einen Zusammenschluss, berichtete CNBC. Es seien Fusionsteams gebildet und Treffen anberaumt worden. Als weitere potenzielle Partner für Morgan Stanley gelten laut Medien die britische Bank HSBC sowie die chinesische Finanzgruppe CITIC. Die amerikanische Citigroup soll bereits abgelehnt haben.

Der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge steht Morgan Stanley kurz vor einer möglichen Kapitalspritze eines asiatischen Investors. Dies könnte die Bank vorerst vor einem Verkauf bewahren.

Morgan-Stanley-Chef John Mack hatte einen Verkauf seines 73 Jahre alten Traditionshauses erst in dieser Woche noch ausgeschlossen. Mit scharfen Attacken gab er Spekulanten die Schuld am Absturz von Morgan Stanley an der Börse. Die US-Börsenaufsicht SEC verschärfte erst am Mittwoch die Vorschriften für Wetten auf fallende Kurse drastisch. Auch sie macht bestimmte extreme Praktiken von Spekulanten für die Kursstürze verantwortlich.

Zum Handelsstart am Donnerstag in New York brach die Aktie von Morgan Stanley an der Börse weiter ein, sie verlor mehr als zehn Prozent. Aktien von Goldman Sachs fielen um knapp acht Prozent.

Bei der US-Sparkasse Washington Mutual (WaMu) zählen Berichten zufolge ebenfalls HSBC sowie die US-Häuser Citigroup, J.P. Morgan Chase und Wells Fargo zu den möglichen Käufern. J.P. Morgan Chase hatte vor einigen Monaten schon einmal ein Übernahmeangebot abgegeben, war aber abgeblitzt.

Über einen Verkauf war bereits mehrfach spekuliert worden. WaMu hatte dies aber stets als nicht nötig zurückgewiesen. Die Sparkasse steht angesichts ihrer Milliardenverluste seit gut einer Woche unter verschärfter Kontrolle der Aufsichtsbehörden. Sie wechselte zudem ihren Chef aus.

Die Übernahmespekulationen trieben den WaMu-Kurs am Donnerstag zum Börsenauftakt um knapp zwölf Prozent nach oben. In den Vortagen hatte WaMu ebenfalls drastisch an Wert verloren, was die Probleme der Sparkasse nochmals verschärfte.

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