Moskau verlängert Überflugrechte für Lufthansa

Moskau/Berlin - Russland hat der Lufthansa-Frachttochter Cargo im Konflikt um die Überflugrechte einen zweiwöchigen Aufschub gewährt, nachdem sich die deutsche Seite zur Verlagerung eines Drehkreuzes von Kasachstan ins russische Krasnojarsk bereiterklärt hat.

Es werde eine Verlängerung der Flugrechte bis zum 15. November geben, weil die deutsche Seite zuletzt "guten Willen" in den Gesprächen über ein Frachtdrehkreuz in der sibirischen Stadt gezeigt habe, teilte das russische Verkehrsministerium am Freitag in Moskau mit. Lufthansa Cargo durfte nach eigenen Angaben Russland seit Sonntag nicht mehr überfliegen.

Die deutsche Seite habe angekündigt, bis zum 7. November zu entscheiden, ob in Zukunft Krasnojarsk für die Zwischenstopps bei Flügen nach Südostasien angeflogen wird, hieß es in Moskau. Es gehe nun um den Zeitplan für die Verlagerung des Drehkreuzes nach Krasnojarsk, verlautete in Berlin. "Voraussetzung für diesen Umzug ist die Schaffung der Infrastruktur, um den Anflug des Airports bei jedem Wetter zu gewährleisten", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Man sei zuversichtlich, dass "wir langfristig zu einer guten Lösung für die russische wie auch für die deutsche Seite kommen". Die Bundesregierung hatte Russland zuvor nachdrücklich aufgefordert, das Überflugverbot aufzuheben.

Zuvor hatte ein Lufthansa-Sprecher noch gesagt, die Verlegung des Drehkreuzes nach Sibirien sei wegen fehlender Infrastruktur "derzeit nicht realistisch". Derzeit steuert Lufthansa Cargo auf dem Weg nach Fernost knapp 50 Mal pro Woche die kasachische Hauptstadt Astana für den notwendigen Tankstopp an.

Lufthansa Cargo zufolge hatten die russischen Behörden die Überfluggenehmigung überraschend nicht verlängert. Als Begründung nannte das Verkehrsministerium in Moskau die Weigerung der deutschen Seite, sich für ein Frachtflugdrehkreuz in Sibirien zu entscheiden.

Nach Einschätzung Moskauer Experten geht es im jüngsten Wirtschaftskonflikt zwischen Russland und dem Westen vor allem um die Gebühren für Starts und Landungen. Das russische Verkehrsministerium erklärte, die bisherigen Frachtflüge von Lufthansa Cargo über das russische Territorium mit Zwischenstopp in Astana seien in dem Regierungsabkommen beider Länder nicht vorgesehen. Aus geografischer Sicht wäre ein Zwischenstopp in Sibirien für die Lufthansa günstiger als in Zentralasien.

Die Genehmigung läuft einen Tag vor den Luftverkehrsgesprächen zwischen der EU und Russland aus, die vom 16. bis 18. November in Moskau geplant sind. Neben dem EU-Kommissar für Verkehr, Jacques Barrot, ist bei dem Treffen in Russland auch der Lufthansa- Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber angekündigt.

Seit Wochenbeginn musste Lufthansa Cargo auf dem Weg nach Asien das Riesenreich Russland an seiner südlichen Grenze umfliegen. Das verursachte nach Konzernangaben pro Strecke anderthalb Stunden Extra- Flugweg. Pro Woche mussten 600 000 Liter Kerosin zusätzlich eingeplant werden.

Zuletzt war auf höchster politischer Ebene zwischen Deutschland und Russland um eine Lösung gerungen worden. Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ulrich Wilhelm, sagte in Berlin, er appelliere an die russischen Behörden, deutschen Frachtfliegern schnellstmöglich den Überflug wieder zu genehmigen. Steinmeier habe mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow über das "bilaterale Problem" gesprochen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Unmut kam in der Bundesregierung wegen einer Intervention des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und SPD-Vorsitzenden Kurt Beck auf. Beck habe sich bei Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (auch SPD) für die Aufhebung des deutschen Landeverbots für russische Frachtmaschinen auf dem Flughafen Hahn eingesetzt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Regierungskreisen.

Die russische Fluggesellschaft Aeroflot fliegt mit ihren Transportmaschinen den Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz an. Nachdem der Lufthansa Cargo am Sonntag der Überflug russischen Territoriums untersagt worden war, hatte das Luftfahrtbundesamt im Gegenzug russischen Frachtmaschinen die Landegenehmigung entzogen. Diese Entscheidung war dann wieder zurückgenommen worden.

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