Motorola: Was den Konkurrenten von Siemens nach München zieht

- München - Siemens probt den geordneten Rückzug aus Deutschland. Andere lernen den Standort gerade richtig schätzen. Erzrivale General Electric aus den USA zum Beispiel hat im Norden der Landeshauptstadt sein europäisches Forschungszentrum ausgebaut. Und bei Motorola weiß man nicht nur besser, wie man in Deutschland erfolgreich Handys baut. Der US-Gigant hat gestern auch im Südosten Münchens einen Produktionsstandort eröffnet.

<P>Der unter anderem weltweit zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen hat in Oberbayern große Pläne: Zum bisherigen Standort in Daglfing, wo die Halbleitersparte mit 500 Mitarbeitern angesiedelt ist, kommt nun das zweite Standbein in Neubiberg. Dort ist nun Automobilelektronik angesiedelt. Mit 500 Beschäftigten will Motorola seine Position als Zulieferer der Autoindustrie stärken. Auch auf diesem Gebiet bekommt Siemens damit den Wind des Wettbewerwerbs nun stärker zu spüren: eine gezielte Standort-Entscheidung des US-Konzerns. Nur jeder zweite Motorola-Mitarbeiter ist am neuen Standort mit der Produktion beschäftigt. Schwerpunkte sind Forschung und Entwicklung. Nicht viel anders sieht es bei GE aus. "Wir fokussieren uns auf den Technologie- und Forschungsstandort Deutschland, der aus unserer Sicht weit attraktiver ist als sein Image in der Öffentlichkeit", gab Deutschland-Chef Thomas Limberger 2004 als Grund für das Engagement des Konzerns in München an.<BR><BR>Als freizeitorientiert und unflexibel werden deutsche Arbeitnehmer im eigenen Land gern kritisiert. Offenbar wird das von ausländischen Konzernen anders gesehen. Ihre Manager loben die Einsatzbereitschaft und Flexibilität der deutschen Mitarbeiter. Doch auch deutsche Unternehmen mit Auslandsstandorten neigen zu einer weit differenzierteren Einschätzung dieser Fragen. BMW ist ein Vorreiter flexibler Arbeitszeiten. Wenn die Auftragslage es erfordert, wird richtig geklotzt, wenn die Nachfrage nachlässt, wird abgefeiert - in Deutschland. Im US-Werk von BMW in Spartanburg geht das nicht. Dort sind die Arbeitsstunden für die Mitarbeiter festgemauert. Wenn mehr zu tun ist, muss sich der Münchner Konzern mit Leiharbeitern behelfen, die wieder freigesetzt werden, wenn sich die Lage normalisiert.<BR><BR>So rücken auch die Beschäftigten beim Standortwettbewerb allmählich wieder in den Vordergrund. Innenminister Günther Beckstein lobte bei der Eröffnung des Motorola-Standorts Neubiberg das "umfassende Angebot an gut ausgebildeten, hoch motivierten Arbeitskräften" im Raum München. Dabei ist es nicht mehr nur die Technische Universität als traditionelle Ingenieursschmiede, die das Unternehmen anlockte. Motorola wünsche insbesondere den Austausch mit der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, die gerade dabei ist, sich auch für Zivilisten und Unternehmen zu öffnen.</P>

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