Motorradfahrer: So gelingt der Start in die Saison

München - Mit den milden Frühlings-Temperaturen kommt bei Motorradfahrern die gute Laune: Im April beginnt für die meisten die Zeit, in der sie mit ihrem zuvor vom Saisonkennzeichen an die Garage gefesselten Zweirad wieder auf die Straße dürfen. Damit den Start nicht unliebsame Überraschungen verhageln, sollten die Einspur-Piloten einiges beachten.

Ausrüstung pflegen

Bevor man mit dem Zündschlüssel zur Garage schreitet, gilt es, daheim die lebenswichtige Schutzausrüstung zu begutachten und ihr einen Frühjahrsputz zu gönnen: Lederkombi und -handschuhe sind gut einzufetten, wenn das Material reißfest und dadurch bei einem Sturz schützend bleiben soll.

Textiljacken werden optimalerweise jetzt imprägniert, damit beim ersten Regenguss nach der Winterpause nicht Wassereinbrüche den Ausritt vermiesen. Für bestmöglichen Durchblick ist das Helmvisier gründlich von den in der letzten Saison "erlegten" Fliegen zu befreien.

Helm zu alt?

Überhaupt sollte man dem Helm einen gründlicheren Blick widmen. Handelt es sich um einen günstigen Polycarbonat-Helm, darf er beim Start in die Saison nicht älter als drei Jahre sein. Denn die schützende Kunststoffschale härtet durch UV-Strahlung aus und wird spröde. Kommt es zu einem Sturz, kann sie keinen optimalen Schutz mehr gewährleisten.

Teurere Fiberglas-Helme altern zwar nicht so schnell, da ihre Schale langlebiger ist. Doch auch bei ihnen gilt, sie sorgfältig auf Beschädigungen zu überprüfen, vor allem das Styropor-Innenleben, das im Laufe der Jahre brüchig werden kann.

Fahrzeug prüfen

Bevor der Motorradfahrer dann zum ersten Ausritt schreitet, muss das Gefährt selbst gründlich auf seine Einsatzbereitschaft geprüft werden. Hat es während der Wintermonate Öl oder Kühlerflüssigkeit verloren, zu erkennen an frischen Pfützen auf dem Boden unter dem Fahrzeug. Außerdem wichtig: Funktionieren alle Lampen und die Blinker? Sollte nach Betätigen des Startknopfes nur hilflos der Anlasser winseln, ohne den Motor starten zu können, haben eventuell durch die lange Standzeit Treibstoffreste die Vergaser-Düsen verstopft. In diesem Fall hilft nur ein Gang zur Werkstatt oder ein Hilferuf beim ADAC.

Reifenkontrolle

Startet das Motorrad plangemäß, sollte sich sein Pilot nicht gleich in Richtung Pass-Straßen aufmachen, sondern erst einmal nur zur nächsten Tankstelle - und das möglichst vorsichtig. Denn oft verlieren die Reifen des Kraftrades während der langen Standzeit gefährlich viel Luft, was sich empfindlich auf das Fahrverhalten auswirkt. Den Druck in den Gummis gilt es sorgfältig gemäß den Werten in der Bedienungsanleitung zu korrigieren. Auch dem Profil sollte ein kritischer Blick gelten. Sind die Reifen zu abgefahren, müssen sie schleunigst getauscht werden. Sonst geht bei Regen schnell die nötige Haftung zur Straße verloren, und das kann böse enden. Erst, wenn all diese Punkte zur Zufriedenheit geprüft sind, darf man auch etwas kräftiger am Gasgriff drehen.

Motor warmfahren

Doch vor Vollgas-Stößen sollte der Biker sein frisch aus dem Winterschlaf gerissenes Zweirad zunächst verschonen: Nach Monaten des Standes gilt noch mehr als sonst, den Kolben ein längeres Warmfahr-Jogging zu gönnen. Als Faustregel gilt, die ersten 15 Minuten den Motor nicht höher als ein Drittel der möglichen Drehzahl drehen zu lassen. Das Triebwerk im Stand warmlaufen zu lassen ist entgegen der landläufigen Meinung nicht so günstig für die Mechanik.

Flugrost an Bremsen?

Vor allem, wenn das Fahrzeug nicht trocken stand, ist es möglich, dass die Scheiben Flugrost angesetzt haben. Deshalb ist auf der ersten Fahrt sorgfältig zu testen, ob sich die Bremsbeläge mit der gewohnten Vehemenz in die Scheiben verbeißen. Wenn nicht, muss man die Stopper erst vorsichtig freibremsen, bevor sie wieder ihre gewohnte Wirkung entfalten.

Auch dem Stand und dem Alter der Bremsflüssigkeit sollte man Aufmerksamkeit widmen und die Zuleitungen auf Dichtigkeit sowie verdächtige Risse überprüfen. Die Antriebskette ist auf korrekten Zug zu prüfen und bei Bedarf zu schmieren, damit sie eine lange Lebensdauer hat.

Wartungsarbeiten

Wer sein Motorrad im Herbst aus Schlechtwetterfrust lieblos und ohne große Umstände in die Ecke gestellt hat, muss jetzt nachsehen, ob Wartungsarbeiten anstehen wie Ölwechsel, Inspektion oder Reifenwechsel. Viele Motorradhändler bieten zum Saisonstart besondere Angebote im Service-Bereich, ein Blick in die Zeitung kann sich lohnen. Allerdings sollte man sich momentan jahreszeitlich bedingt auf höhere Wartezeiten für einen Termin einstellen.

Fahrpraxis holen

Vor der ersten großen Tour im Frühjahr ist es gerade für unerfahrenere Motorradfahrer empfehlenswert, erst einmal einen einsamen, weitläufigen Parkplatz anzufahren und sich bei Brems- und Kurvenmanövern kurz wieder mit dem Verhalten des Fahrzeuges vertraut zu machen. Denn die Reflexe sind in den Monaten der Enthaltsamkeit eingerostet. Danach sollte dem optimal vorbereiteten Start in den Motorrad-Frühling nichts mehr im Wege stehen.

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