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Fahren unter Alkoholeinfluss ist der häufigste Grund dafür, dass Autofahrer zu einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung verurteilt werden. Doch das Verfahren ist umstritten.

"Idiotentest"

Das müssen Sie zur MPU wissen: Kosten, Vorbereitung und Ablauf

München - Das müssen Sie zur MPU wissen: Informationen zu Kosten, Vorbereitung und Ablauf der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung.

Die Rechte von Autofahrern bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) sollen gestärkt werden. Wir erklären, was beim sogenannten Idiotentest abläuft – und was sich künftig ändern soll.

Medizinisch-Psychologischen Untersuchung: das ist die MPU

Zwei Kugeln übereinanderstapeln. Wer die unlösbare Aufgabe annimmt, fällt durch. Es gibt immer wieder die wildesten Legenden, was bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) – umgangssprachlich oft „Idiotentest“ genannt – so abläuft. Natürlich steht die Aufgabe mit den Kugeln so nie auf dem Programm.

Die kursierenden Gerüchte zeigen aber, dass sich die MPU teilweise in einer Grauzone abspielt. Sie wird laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) angeordnet, wenn das Risiko für „erneute Auffälligkeiten“ im Straßenverkehr bei einem Autofahrer besonders hoch ist. Die MPU entscheidet, ob eine Person ihren Führerschein erhalten oder zurückerhalten kann.

Beim Thema Führerscheinentzug kann es um berufliche Existenzen gehen. Deshalb will das Bundesverkehrsministerium die Unklarheiten in der bisherigen Regelung noch in dieser Legislaturperiode bis spätestens 2017 beseitigen. Die Regeln sollen transparenter werden. „Das ist auf jeden Fall sehr zu begrüßen - derzeit ist das so etwas wie ein rechtsfreier Raum. Man hat keine Möglichkeit gegen eine MPU vorzugehen“, sagt der Verkehrsrechtsexperte Jürgen Fritschi aus München.

MPU: Was soll sich beim „Idiotentest“ konkret ändern?

Eine Expertengruppe hat einen Vorschlagskatalog erarbeitet, der dem Verkehrsausschuss zur weiteren Bearbeitung vorgelegt wurde. Künftig soll es standardisierte Fragenkataloge und unabhängige Beschwerdestellen geben. Die Untersuchungen sollen zudem mitgeschnitten werden, so dass es die Möglichkeit einer Überprüfung durch Zweitgutachter gibt. Zudem sollen künftig nur noch ausgewiesene Experten Vorbereitungskurse auf die MPU anbieten können. Rechtsanwalt Fritschi: „Eine sehr gute Idee. Momentan darf sich jeder Gutachter nennen. Eine gescheite Homepage reicht und viele fallen drauf rein, weil die Not groß ist.“

Wie viele Verkehrsteilnehmer müssen jährlich zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) antreten?

91 536 Verkehrsteilnehmer mussten sich im Jahr 2014 begutachten lassen. Das waren mehr als drei Prozent weniger als im Vorjahr, wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mitgeteilt hat. Bei den Ergebnissen der MPU gab es kaum Veränderungen gegenüber dem Vorjahr: Über 58 Prozent aller begutachteten Personen wurden als „geeignet“ beurteilt, rund 35 Prozent als „ungeeignet“ und fast sieben Prozent als „nachschulungsfähig“ eingestuft. Alkoholauffälligkeit war wie in den Vorjahren der häufigste Grund für eine MPU, allerdings lag die Quote diesmal bei unter 50 Prozent. Übrigens sind 90 Prozent der Verkehrssünder, die sich in der Vergangenheit einer MPU unterziehen mussten, Männer.

MPU: Wer wird zum „Idiotentest“ verdonnert?

Die häufigste Ursachen sind Fahren unter Alkohol, unter Drogen und das Erreichen von acht Punkten in Flensburg. Neu ist seit 2014, dass sondern bereits ab 1,1 statt bisher 1,6 Promille eine MPU angeordnet werden kann. Rechtsanwalt Fritschi: „Das wird auch in Bayern teilweise schon so umgesetzt.“ Auch wer zum zweiten Mal mit mindestens 0,5 Promille auffällt, muss zum Idiotentest. Dann ist das Bestehen schwieriger als nach einer einmaligen Alkoholfahrt. Wiederholungstäter müssen einen Abstinenznachweis bei einer Prüforganisation überstehen. Binnen sechs Monaten müssen vier unangekündigte Kontrollen überstanden werden, bei denen Blut, Haare oder Urin analysiert werden.

Welche Möglichkeiten gibt es derzeit, gegen die Anordnung einer MPU vorzugehen?

Es gibt dagegen bisher keine Rechtsmittel. Auch wenn die MPU negativ ausfällt, kann man dagegen nicht vorgehen. Letzteres soll sich mit der Neuregelung ändern. Falls man derzeit eine negative Beurteilung bei derMPU erhält, sollte man diese möglichst nicht an die Führerscheinbehörde weitergeben, empfiehlt Fritschi. So werde sie zumindest nicht aktenkundig und könne deshalb auch nicht bei einer neuerlichen MPU gegen den Verkehrssünder verwendet werden.

Wer führt die MPU durch?

Insgesamt gibt es 15 aktive Träger von Begutachtungsstellen für Fahreignung zum Beispiel TÜV oder Dekra. Alle zugelassenen Anbieter finden Sie im Internet unter www.bast.de/mpu.

Was läuft bei der MPU konkret ab?

Das kann derzeit noch von Bundesland zu Bundesland und von Prüforganisation zu Prüforganisation verschieden sein. In der Regel dauert die MPU drei bis vier Stunden, bestehend aus drei Prüfungsblöcken: einem Leistungstest, einer medizinischen Untersuchung und einem Gespräch mit einem Psychologen. Das knapp einstündige Gespräch ist der wichtigste Teil. Eine positive Bewertung des Experten ist Bedingung für den Erhalt oder Rückerhalt des Führerscheins.

Was kostet die MPU?

Die reinen Kosten dafür liegen etwa zwischen 350 und 770 Euro, je nach Ursache der Anordnung. Allerdings kommen für einen etwaigen Vorbereitungskurs weitere Kosten hinzu, so dass insgesamt mit Ausgaben von 1500 Euro plus X gerechnet werden muss.

MPU: Braucht man einen Vorbereitungskurs auf den „Idiotentest“?

Pflicht ist er nicht, eine Vorbereitung zur MPU wird allerdings empfohlen. Allerdings tummeln sich in diesem Bereich derzeit noch viele dubiose Dienstleister. Rechtsanwalt Fritschi: „Ich würde in jedem Fall empfehlen, dass die Vorbereitung in jedem Fall von einem Diplom-Psychologen durchgeführt wird. Da wird das Leben auf den Kopf gestellt – und es ist sehr wichtig, dass man reflektiert.“

Kann ich auch als Fußgänger zu einem MPU verdonnert werden?

Ganz klar: Ja. Das hat kürzlich auch das Verwaltungsgericht München in einem Urteil bekräftigt (Az.: M 6b S 14.3454). Die Aufforderung zur MPU erging im verhandelten Fall an einen Fußgänger, der einen Autofahrer geschlagen hatte. Dagegen klagte der Schläger vor dem Verwaltungsgericht mit dem Hinweis, er sei zu Fuß und nicht mit dem Auto unterwegs gewesen. Allerdings schmetterte das Gericht die Klage ab. Die vorsätzlich begangene Körperverletzung beweise ein hohes Aggressionspotenzial, so dass begründete Zweifel daran bestünden, ob der Betroffene im motorisierten Straßenverkehr die Rechte anderer Verkehrsteilnehmer achten würde.

Von Lars Becker

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