MTU: Heuschrecken auf Börsenkurs

- München - Die Heuschrecken machen Kasse. So könnte SPD-Chef Franz Müntefering über den Börsengang des Triebwerksbauers MTU urteilen. Alleinaktionär der Traditionsfirma ist die US-Investmentfirma KKR, die als König unter den Firmenkäufern gilt.

Übernommen haben die Amerikaner den Hightech-Konzern Anfang 2004 von Daimler-Chrysler für 1,45 Milliarden Euro. Heute schätzen Analysten den Wert des Unternehmens auf bis zu 2,2 Milliarden Euro. Das hat Opfer gefordert. Bevor KKR die Regie übernahm hatte MTU 8000 Mitarbeiter, ohne ein Sanierungsfall zu sein. Derzeit läuft ein Stellenabbau, der bis Ende 2006 das Personal auf 7000 schrumpfen lassen wird.<BR><BR>Zugleich rührt MTU-Chef Udo Stark die Werbetrommel für den Börsengang mit einer ausgeprägten und unbestrittenen Wachstumsgeschichte. Mehr Umsatz und vor allem mehr Gewinn mit 1000 Mitarbeitern weniger.<BR>Darauf bezieht sich der stellvertretende Betriebsratschef Josef Hillreiner, wenn er sagt: "Von der Vorstellung, dass Private-Equity-Firmen segensreich wirken, kann man sich verabschieden." Überzogen sei der Stellenabbau, zu schmerzhaft und wenig intelligent. Daimler-Chrysler hätte den Börsengang, so Hillreiner, auch selbst organisieren können. Ein Vergleich des Verkaufspreises mit den heutigen Wertansätzen zeige, dass die Stuttgarter Ex-Mutter viel Geld verschenkt habe.<BR><BR>Ende 2004 musste der langjährige und erfolgreiche MTU-Chef Klaus Steffens gehen, um Stark Platz zu machen. Der Neue könne besser mit der Börse umgehen, wurde der Rauswurf kommentiert. Anderem Geflüster zufolge hatte Stark als früherer Vorstand der MG Technologies wegen des Verkaufs einer MG-Tochter an KKR bei der Investmentfirma noch etwas gut.<BR><BR>Ein wunder Punkt ist auch, dass die Amerikaner große Teile des Kaufpreises in Form von Krediten und einer Anleihe der MTU aufgebürdet haben. Auf 950 Millionen Euro war die Verschuldung der Münchner kurzfristig gestiegen. Weil die Geschäfte 2004 gut gelaufen sind, konnten davon bislang 330 Millionen Euro wieder getilgt werden. Die restlichen 620 Millionen Euro sollen nun durch den Börsengang dezimiert werden. "Das ist nicht ungewöhnlich", sagt der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. Wenn die Profitabilität das hergibt, sei das für sie auch nicht schädlich.<BR><BR>Auf den ersten Blick scheint MTU den Aderlass verkraften zu können. Um 40 Prozent haben 2004 die Gewinne vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf 247 Millionen Euro zugelegt. Inklusive Finanzierungskosten blieb ein Minigewinn von 0,2 Millionen Euro.<BR><BR>Ob MTU herausgeputzt worden sei, will Kurz nicht beurteilen. Die Geschäfte der Münchner sind sehr langfristig. Mit MTU-Teilen gebaute Turbinen laufen oft 30 Jahre. Versäumnisse bei Forschung und Entwicklung offenbaren sich deshalb erst in vielen Jahren. Grundsätzlich spreche die Erfahrung für KKR, sagt Kurz. Würde die Firma ihre Unternehmen auspressen, wäre der Ruf rasch ruiniert. In der Tat haftet KKR in der Branche, die in den 80er-Jahren den Ruf von Raubrittern erworben hat, heute ein relativ gutes Image an. Die US-Investoren haben in vergangenen Jahren weit über 100 Unternehmen im Wert von gut 140 Milliarden Dollar gekauft. In Deutschland wurde 2004 zuletzt Wincor Nixdorf von KKR an die Börse gebracht. Es gebe Fälle, wo KKR in übernommene Firmen investiert und eine nachhaltige Perspektive geschaffen habe, räumt der Geschäftsführer der IG Metall München, Horst Lischka, ein. Ob das auch für MTU gilt, will er nicht beurteilen.

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