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Egon Behle

Luftfahrt: MTU-Rekord mit dunklem Schatten

München - Glänzende Geschäfte haben MTU ein weiteres Rekordjahr beschert. Doch in die Freude über den Erfolg mischen sich düstere Perspektiven für einen wichtigen Geschäftsbereich.

Eigentlich könnte es für MTU kaum besser laufen: Die Nachfrage nach Flugzeugen steigt. Und bei fast jedem Modell ist der Münchner Triebwerksbauer irgendwie dabei. Motoren für die aktuellen kleinen Airbus-Modelle sind derzeit größter Umsatzbringer. Gleichzeitig füllen bereits 3000 Bestellungen für die künftigen besonders sparsamen Motoren – auch für die nächste Airbus-Generation – die Auftragsbücher.

Für die nächsten Jahre muss sich MTU daher kaum Sorgen machen. Und weil der Konzern zunehmend auch auf die Wartung und Überholung setzt, sorgen die Triebwerke auch noch in Jahrzehnten für Aufträge in diesem renditestarken Bereich.

Erwartungsgemäß konnte MTU-Chef Egon Behle gestern erneut Rekorde vermelden. Der Umsatz legte um 15,2 Prozent auf knapp 3,4 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis um 14 Prozent auf 374 Millionen Euro. Und unter dem Strich bleiben 233,4 Millionen Euro. Auch fürs laufende Jahr stellte der bei seinen Prognosen stets vorsichtige Konzernchef Wachstumsraten zwischen zehn und zwölf Prozent in Aussicht. Das Personal wird weiter aufgestockt. 2012 stieg die Mitarbeiterzahl um 4,1 Prozent auf 8541. Davon arbeiten über 7000 Menschen an den deutschen Standorten München, Hannover und Brandenburg.

Auch das militärische Triebwerksgeschäft konnte beim Umsatz um 13 Prozent zulegen. Doch diese Zahl trügt. Noch sorgt das Eurofighter- Triebwerk EJ 200 MTU für hohe Umsätze. Doch das Programm läuft in den nächsten Jahren nach und nach aus.

Ein Nachfolgeprojekt ist nicht in Sicht. Alle Experten sind sich einig, dass künftige Kampfflugzeuge unbemannt sein müssen, schon weil ihnen Flugmanöver abverlangt werden, die ein Mensch an Bord nicht überleben könnte.

Diese Kampfflugzeuge haben nur noch wenig mit den fliegenden Kameras zu tun, die heute als Aufklärungs-Drohnen unterwegs sind. Schon die notwendigen Technologien sind eine gewaltige Herausforderung für Ingenieure.

„Wir könnten hier einiges bieten“, sagt Behle. „Doch wir werden ohne klare Perspektiven und Aufträge keine Ressourcen vorhalten.“ Das bedeutet: Vorerst werden in Deutschland keine Triebwerke mehr für Kampfflugzeuge entwickelt. Die Politik zeigt an dem Thema kein nennenswertes Interesse und riskiert damit, wie in den 1960er-Jahren erneut am Tropf der US-Rüstungsindustrie zu hängen. Denn Triebwerke für militärische und zivile Flugzeuge entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen. Da lässt sich nur sehr wenig von dem einen auf den anderen Bereich übertragen. Und wenn hochspezialisierte Entwicklerteams zerfallen, sind bald auch die Ergebnisse ihrer Arbeit unwiederbringlich verloren. Schon heute zieht MTU Mitarbeiter von Eurofighter für zivile Projekte ab, wo sie gebraucht werden. „Dieser Prozess wird sich fortsetzen“, sagt Behle. „Die Kompetenz ist dann in Deutschland irgendwann nicht mehr vorhanden“, räumt er ein.

Kurioses zwischen Himmel und Erde

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Das ist zunächst keine Katastrophe für den Münchner Triebwerksbauer. Er hat auf absehbare Zeit im Zivilbereich genug zu tun. Es ist aber fatal für den Luftfahrtstandort Bayern. Der Freistaat hat sich in den 60er-Jahren auf den vermeintlich sicheren Militärflugzeugbau konzentriert und den als krisenanfällig geltenden Zivilflugzeugbau weitgehend Hamburg überlassen.

Das rächt sich nun. Der EADS-Konzern hat den Kampfflugzeugbau in Manching konzentriert. Die dortigen Arbeiter und Ingenieure gehören zu den weltweit besten ihres Fachs. Dennoch stellt sich ihnen immer dringender die Frage, wann in diesem bayerischen Technologiezentrum die Lichter ausgehen.

Von Martin Prem

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