MTU: Weitere 600 Stellen werden dem raschen Börsengang geopfert

- München - Die MTU bezahlt ihre Vorbereitungen auf einen Börsengang mit hohem Stellenabbau. Zugleich steigen die Gewinne so kräftig, wie die Schulden sinken. Der Münchner Flugzeugturbinenhersteller wird weiter auf baldige Börsenfähigkeit getrimmt. Nach neun Monaten 2004 wuchs das Ergebnis nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen um fast zwei Drittel auf 171 Millionen Euro, teilte die globale Nummer fünf der Branche in einem Zwischenbericht mit. Zugleich seien die Bankschulden um rund 200 Millionen Euro reduziert und damit gut halbiert worden, sagte Finanzchef Reiner Winkler.

<P>Den besseren Finanzzahlen steht allerdings ein Abbau von 373 Stellen in München gegenüber. Bis Ende des Jahres fallen dort und in Hannover nochmals 200 Stellen weg. Weitere knapp 400 Arbeitsplätze will MTU an heimischen Standorten bis Ende 2006 kappen und dann im Konzern noch etwa 7000 Frauen und Männer beschäftigen.<BR><BR>Seit der US-Finanzinvestor KKR die MTU vor Jahresfrist von Daimler-Chrysler für 1,5 Milliarden Euro erworben hat, werden rigide Kosten gespart. Die neuen Eigner wollen den Konzern bis 2006 börsenfähig und bei einem Ausstieg dann selbst Kasse machen. Der Sparkurs gehe auf Kosten künftiger Wettbewerbsfähigkeit, kritisieren indessen Gewerkschafter und Mitarbeiter.<BR><BR>Aktuell ist MTU in den anstehenden zivilen und militärischen Flugzeugprojekten noch gut vertreten. Für das künftig größte Passagierflugzeug der Welt, den Airbus A380, liefern die Münchner in Kooperation mit Partnern 60 Prozent aller Triebwerke. Auch das Kampfflugzeug Eurofighter fliegt mit MTU-Triebwerkskomponenten. <BR><BR>In den ersten neun Monaten 2004 ist der Auftragseingang aber um gut 42 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro gesunken. Im Vorjahreszeitraum waren viele Großaufträge abgerechnet worden. Der Auftragsbestand beträgt Ende September nahezu unverändert gut drei Milliarden Euro. Das sei eine "solide Auftragsbasis", sagte MTU-Chef Klaus Steffens. Bis Ende des Jahres erwartet sein Konzern knapp zwei Milliarden Euro Umsatz. Das wäre ein Plus von zwei Prozent, obwohl der schwache Dollar die Erlöse drückt.<BR><BR>Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stagnierten bis Ende September knapp bei 112 Millionen Euro. Detailliertere Bilanzzahlen hat MTU auch unter dem neuen Eigner bislang nicht veröffentlicht. </P>

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