Vor MTU-Verkauf: Industrie läuft Sturm gegen Clements Pläne

- München - MTU gehört zu den wichtigen deutschen Rüstungsunternehmen. Und es könnte bald in ausländische Hände geraten. Pläne, einen Ausverkauf der deutschen Rüstungsindustrie gesetzlich zu unterbinden, stoßen in der Wirtschaft auf blankes Entsetzen. Man müsse bei den Amerikanern nicht gerade die Fehler kopieren.

<P>Tatsächlich ist die US-Rüstungsindustrie gegen ausländisches Kapital und Technologietransfer nach außen abgeschirmt. Selbst harmlose Dinge, die entfernt mit Rüstung zu tun haben könnten, unterliegen rigiden Ausfuhrbeschränkungen.</P><P>Ähnliches plant nun Berlin. Die Regierung will mitreden, wenn ein ausländischer Investor mehr als 25 % eines deutschen Rüstungsunternehmens erhält. Das haben sowohl Kanzler Gerhard Schröder als auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement angekündigt.</P><P>Bei der U-Boot-Werft HDW wurde Berlin noch eiskalt erwischt. Sie ging an den US-Investor One Equity Partners. Siemens will seine 49 % an Krauss-Maffei-Wegmann loswerden. Und nun steht mit dem Triebwerkshersteller MTU ein weiterer Produzent von High-Tech-Rüstungsgütern zum Verkauf.</P><P>Dass der Eigentümer Daimler-Chrysler sich von dieser Tochter langfristig trennen will, konnte man sich an den Fingern abzählen. Denn als sich der europäische Rüstungs- und Luftfahrt-Konzern EADS formierte, brachte Daimler nur diese Tochter nicht ein. Man könne kaum noch Triebwerke etwa an Boeing verkaufen, wenn man in einem Verbund mit Airbus sei, hieß es damals. In den Strategien des Weltkonzerns spielte die ehemaligen "Motoren- und Turbinen-Union" seither keine wesentliche Rolle mehr.</P><P>Dass US-Unternehmen mit Gier auf solche Happen im alten Europa blicken, ist in der Branche kein Geheimnis. "Ich erwarte dass die Amerikaner strategisch einsteigen, wo immer sie können", sagte Thomas Diehl, Chef des gleichnamigen Nürnberger Rüstungskonzerns bereits von einem Jahr.</P><P>Dies gesetzlich zu unterbinden allerdings hält die Industrie für einen Fehler. Wehrtechnische Unternehmen seien, um zu überleben, auf internationale Kooperationen und Verflechtungen angewiesen, kritisierte der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI). Und in der Luft- und Raumfahrtbranche fordert man zur Stabilisierung der heimischen Industrie, mehr und vor allem berechenbare Aufträge - also mehr Investitionen in Rüstungstechnik. Durch die geplanten Beschränkungen sei "eher mit negativen Folgen zu rechnen", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg.</P><P>Gerade die EADS muss derartige Beschränkungen fürchten. Denn trotz der national ausgereichten Beschaffungspolitik der USA fasst der europäische Konzern in den USA zunehmen Tritt - und baut derzeit sogar ein Hubschrauberwerk im Staat Mississippi. Unmittelbare Rüstungsaufträge fließen zwar nicht. Aber die US-Küstenwache und andere staatliche Stellen setzen auf europäische Hubschraubertechnologie. Eine gesetzliche Investoren-Kontrolle würde hier schaden.</P><P>Das Schlimmste will Daimler-Chrysler offenbar verhindern. Während der Konzern zu den Plänen aus Berlin eisern schweigt, ist man offenbar versucht, Clement bei seinen Plänen den Wind aus den Segeln zu nehmen. "Wir sind an einer europäischen Lösung interessiert", ist die Sprachregelung. Mit fünf Interessenten werde verhandelt. Es würde aber die Verhandlungsposition von Konzernchef Jürgen Schrempp schwächen, wenn die Amerikaner aus dem Rennen wäre. Zu den Interessenten sagt der Konzern zwar nichts. Immer wieder genannt aber wurde der US-Finanzinvestoren Carlyle der erst im Juli Fiat Avio gekauft hat und den italienischen Konkurrenten mit MTU zu einem großen Triebwerksspezialisten verschmelzen könnte.</P>

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