Müller, Kamps und der Kampf der Großbäcker

- Neufahrn - Fressen und gefressen werden, Konkurrenten beißen und gebissen werden - der Kampf der Großbäcker tobt. Die Kamps AG wehrt sich jetzt öffentlich gegen Müller Brot. Intern beharken sich die Manager, gleichzeitig drohen der gesamten Branche neue Entlassungen. Qualm zieht durch Deutschlands Backfabriken.

<P>Müller Brot feuert 350 Mitarbeiter (200 davon in Neufahrn) und schiebt die Schuld auf Konkurrenten Kamps, der Lieferverträge gekündigt hatte. Kamps kontert, die gestrichenen Aufträge hätten gerade mal drei Dutzend Mitarbeiter beschäftigt. Am Personalabbau bei Müller sei dessen "offensichtlich wirtschaftlich schlechte Situation" schuld, sagte ein Kamps-Sprecher unserer Zeitung. Müller habe sich bei einem Einstieg beim verschuldeten Ankerbrot in Wien arg verhoben, wird gemunkelt. Große Gewerbesteuereingänge von Müller am Standort Neufahrn gibt es jedenfalls offenbar nicht: "Schlechter kann es nicht werden", sagt der Bürgermeister lakonisch über den zweitgrößten Arbeitgeber in der Gemeinde.</P><P>Brisant ist auch die Konstellation der Brot-Manager. Klaus Ostendorf arbeitete zuletzt bei Kamps. Jetzt ist er seit vier Monaten Investor und Boss bei Konkurrent Müller Brot. Offenbar werden nun alte Animositäten ausgetragen. "Kopf hoch, auch wenn der Hals schwarz ist", spottet das Branchenmagazin "Webbaecker" über die angriffslustigen Teigkneter.</P><P>Offenbar knirscht es auch intern bei Müller Brot. Zwischen Gründer Hans Müller und dem Vorstand soll es vor einigen Tagen "fürchterlich gekracht" haben, berichten Zeugen. Der Aufsichtsratschef soll aufgefordert worden sein, das Büro zu räumen, weil er sich zu sehr ins Geschäft einschalte. "Blödsinn, Larifari", sagte Müller dazu unserer Zeitung. Er sei zufrieden und "wirke weiterhin ein. Alles läuft ganz normal weiter."</P><P>Auch Vorstand Ostendorf ("Wir kennen uns seit 30 Jahren") bleibe an Bord. Der Niedersachse ist der Branche als harter Sanierer bekannt. Der Multimillionär (200 bis 300 Mio. Euro Vermögen) galt als enger Freund Müllers, mit dem er die Pferde-Leidenschaft teilt. Gut möglich, dass Ostendorf die Zügel im Betrieb noch härter anzieht, wenngleich Hans Müller weitere Kündigungen gegenüber unserer Zeitung ausschloss.</P><P>Abbau droht der gesamten Branche. Die Großbäcker sind zwar auf dem Vormarsch, müssen aber massiv rationalisieren. "Betriebs- und Personalkosten müssen runter", heißt es knapp beim Verband. Semmeln werden von Maschinen ausgespuckt, bis zu 100 000 pro Stunde. Viele Mittelständler können nicht mithalten. Gleichzeitig droht Billig-Konkurrenz aus Osteuropa. Die Branchenstruktur ist kaum stabiler als Knäckebrot. Jedes Jahr machen etwa 800 Betriebe dicht, vor allem kleinere. Auch in Bayern klumpt die Branche. Im Schnitt verdrückt zwar jeder Deutsche 85 Kilo Backwaren pro Jahr - viele Bäcker müssen sich dennoch einen neuen Broterwerb suchen.</P>

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