Wie München den Platz an der Spitze sichern kann

- München - Oberbayern ist die beste Region in Deutschland - bei der Lebensqualität und der Wirtschaftskraft. Doch die Spitzenstellung ist kein unangefochtener Erbhof und könnte verloren gehen. Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, sieht an vielen Fronten Handlungsbedarf

<P>So erreicht München im Vergleich des Magazins "Wirtschaftswoche" beim "Niveauranking" in allen Disziplinen hervorragende Noten. Doch bei der Dynamik hapert es. Die bayerische Landeshauptstadt rangiert, wo es um die weitere Entwicklung geht, auf Platz 13 in Deutschland. Sie liegt damit nicht nur hinter den attraktiven Spitzenreitern Frankfurt oder Stuttgart, sondern wird auch von Bremen oder Kassel abgehängt. <BR><BR>Dörfler allerdings warnt davor, dies zu überschätzen, und verweist auf den Basis-Effekt. Er vergleicht dabei die Städte mit Hochspringern. "Der eine schafft 1,80 Meter und verbessert sich auf zwei Meter, der andere von 2,20 Meter auf 2,23 Meter." Wer schon sehr gut ist, für den wird es schwieriger, immer noch besser zu werden.<BR><BR>Doch gibt es ernst zu nehmende Alarmzeichen, dass die Stadt ihre künftige Entwicklung selbst hemmt. Die Provinzialität Münchens (die Stadt kokettierte bereits einmal mit dem Begriff "Millionendorf") könnte dramatische Folgen haben. Das von Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter vom Zaun gebrochene Bürgerbegehren gegen Hochhäuser nennt Dörfler an erster Stelle. So etwas schrecke Investoren ab. Doch auch den von Nachfolger Christian Ude vor Gericht gebrachten Streit um den Stern über dem Mercedes-Hochhaus betrachtet er als kleinkariert. "Eine attraktive Stadt kann Werbung im Stadtbild vertragen", sagt er. Dabei gebe es andere Möglichkeiten, am Erscheinungsbild der Stadt zu arbeiten. Dörfler: "Der Weg zum Flughafen ist eine Müllhalde."<BR><BR>Doch als wirksamsten Hemmschuh einer dynamischen Entwicklung betrachtet Dörfler die Bürokratie. "München ist die Stadt mit dem größten öffentlichen Dienst in Deutschland." Diese Größe kann träge machen, so kritisiert der IHK-Chef die Lokalbaukommission der Stadt: Eine Weile seien Genehmigungen schneller erteilt worden, nun registriert Dörfler wieder längere Wartezeiten, bis ein Bauherr loslegen kann.<BR><BR>Auch im Wohnungsbau weist der Chef der größten bayerischen IHK auf erhebliche Defizite hin. Während bei Gewerbeimmobilien weithin Überfluss vorherrscht, würden zu wenig Wohnungen gebaut. "7000 neue Wohnungen im Jahr würden in einer Stadt wie München gebraucht", sagt er, doch 2003 wurden nur 3000 gebaut. Dabei verweist Dörfler auf eine dramatische soziale Folge: "München ist die Stadt mit den wenigsten Kindern." <BR><BR>Dabei reicht die IHK der Stadt in vielen Punkten die Hand. So habe man die Zahl der Anlaufstellen für eine Gewerbeanmeldung reduziert. Lediglich der Gang zum Notar und zum Gericht bleibt in vielen Fällen unvermeidlich. Doch habe auch die Justiz die notwendigen Verfahren, bis beispielsweise eine GmbH eingetragen ist, erheblich beschleunigt. Dies dauert inzwischen nicht mehr Wochen, sondern nur noch acht Tage.<BR><BR></P>

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