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BMW-Mitarbeiter bauen die Fahrgastzelle des i3 aus Carbon. Das revolutionäre Elektroauto verkauft sich unerwartet gut. Wer es jetzt bestellt, muss rund vier Monate darauf warten.

Noch nie mehr Beschäftigte

München profitiert vom Jobwunder bei BMW

München - Auch BMW meldet im dritten Quartal leichte Einbußen bei den Einnahmen und beim Betriebsgewinn. Doch beim Personal gibt der Konzern weiter Gas. Noch nie – seit der Trennung von Rover – hatte der Münchner Konzern mehr Beschäftigte.

Der Rekord war gut versteckt, die Zahl im Zwischenbericht des Autobauers nur eine Randnotiz: 109 871 Menschen waren Ende September bei BMW beschäftigt. Nur während der unglücklichen Ehe mit Rover bis 2000 hatte der Konzern noch mehr Personal an Bord.

Damit hat der Münchner Autobauer den dramatischen personellen Aderlass von 2008 mehr als ausgeglichen: 5000 Leiharbeiter mussten damals gehen und rund 3000 Stammbeschäftigte, die zum Teil mit hohen Abfindungen zum Verlassen des Konzerns gedrängt wurden.

Alles vergessen. Und es geht weiter bergauf. Noch 2013, heißt es in der BMW-Zentrale, „werden wir die 110 000 überschreiten“. Dabei sehen die Kennzahlen nicht nach Expansion aus: Trotz steigenden Absatzes schrumpfte der Umsatz im dritten Quartal um 0,4 Prozent auf 18,75 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank um 3,7 Prozent auf 1,93 Milliarden Euro. Unter anderem eine gesunkene Steuerlast sorgte dafür, dass unter dem Strich der Überschuss um 40 Millionen Euro stieg – auf 1,33 Milliarden Euro.

Wechselkurseffekte macht Finanzvorstand Friedrich Eichiner für die Bremsspuren verantwortlich. Dazu kommen teure Rabattschlachten vor allem im stagnierenden europäischen Markt. Und ganz nebenbei steckt BMW auch noch Milliarden an Entwicklungskosten einfach weg – anstatt sie gewinnschonend zu aktivieren – also die Entwicklungsleistungen in der Bilanz als geschaffene Werte zu verbuchen.

Viel Entwicklungsgeld ist vor allem in den elektrischen i3 geflossen. Und jetzt gibt es erste Hinweise, dass es sich gelohnt haben könnte. Von 8000 bis 9000 Vorbestellungen spricht Eichiner und räumt Wartezeiten von drei bis vier Monaten ein. Das sei „noch im Rahmen“, sagt er.

Nicht nur BMW profitiert von den Entwicklungsanstrengungen. Ein großer Nutznießer ist die Stadt München. Denn anders als von BMW früher angekündigt, findet der Personalaufbau nicht nur im Ausland statt. Rund 1100 der 4000 von BMW in diesem Jahr zusätzlich eingestellten Mitarbeiter arbeiten in München. Vor allem das Innovationszentrum FIZ an der Milbertshofener Knorrstraße wächst weiter und ist längst der wichtigste Standort des Konzerns geworden. 36 733 Mitarbeiter hat BMW insgesamt in der Landeshauptstadt angestellt. Eigentlich sind es über 40 000, korrigiert Horst Lischka von der IG Metall. Wegen der anstehenden Betriebsratswahlen hat die Gewerkschaft die Zahlen ermittelt. Sie rechnet die Leiharbeiter mit ein und kommt deshalb auf die höhere Zahl. Aber auch die 40 000 sind – wenn man die Bedeutung von BMW für den Wirtschaftsstandort München abschätzen will – noch zu niedrig gegriffen. Hinzu kommen Mitarbeiter von Ingenieurdienstleistern, die über Werkverträge bei BMW arbeiten. Oder Entwicklungsingenieure von Zulieferern, deren Arbeitsplatz im FIZ liegt. So sorgt BMW in München für die Beschäftigung von zwischen 50 000 und 60 000 Menschen.

Doch das Jobwunder in München und an den anderen deutschen Konzern-Standorten ist nicht auf alle Zeiten gesichert. Nur wennwir die Eurozone, den einheitlichen Währungsraum mit 17 Staaten stabil halten, sei es „gerechtfertigt, dass wir so viel Beschäftigung in Deutschland haben“, sagt Konzernchef Norbert Reithofer. Ein Aus für den Euro könnte BMW mit seinem weltweiten Produktionsnetzwerk verkraften, die überproportional vielen deutschen Arbeitsplätze des Konzerns wären aber schnell dahin.

Denn der Automarkt Deutschland macht wenig Hoffnung. Mittelfristig Stagnation und langfristig Schrumpfung ist Reithofers Prognose. Wachstum findet woanders statt: Aus China und den USA meldet BMW zweistellige Wachstumsraten.

Martin Prem

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