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Reisen bildet: Ilse Aigner besuchte vor zwei Wochen die israelische Hauptstadt Tel Aviv, die als eines der weltweiten Zentren für Start-ups gilt. Die jungen Kreativen erklärten der Ministerin, welche Rahmenbedingungen sie brauchen.

IT-Branche

München soll Paradies für Start-ups werden

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München - Die Staatsregierung hegt große Pläne: Bayern soll zu einem Zentrum der weltweiten IT-Branche werden. Von Garching aus wird künftig die Forschung koordiniert. Das Gründerzentrum am Münchner Ostbahnhof soll deutlich wachsen.

Ilse Aigner neigt eigentlich nicht zur Übertreibung. Doch als die Wirtschaftsministerin gestern nach der Kabinettssitzung ihre Strategie „Bayern Digital“ vorstellt, bemüht sie die ganz großen Linien: Bayern stehe vor der „dritten großen Weichenstellung“. Nach der Industrialisierung unter Franz Josef Strauß und der High-Tech-Offensive von Edmund Stoiber folge nun „der Aufbruch ins digitale Zeitalter“. Ihr Ziel: Bayern soll zu einem Zentrum der Internet- und Medienindustrie werden. Und der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Großraum München.

Aigner selbst hat sich akribisch auf diesen Moment vorbereitet. Das undankbare Feld der Energiepolitik hat der ambitionierten Ministerin bislang vor allem Ärger eingebracht. Umso wichtiger ist es deshalb, dass sie nun wirtschaftliche Akzente setzen kann. In den vergangenen Wochen besuchte sie erst das Silicon Valley in Kalifornien, dann Tel Aviv – beide Regionen gelten als Vorreiter für ambitionierte Start-up-Firmen. Aigner sprach mit den jungen Gründern, aber auch mit Banken und vermögenden Investoren. Viel gelernt habe sie, sagt Aigner. Jetzt will sie Bayern in die internationale Liga führen.

Ganz neu ist das Anliegen nicht. Schon im April 2013 eröffnete das Wirtschaftsministerium, damals noch unter FDP-Führung, auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände am Münchner Ostbahnhof das Gründerzentrum Werk 1. Noch ist kein Vertrag unterschrieben, doch bald dürfte dieses Zentrum deutlich wachsen: 15 Millionen Euro will der Freistaat in den nächsten fünf Jahren in die Hand nehmen, um innovativen Köpfen günstige Büroflächen zur Verfügung zu stellen. Oft brauchen diese nur ein bis zwei Schreibtische, um ihre Idee voranzubringen. Bis zu 20 000 Quadratmeter soll das Zentrum in der Endstufe umfassen – inklusive einer Caféteria, wo man sich austauschen kann. Ilse Aigner hat auf ihren Reisen gelernt, dass ganz viel vom „Spirit“ abhängt, wie sie sagt. Vom Gründergeist, der die kreativen Köpfe auch nach einem Scheitern den zweiten Anlauf wagen lässt. „Wir wünschen uns für den Freistaat eine Art Goldgräberstimmung, in der jeder daran glaubt, dass er es schaffen kann“, sagt Aigner.

Zugleich will die Staatsregierung die wissenschaftliche Begleitung des Themas forcieren. Schließlich werden aus besseren Absolventen auch bessere Gründer. In Garching soll das sogenannte Zentrum Digitalisierung Bayern entstehen. Es wird die Hochschulforschung, private Institute wie die Fraunhofer-Gesellschaft und die Wirtschaft zusammenbringen. Der Freistaat will 120 Millionen Euro in die Hand nehmen – unter anderem, um neue Lehrstühle in diesem Bereich zu ermöglichen. Details sind noch offen.

Ministerpräsident Horst Seehofer lässt seine Begeisterung über Aigners Pläne ausrichten. „Hand und Fuß“ habe das. Auch von der Opposition gibt es durchaus lobende Worte: Markus Rinderspacher hatte Aigner auf ihrer Israel-Reise begleitet. „Die Richtung stimmt“, sagt der SPD-Fraktionschef. Ihn stört eher die Kommunikation. „Es wird so getan, als würde hier eine neue Idee entwickelt.“ Tatsächlich habe die Stadt München das erste Gründerzentrum dieser Art gebaut. „Der digitale Aufbruch der CSU kommt reichlich spät.“ Zudem erwartet Rinderspacher einen Aufschrei aus anderen Bezirken. „Als Münchner Abgeordneter begrüße ich die Konzentration auf die Landeshauptstadt natürlich. Als Fraktionsvorsitzender weiß ich aber, dass andere Regionen neidvoll auf München schauen werden.“

Doch auch der ländliche Raum darf sich freuen: Offenbar steht die Zustimmung aus Brüssel zum Breitbandausbau unmittelbar bevor. Laut Staatskanzleichefin Christine Haderthauer dürfte es sich nur noch um Wochen handeln. Dann darf Finanzminister Markus Söder 1,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um den Telekommunikationsunternehmen auch einen unrentablen Ausbau schmackhaft zu machen. Für viele Firmen in ganz Bayern wäre das eine große Erleichterung.

Von Mike Schier

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