Münchener Rück: Ende der Verschwiegenheit

- München - Bei der Münchener Rück wird zum Jahreswechsel eine neue Ära eingeläutet. Nikolaus von Bomhard übernimmt als neunter Vorstandsvorsitzender in der mehr als 120-jährigen Geschichte des Konzerns den Chefsessel von Hans-Jürgen Schinzler, der in den Aufsichtsrat wechselt. Unternehmenskenner rechnen damit, dass das strategische Konsequenzen haben wird.

<P>2003 macht der Konzern den ersten Verlust seit fast 100 Jahren. "Ich hätte mir schon einen besseren Abgang vorgestellt", sagte Schinzler in einem seiner wenigen Interviews. Schinzler trieb in seiner Amtszeit die Entflechtung von der Allianz und mit dem Kauf der American Re die Internationalisierung voran und schmiedete mit dem Erstversicherer Ergo ein zweites Standbein für den Konzern. Beide Töchter erwiesen sich als Sorgenkinder.</P><P>Nachfolger Bomhard (47) war 1985 nach dem Jura-Studium als Trainee bei der Münchener Rück gestartet. Der gebürtige Franke betonte zwar vor seinem Wechsel an die Spitze, dass es keine Pläne für einen Verkauf von Ergo gebe. Das Produkt der klassischen Kapitallebensversicherung mit festen Garantien für die Kunden aber will er auf den Prüfstand stellen.</P><P>In jedem Fall aber könnte es weitere Umbaumaßnahmen geben. Vor einigen Tagen hatte Standard & Poor's das Rating von Ergo abgestuft. Das Unternehmen bestätigte die Schließung des Internet-Spezialversicherer Intodo. Zudem erwägt Ergo eine Kapitalerhöhung bei der Tochter Victoria Leben. Nach Einschätzung in Branchenkreisen hält Bomhard die Probleme für beherrschbar. Die Tochter könne zwar mal das Ergebnis verhageln, nicht aber die Münchener Rück ins Wanken bringen. Gefährlicher könnte die American Re werden.</P><P>In jedem Fall will Bomhard den Konzern öffnen. Im Sommer hatte die Münchener Rück einen Streit mit der Ratingagentur Standard & Poor/s. Diese forderte eine Stärkung der Kapitalbasis. Am Ende entschied sich die Münchener Rück für eine milliardenschwere Kapitalerhöhung.</P><P>Auch deshalb will Bomhard die Kommunikation mit der Finanzbranche verbessern. Schinzler war lange der Ansicht, die Münchener Rück könne auf Verschwiegenheit setzen, da man mit den nur wenigen Kunden auch direkt kommunizieren könne. Spätestens mit der Aufnahme des Unternehmens in den Dax 1996 musste sich der Konzern öffnen. Bomhard will diesen Prozess beschleunigen.</P>

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