Die anhaltende Dürre in weiten Teilen der USA könnte Munich Re in diesem Jahr mehr als 160 Millionen Euro kosten. Foto: dpa

Münchener Rück erhöht trotz Krise Prognose

München - Vor einem Jahr hat die Katastrophe in Fukushima Munich Re die Bilanz verhagelt. In diesem Jahr blieb der weltgrößte Rückversicherer bisher von Großschäden verschont. Trotz Eurokrise und Dürre in den USA erhöht der Konzern seine Gewinnprognose.

Nikolaus von Bomhard wählt seine Worte stets sehr sorgfältig. Der Vorstandsvorsitzende von Munich Re (ehemals Münchener Rück) neigt nicht zu dramatischen Äußerungen. So lässt sich auch nur zwischen den Zeilen herauslesen, wie ernst von Bomhard die Schuldenkrise in Europa einstuft. Die Krise sei alles andere als überstanden. „Die Situation hat sich eher verschlechtert“, sagt von Bomhard bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen in München. Munich Re habe sich daher für alle Szenarien gerüstet – auch den Zerfall der Euro-Zone.

Für das erste Halbjahr präsentiert von Bomhard allerdings überraschend positive Zahlen. Der Gewinn kletterte auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Vor einem Jahr war der Konzern wegen der Erdbeben-Katastrophe in Japan ins Minus gerutscht. Zwischen April und Juni verdiente Munich Re unterm Strich 812 Millionen Euro – ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Unser konservativer Geschäftsansatz erweist sich in diesen unsicheren Zeiten als robust“, so der Konzernchef.

Die unsicheren Zeiten schlagen sich vor allem bei den Kapitalanlagen nieder. Zwar stieg das Ergebnis um knapp 17 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Doch die laufende Rendite sank von 4,2 auf 3,6 Prozent. Für Neuanlagen erzielte der Rückversicherer im ersten Halbjahr sogar nur 2,8 Prozent, so Finanzvorstand Jörg Schneider.

Die niedrigen Zinsen belasten den Konzern. Für den Rückversicherer wird es immer schwieriger, den Garantiezins aus alten Lebensversicherungsverträgen zu erwirtschaften. Dies bekommen auch die Kunden zu spüren. Die Überschussbeteiligung werde mit Sicherheit nicht steigen, so von Bomhard.

Unter den Mini-Zinsen leidet auch die Erstversicherungstochter Ergo. Gerade das Neugeschäft mit Lebensversicherungen sei deutlich schwieriger geworden, räumt Ergo-Chef Torsten Oletzky ein. „Die Kunden sind sehr vorsichtig bei langfristigen Entscheidungen.“ Insgesamt erzielte Ergo in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Gewinn von 295 Millionen Euro – ein Plus von gut 24 Prozent. Der geplante Umbau im Vertrieb dürfte Ergo allerdings mit einem dreistelligen Millionenbetrag belasten, kündigt Oletzky an. So sollen durch die Bündelung im Vertrieb rund 1300 Stellen wegfallen.

Zum positiven Ergebnis trug auch ein deutlicher Rückgang bei den Schäden aus Naturkatastrophen bei. 716 Millionen Euro musste Munich Re im ersten Halbjahr für Großschäden bezahlen – und damit deutlich weniger als im langjährigen Durchschnitt. Vor allem die anhaltende Dürre in den USA trifft den Rückversicherer. 160 Millionen Euro hat der Konzern als Reserve bereits zurückgelegt. Die endgültige Schadenshöhe zeigt sich erst im Herbst, wenn die Ernte verkauft wird. Dennoch steht schon fest: Die Dürre in den USA sei der größte Schaden, den Munich Re in der Agrarversicherung bisher erleiden musste, sagt der zuständige Vorstand Torsten Jeworrek. Durch den Klimawandel dürften solche Katastrophen in den nächsten Jahren allerdings noch zunehmen.

Trotz Eurokrise bleibt Munich-Re-Chef von Bomhard optimistisch und schraubt die Jahresprognose sogar leicht nach oben. Mit einem Gewinn von 1,6 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten des Jahres habe der Konzern bereits mehr als die Hälfte der eigenen Zielmarke von 2,5 Milliarden Euro erreicht, sagt von Bomhard. „Damit sind wir auf gutem Kurs, den ursprünglich angestrebten Jahresgewinn leicht zu übertreffen.“

Steffen Habit

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