Münchener Rück erwartet Jahresverlust

- München - Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück wird wegen hoher Steuerrückstellungen und Abschreibungen 2003 voraussichtlich den ersten Jahresfehlbetrag seit fast 100 Jahren verbuchen. Mit dem operativen Geschäftsverlauf sei man derzeit aber zufrieden, sagte Vorstandsmitglied Jörg Schneider am Dienstag in München. Vor Steuern gehe die Münchener Rück für das Gesamtjahr auch von einem "sehr deutlichen Gewinn" aus.

Ein großer Teil der Abschreibungen und Verluste aus Aktienverkäufen sei allerdings steuerlich nicht abzugsfähig, wegen der hohen Steuerrückstellungen werde daher netto ein Fehlbetrag erwartet. Die Münchener Rück hatte zuletzt im Jahr 1906 nach dem großen Erdbeben von San Francisco einen Jahresverlust nach Steuern geschrieben.<BR><BR>Im dritten Quartal konnte das Unternehmen seine Verlustserie beenden und erstmals wieder einen Gewinn erzielen. Dieser fiel mit 152 Millionen (Vorjahr: minus 859 Mio) Euro aber deutlich geringer aus, als von Experten erwartet. Nach neun Monaten stand ein Verlust von 451 Millionen Euro. Der Münchener Rück-Aktienkurs sank um zwischenzeitlich 2,5 Prozent auf 99,80 Euro.<BR><BR>Von der Erholung an den Börsen konnte die Münchener Rück im dritten Quartal noch nicht richtig profitieren. Das Kapitalanlageergebnis betrug 2,28 Milliarden Euro und fiel damit zwar deutlich besser aus als im Vorjahr, als hohe Abschreibungen auf Wertpapiere dem Konzern ein Minus von 1,57 Milliarden Euro beschert hatten. Doch verdiente die Münchener Rück per Ende September über Kapitalanlagen lediglich 4,2 Milliarden Euro und damit weit weniger als zu Zeiten des Börsenbooms.<BR><BR>Für den operativen Geschäftsverlauf zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich. "Die Münchener Rück geht mit Rückenwind in die laufende Erneuerung der Rückversicherungsverträge", sagte MünchenerRück-Vorstand Jörg Schneider. Im dritten Quartal verbuchte das Unternehmen in diesem Segment vor Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte einen Gewinn von 376 Millionen (Vorjahr: minus 553 Mio). Die Bruttobeiträge legten im Rückversicherungsgeschäft um 3,5 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zu. Dabei schmälerten Wechselkurseffekte den Umsatz. Für 2003 rechnet der Konzern mit einem stagnierenden Umsatz von rund 40 Milliarden Euro.<BR><BR>Gestärkt durch die milliardenschwere Kapitalerhöhung vor einigen Woche könne der Konzern zusätzliche Ertragschancen nutzen, sagte Schneider. Die Münchener Rück hatte sich rund 3,9 Milliarden Euro beschafft und damit die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, der Börsenkrise und der Jahrhundertflut im vergangenen Jahr zusammengeschmolzene Eigenkapitaldecke deutlich gestärkt. Aus dem kürzlich getätigten Verkauf von Allianz-Aktien erwartet das Unternehmen im vierten Quartal einen Buchgewinn von 390 Millionen Euro. Damit hält die Münchener Rück nun noch 12,2 Prozent an der Allianz.<BR> 

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