Münchener Rück: Finanzspritze für US-Tochter

- München - Die Münchener Rück muss ein vermeintlich letztes Mal für ihre US-Tochter American Re bluten. "Das Fass hat nun einen Boden", beschied Konzernchef Nikolaus von Bomhard mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre, die für das US-Versicherungsgeschäft immer wieder hohe Rückstellungen für Altschäden notwendig gemacht hatten.

Dabei ging es vor allem um Schäden, die aus der viele Jahre zurückliegenden Verarbeitung von Asbest im Häuserbau entstanden sind. Weil deshalb viele Menschen an Krebs erkrankt sind, wurden in den USA zuerst die Asbest verarbeitende Industrie und Versicherer zur Kasse gebeten.Der Assekuranz-Konzern zahlt für US-Risiken nun nochmals 1,3 Milliarden Euro. Weil die Summe in einer allgemeinen Spätschadenvorsorge zum größten Teil bereits vorgemerkt war, wird 2005 netto mit 400 Millionen Euro belastet. Wegen dieser Vorreservierung, weil die aktuellen Geschäfte gut laufen und die Münchener Rück jüngst Allianz-Anteile mit einem Gewinn von 560 Millionen Euro verkauft hat, bleibe es auch für das Gesamtjahr bei den angekündigten Gewinnzielen, betonte Bomhard. Zuletzt hatten die Münchner einen Jahresüberschuss von 2,4 bis 2,5 Milliarden Euro angepeilt, nach 1,8 Milliarden Euro Gewinn im Jahr zuvor.Insgesamt hat die Mitte der 90er-Jahre übernommene US-Tochter den Mutterkonzern inklusive Kaufpreis 7,3 Milliarden Dollar gekostet, räumte Finanzvorstand Jörg Schneider ein. Dieser Aderlass hatte nun Ratingagenturen auf den Plan gerufen, die eine Absenkung der Bonität der Münchener Rück ins Auge gefasst hatten. Um das zu verhindern, hat Bomhard eine genaue Analyse des in den USA schlummernden Gefahrenpotenzials verordnet. Die dabei ermittelten Daten gäben Sicherheit, dass nun keine negativen Überraschungen mehr drohen, sagte er. Daran glaubt offenbar auch die Börse. Die Aktie der Münchener Rück legte gestern zwischenzeitlich um rund drei Prozent auf gut 92 Euro zu und war größter Gewinner im Dax.

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