Münchener Rück profitiert von Steuereffekt

München - Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat im zweiten Quartal von einem Steuereffekt profitiert und trotz rückläufigen operativen Geschäfts überraschend unter dem Strich ein Gewinnplus erzielt.

Das Gewinnziel für das Gesamtjahr hob das im DAX notierte Unternehmen auf 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro an. Bislang waren 3,0 bis 3,2 Milliarden Euro erzielt worden. "Wir sind bisher so gut unterwegs, dass wir unser Ergebnisziel erhöhen und mit dem Einmalertrag aus der Steuerreform sogar ein neues Rekordergebnis anpeilen können", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard.

"Die Münchener Rück hat sich operativ sehr gut entwickelt", sagte UniCredit-Analyst Lucio Di Geronimo in einer ersten Reaktion. Das operative Ergebnis habe seine Schätzung ziemlich genau getroffen. Vor allem habe das Unternehmen von der Erstversicherungssparte Ergo profitiert. Mit einer kombinierten Schaden-Kosten-Quote von 85,1 Prozent liege ERGO besser als der Mitbewerber Allianz. "Das gab es in der Vergangenheit selten", sagte Di Geronimo. Ergo hatte seine Gewinnprognose für 2007 am Sonntag um 30 Prozent auf 700 bis 780 Millionen Euro angehoben.

DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel sagte, die neue Zielvorgabe für den Konzern sei realistisch, aber nicht ambitioniert. Steuereffekte herausgerechnet, sei das Ziel für den Überschuss nur um 100 Millionen Euro erhöht worden.

Für das Erreichen dieses Gewinnziels setzt der Vorstand eine normale Entwicklung am Kapitalmarkt sowie der Schadenbelastung bis zum Jahresende voraus. Zudem bestätigte er das Ziel, eine Rendite auf das Risikokapital (RoRAC) in Höhe von mindestens 15 Prozent zu erreichen. Auch das Ziel für die Beitragseinnahmen in Höhe von 36,5 bis 37,5 Milliarden Euro wurde bekräftigt. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote soll sich in der Rückversicherung auf weniger als 97 Prozent belaufen. In der Erstversicherung werden weiterhin weniger als 95 Prozent angestrebt.

Im laufenden dritten Quartal erwartet das Unternehmen von dem Erdbeben in Japan, der Flut in Großbritannien sowie dem Flugzeugunglück in Brasilien jeweils Belastungen in Höhe eines zweistelligen Millionen-Euro-Betrages.

Im abgelaufenen zweiten Jahresviertel ging das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,851 auf 1,535 Milliarden Euro zurück. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Analysten hatten im Schnitt mit 1,510 Milliarden Euro gerechnet. Das Kapitalanlageergebnis gab von 2,674 auf 2,485 (Prognose: 2,574) Milliarden Euro. Der Überschuss nach Minderheiten stieg von 1,116 Milliarden auf 1,140 Milliarden Euro.

Für den Gewinnbeitrag von Munich Re America seien in diesem Quartal wegen einer Abschreibung im Vorjahr keine Ertragssteuern angefallen, erläuterte eine Konzernsprecherin die gegenläufige Entwicklung von operativem Ergebnis und Überschuss. Die Ertragssteuerbelastung ging Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 623 auf 298 Millionen Euro zurück. Alle anderen Ergebnisbeiträge des Konzerns waren rückläufig, wenn auch insgesamt weniger stark als erwartet.

Die Bruttoprämieneinnahmen gingen von 9,027 Milliarden auf 8,908 Milliarden Euro zurück, während Analysten einen leichten Anstieg auf 9,086 Milliarden Euro prognostiziert hatten. Die verdienten Nettoprämien legten von 8,811 Milliarden auf 8,861 (Prognose: 8,788) Milliarden Euro zu.

In der Rückversicherung gingen die Bruttobeiträge um 3,2 Prozent zurück. Ihr Ergebnis verbesserte die Sparte um 22,8 Prozent auf 1,124 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote in der Schaden-Unfall-Rückversicherung stieg von 91,7 auf 94,9 Prozent und verfehlte damit die Analystenprognose von 93,8 Prozent.

Im Erstversicherungsgeschäft legten die Prämieneinnahmen um 2,3 Prozent zu. Das Ergebnis brach hingegen um 46,8 Prozent auf 160 Millionen Euro ein. Die Schaden-Kosten-Quote der Schaden/Unfall-Erstversicherung einschließlich der Rechtsschutzversicherung sank von 87,2 Prozent auf 85,1 Prozent.

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