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Münchener Rück übernimmt US-Erstversicherer Midland

München/Cincinnati - Mit dem Zukauf eines Erstversicherers beginnt die Münchener Rück die angekündigte Neuausrichtung ihres Amerika-Geschäfts. Für insgesamt 1,3 Milliarden US-Dollar (917 Mio Euro) will der Rückversicherer den amerikanischen Erstversicherer Midland übernehmen.

Das teilten beide Unternehmen am Mittwochmorgen in München und Cincinnati mit. Durch den Zukauf will der Rückversicherer sein Spezialversicherungsgeschäft in den USA stärken und in dieser Nische zum Marktführer aufsteigen. Midland ist über seine Tochter American Modern Insurance auf die Versicherung von Fertighäusern spezialisiert.

Die Münchner bieten Midland-Aktionären 65 Dollar je Aktie. Dies sei ein Aufschlag von 13,5 Prozent auf den Schlusskurs vom 16. Oktober, hieß es. Das Midland-Management unterstützt den Verkauf. Auch mit dem größten Aktionär, einer Familie, die 45 Prozent der Aktien hält, gebe es bereits konkrete Verhandlungen, sagte Münchner-Rück-Vorstand Peter Röder am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz. "Wir haben klare Signale, dass sie ihren Anteil an uns verkaufen wollen." Die Mindestannahmequote für die Offerte liegt bei 50 Prozent. 55 Prozent der Midland-Anteile befinden sich den Angaben zufolge im Streubesitz.

Mit einem Abschluss der Transaktion rechnet der Münchner Konzern im zweiten Quartal 2008. Die noch ausstehende Zustimmung der Wettbewerbsbehörde könnte aber auch länger auf sich warten lassen, fügte Röder hinzu. Weitere Zukäufe auf dem US-Markt schloss er nicht aus. Bereits im kommenden Jahr soll Midland den Konzerngewinn erhöhen. Für 2008 rechnet Röder mit einem Gewinn-Beitrag von 0,12 Euro je Aktien, 2010 sollen es dann 0,38 Euro je Aktie sein. Im vergangenen Jahr hatte der Rückversicherer einen Gewinn von 15,12 Euro je Aktie ausgewiesen. Bisher war bis 2010 im Schnitt ein Anstieg um mehr als zehn Prozent pro Jahr geplant.

Den Kaufpreis will die Münchener Rück vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren. An ihrem bisherigen Ausschüttungsplan wollen die Münchner trotz der Übernahme festhalten. Der Rückversicherer wolle weiterhin bis 2010 mehr als acht Milliarden Euro an seine Aktionäre ausschütten, bekräftigte Röder frühere Ankündigungen. Die Midland-Übernahme ändere an diesen Plänen nichts. Zur Höhe der nach der Übernahme erwarteten Synergien wollte der Konzern keine konkreten Angaben machen. Der Zukauf schaffe aber eine "solide Basis für profitables Wachstum", sagte Röder. Kündigungen bei der neuen Tochter schloss der designierte USA-Chef der Münchner Rück, Anthony Kuczinski, aus. Derzeit beschäftigt Midland rund 1.200 Mitarbeiter.

Nach der Übernahme will die Münchner Rück Midland in ihre bestehende Tochter Munich-American integrieren. Die Midland-Transportsparte will der Münchner Konzern "so schnell wie möglich" verkaufen, sagte Röder. Hierbei sei auch ein Verkauf an die Midland-Aktionärsfamilie im Gespräch. Den Wert der Sparte bezifferte Röder auf rund 100 Millionen Dollar. Sie steuert bisher rund 5 Prozent zum konsolidierten Gewinn der Gruppe bei.

Von der Subprime-Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt für zweitrangige Immobilienkredite sieht die Münchner Rück ihre künftige Tochter nicht betroffen. "Wir denken, deren Geschäft wird davon nicht negativ beeinflusst", sagte Röder. "Wir können uns sogar vorstellen, von der Krise zu profitieren, weil es eine Verschiebung hin zu billigeren Wohnhäusern geben könnte." Die Midland-Tochter American Modern Insurance, die 95 Prozent des konsolidierten Gewinns der Gruppe erwirtschaftet, versichert vor allem preiswerte Fertighäuser.

Mit Beitragseinnahmen von 832 Millionen Dollar im vergangenen Jahr ist American Modern Insurance nach Angaben der Münchner Rück einer der führenden Spezialversicherer in den USA. Die Gruppe sei in allen 50 US-Bundesstaaten aktiv. In den vergangenen Jahren habe sie durch hohe Erträge und eine niedrige Schaden-Kosten-Quote geglänzt. Zwischen 2004 und 2006 sei sie von 96,3 auf 93,0 Prozent verbessert worden.

Erst vor einer Woche hatte die Münchner Rück angekündigt, ihr Amerika-Geschäft neu auszurichten und auf dem wichtigsten Versicherungsmarkt der Welt eine "sehr dominante Rolle" spielen zu wollen. Bisher tat sich der Münchner Konzern in den USA schwer. Nach der Übernahme der American Re verhagelte die US-Tochter öfters die Bilanz des Konzerns. Unter anderem wegen Asbest-Haftpflichtschäden schrieb Munich Re America 2006 unter dem Strich noch rote Zahlen. Unter dem bisherigen US-Chef John Phelan habe der Konzern hier aber operativ die Kehrtwende geschafft. Zum Jahreswechsel wird Phelan durch Kuczinski abgelöst.

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