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Münchener Rück: „Wir sind der Fels in der Brandung“

München - Die Münchener Rück propagiert Bescheidenheit in der Finanzindustrie. Der Versicherer selbst nimmt für mehr Sicherheit weniger Gewinn in Kauf.

Versicherungsmanager Nikolaus von Bomhard zeigt Stehvermögen. Als Chef des Assekuranzriesen Munich Re (ehemals Münchener Rück) hat er dem Konzern eine Sicherheitsstrategie verordnet, die sich zwar als krisenresistent erwiesen hat, aber mit wiederbelebender Konjunktur erkennbar Renditeschwächen zeigt. Was die Munich Re zu einem Strategiewechsel in Richtung riskantere und kurzfristig profi–tablere Geschäfte bewegen könnte, wird der Manager zur Bilanzvorlage in München gefragt. Seine Antwort ist eine Kampfansage. „Man müsste mich absetzen“, sagt von Bomhard.

Seine Vorstandskollegen stützen den Kurs, der ein Ende des Strategiespektrums in der Finanzindustrie markiert. Am anderen stehen Banker, die schon wieder Zielrenditen von 25 Prozent ins Auge fassen, entsprechendes Risiko inbegriffen. „Wir sind der stabile Fels in der Brandung“, wirbt Finanzchef Jörg Schneider für neue Bescheidenheit.

Das Krisenjahr 2009 liefert dafür Argumente. Um fast zwei Drittel auf 2,6 Milliarden Euro ist der Jahresüberschuss der Bayern geklettert. Die Beiträge sind um fast ein Zehntel auf 41,4 Milliarden Euro gewachsen. Aktionäre freuen sich auf eine um 25 Cent auf 5,75 Euro je Aktie erhöhte Dividende. Die Kehrseite der Medaille ist der Ausblick auf 2010. Das Management peilt weniger Gewinn, wenn auch noch über der Marke von zwei Milliarden Euro an. Dazu müsse die Natur mitspielen. Die hat in Form des Erdbebens in Chile und des europäischen Wintersturms Xynthia bereits nach zwei Monaten 2010 eine Schadensbelastung von einer halben Milliarde Euro gebracht. Das ist die Hälfte dessen, was die Munich Re im ganzen Jahr für Naturkatastrophen ansetzt.

Um an der Gewinnschraube zu drehen, „müssten wir Risiko drauflegen und das tun wir nicht“, stellt von Bomhard klar. Er backt der Stabilität willen lieber kleinere Brötchen und glaubt auch Investoren zu kennen, die das schätzen. US-Milliardär Warren Buffett, der gerade drei Prozent der Rück gekauft hat, sei so einer. Die Versicherungsindustrie müsse ihr Risikomanagement deutlich verbessern, ist für von Bomhard eine Lehre der Krise.

Die Munich Re geht beispielhaft voran und wird damit zum Gewissen der Finanzwelt. 86 Prozent ihrer Anlagegelder haben die Münchner in festverzinsliche Wertpapiere gesteckt und nur noch 2,8 Prozent in Aktien. „Wir haben viel Risiko aus der Kapitalanlage rausgenommen“, betont von Bomhard. Unter dem Strich geblieben ist 2009 in diesem Bereich eine Rendite von 4,3 Prozent. Die anhaltende Niedrigzinsphase werde diese Quote 2010 auf unter vier Prozent drücken, räumt der Manager ein. Wenn andere demnächst besser abschneiden, werde er dennoch nicht nervös, weil ihm sichere Fundamente wichtiger sind.

Im Kerngeschäft mit Versicherungen ruhen seine Hoffnungen 2010 auf dem Teilkonzern Ergo, der eine schwierige Operation plant. Die bekannten Marken Hamburg-Mannheimer und Victoria für Lebens- sowie Schaden- und Unfallpolicen sollen Mitte des Jahres vom Markt verschwinden und durch die Dachmarke Ergo ersetzt werden. Eine Werbekampagne soll das in die Köpfe der Verbraucher bringen und für steigende Gewinne in diesem Bereich sorgen.

Thomas Magenheim-Hörmann

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