Münchner Bank wird 150

München - Die Münchner Bank wird 150 Jahre alt. Gerade in der Krise profitiert die drittgrößte Genossenschaftsbank in Bayern vom Selbsthilfegedanken ihrer Gründerväter.

Für einen Gulden musste man mehrere Tage arbeiten und für ein paar Kreuzer gab es einen Laib Brot. Es gab zwar schon Sparkassen, wo man sein Geld für schlechte Zeiten ansparen konnte. Doch wer in der beginnenden Industrialisierung eine gute Geschäftsidee hatte, aber nicht das nötige Geld, um sie zu verwirklichen, musste oft aufgeben. 22 Handwerksmeister und Kaufleute, Fabrikanten, aber auch Gelehrte riefen heute vor 150 Jahren etwas ins Leben, was die Kreditklemme für das aufstrebende Bürgertum beheben sollte. Sie gründeten am 12. Juli 1862 den „Münchener Darlehen-Verein“. Den gibt es noch immer. Er hat inzwischen mehr als 42 000 Mitglieder, 34 Geschäftsstellen, ein Kreditvolumen von rund zwei Milliarden Euro und heißt nach mehreren Fusionen und Umbenennungen Münchner Bank.

Was sich nicht geändert hat, ist die Idee, die dahinter-steckt. Wie die Gründer um den Blumenfabrikanten Karl Billing fühlt sich auch die heutige Führung der Münchner Bank dem Selbsthilfegedanken von Hermann Schulze-Delitzsch verpflichtet, dem Vordenker des Genossenschaftswesens. Heute ist die Bank (nach der Liga Bank und der Sparda Bank) die drittgrößte – und älteste – Genossenschaftsbank in Bayern.

Vor 150 Jahren gab es dafür noch keine Rechtsgrundlage und so war die heutige Bank auch rechtlich nur ein Verein, der ehrenamtlich geführt wurde, aber schon zwei Wochen nach der Gründung den ersten Kredit über stattliche 1000 Gulden in bar auszahlen konnte. Vier Jahre später wurde der Verein zur Münchener Industrie Bank und noch einmal sechs Jahre später – weil das Königreich Bayern die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen hatte – eine Genossenschaft.

Es ging danach meistens, aber nicht immer bergauf: Zwei Weltkriege, die Hyperinflation bis 1923, die große Depression nach 1929 und die Währungsreform 1948 sorgten dafür, dass die Bank immer wieder ganz von vorn anfangen musste.

Immerhin konnten ihr die jüngsten Krisen kaum zusetzen. Denn die Genossenschaften mit ihrem biederen, fast langweiligen Geschäftsmodell hatten sich nicht in den großen Spekulationsblasen verheddert. Das brachte ihnen viele neue Kunden. Seit 2005 ist die Bilanzsumme der Münchner Bank von 2,2 auf 2,9 Milliarden Euro geklettert. Die bei den meisten Genossenschaftsbanken große Lücke zwischen reichlichen Kundeneinlagen und eher überschaubarem Kreditvolumen ist geschrumpft. Allein im letzten Jahr verbesserte sich dadurch das Zinsergebnis um 7,2 Milllionen Euro. Das Gesamtbetriebsergebnis stieg um 39 Prozent auf 27,7 Millionen Euro.

Heuer ist ebenfalls Wachstum angesagt. Dafür sorgt allein schon die Fusion der Münchner Bank mit der – deutlich kleineren – Raiffeisenbank Oberschleißheim. Beide Banken werden rückwirkend zum Jahresanfang 2012 verschmolzen. Auch möglichen weiteren Zusammenschlüssen steht die Bank, wie ihr Vorstandsvorsitzender Peter Heinrich sagt, „aufgeschlossen gegenüber“.

Wichtiger aber als die Größe, ist ihm die Bindung zu den Kunden. Er wirbt dafür, dass diese Anteile erwerben. Nicht nur wegen der jährlichen Auschüttung von vier Prozent. „Die Mitglieder einer Genossenschaftsbank haben die Chance, aktiv mitzubestimmen und mitzugestalten“, sagt Heinrich. So wie die 22 Münchner, die die Bank vor 150 Jahren auf ihren Weg gebracht haben.

Von Martin Prem

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