Münchner Bosch-Werk: Stellenabbau droht

- München/Würzburg - Der deutsche Arbeitsmarkt steht unter Druck. Nicht nur, dass vermehrt Niedriglohnkräfte aus den osteuropäischen EU-Staaten ins Land strömen. Auch der seit Jahren andauernde Export von Industrie-Arbeitsplätzen nach Osteuropa und Asien geht weiter: Derzeit liebäugeln die Robert Bosch GmbH und Siemens damit, weitere Kapazitäten nach Tschechien zu verlegen. In Bayern sind deswegen hunderte Jobs gefährdet.

<P>Am Münchner Bosch-Standort an der Truderinger Straße verhandeln Werksleitung und Betriebsrat schon seit zwei Monaten über Sparmaßnahmen. Da es bei den dort hergestellten Einspritzpumpen für Pkw einen Preisverfall gegeben hat, sollen die Kosten gesenkt werden. Es gehe darum, "die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken", sagte eine Bosch-Sprecherin unserer Zeitung. Pläne für einen möglichen Stellenabbau wollte sie nicht bestätigen. Aus der Belegschaft hieß es jedoch, dass 190 der 445 Stellen auf der Kippe stehen.<BR><BR>"Die wollen die Mitarbeiterzahl halbieren", sagt auch Wolfgang Haase von der IG-Metall. Nach seinen Informationen soll der mögliche Abbau schrittweise bis 2009 erfolgen, während gleichzeitig Teile der Produktion an den Bosch-Standort im tschechischen Budweis verlagert werden. Damit würde das Münchner Werk weiter verkleinert, nachdem bereits in den vergangenen Jahren hunderte Stellen gestrichen wurden. Gewerkschafter Haase fürchtet nun, dass das Münchner Bosch-Werk längerfristig geschlossen wird: "Unter 400 Mitarbeitern gibt es keinen Standort", sagt der Gewerkschafter. "Heißt es bei Bosch inoffiziell."<BR><BR>Mit dem Siemens-VDO-Werk in Würzburg droht noch einem weiteren bayerischen Betrieb der Automobilzulieferbranche ein ähnliches Schicksal. Ebenfalls um die Kostensituation zu verbessern, werden dort Einsparungen diskutiert. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sagte der Zeitung "Die Welt", dass er alle 1600 Stellen für verlagerungs-gefährdet halte.<BR><BR>Ein Siemens-Sprecher äußerte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zum Stand der Gespräche. Ein Jobabbau sei nicht auszuschließen, man wolle aber am Standort festhalten. Er bestätigte jedoch, dass Siemens VDO derzeit im tschechischen Ostrava ein "Tandemwerk" errichtet, das 2006 in Betrieb gehen soll. Wie viele Menschen dort einmal beschäftigt sein werden, ließ er offen.</P>

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