Der Banknotendruck von G&D in München wird noch in diesem Jahr geschlossen. Nur eine von mehreren Sparmaßnahmen: Insgesamt werden bei G&D in München 630 Stellen gestrichen. Weitere 150 werden an andere Standorte verlagert.

Kahlschlag angekündigt

Giesecke & Devrient: „Wir kämpfen um jede Stelle“

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München - Die Nachricht kam kurz vor Weihnachten: Der Gelddrucker Giesecke & Devrient streicht 950 Stellen – die meisten davon in München. Für die Mitarbeiter kam die Ankündigung eines solchen Kahlschlags völlig überraschend. Nach dem Schock formiert sich Widerstand.

Seit vier Wochen bangt Bernhard Maurus, 47, um seine Existenz. Der Münchner arbeitet seit 25 Jahren bei Giesecke & Devrient. Er ist einer von rund 150 Druckern, die unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen an der Prinzregentenstraße Banknoten drucken. Noch in diesem Jahr soll die Druckerei geschlossen werden. Maurus und seine Kollegen stehen dann auf der Straße.

Doch das wollen sich die Drucker nicht gefallen lassen. Die Produktion sei nicht mehr wirtschaftlich, hieß es im Dezember bei G&D zur geplanten Schließung. „Wir haben Aufträge bis unters Dach. Wir machen Überstunden, arbeiten an Sonn- und Feiertagen. Und jetzt sollen wir Überkapazitäten haben?“ Maurus schüttelt den Kopf. Für ihn ergibt das alles keinen Sinn. Dabei ist die Verlagerung der Produktion nach Leipzig nur eine Maßnahme des Sparprogramms, das G&D im Dezember seinen Mitarbeitern vorgestellt hat (wir berichteten).

Rückblick: Als die Geschäftsführung zur Mitarbeiterversammlung am 11. Dezember lädt, ahnen die Angestellten nichts. Traditionell informieren die Chefs bei G&D die Belegschaft zu dieser Zeit über die Lage im Unternehmen. Walter Schlebusch, Vorsitzender der Geschäftsführung, lässt dann die Bombe platzen: G&D streicht 950 Stellen – den Großteil davon am Hauptsitz in München. Der Banknotendruck wird geschlossen, die Verwaltung verschlankt, das Dienstleistungszentrum verlagert und die Produktion für Banknotensicherheits-Systeme von München nach Louisenthal am Tegernsee verlegt.

Sogar der Betriebsrat, der seit Mitte des Jahres von einem geplanten Sparprogramm weiß, ist schockiert von den Dimensionen. „Keiner dachte, dass die Produktion komplett geschlossen wird und der Stellenabbau eine solche Größenordnung hat“, sagt Walter Bogner, Betriebsratsvorsitzender bei G&D.

Bogner und seine Kollegen sind verärgert – auch wegen der Heimlichtuerei. Sie wollen mit der Gewerkschaft Verdi und den Beschäftigten um jede Stelle kämpfen. Bereits am 23. Dezember fand eine erste Protestkundgebung statt. Am vergangenen Wochenende trafen sich 140 Verdi-Mitglieder um das weitere Vorgehen zu beraten. „Wir werden mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, sagt Gewerkschaftssekretärin Sabine Pustet. Protestaktionen werden nun geplant, es laufen Gespräche mit der Politik und intern arbeiten Betriebsrat und Gewerkschaft an Alternativ-Lösungen. „Eine Option wäre es zum Beispiel, den Banknotendruck nach Louisenthal zu verlagern“, sagt Bogner. Am Montag hat Verdi die G&D-Geschäftsführung zu Gesprächen und Verhandlungen zu einem Sozialtarifvertrag aufgefordert. Die Frist für eine Antwort läuft bis 23. Januar. Sollte G&D Verhandlungen zu einem Sozialtarifvetrag verweigern, könne es auch zu Streiks kommen, sagt Pustet.

Dabei sorgt ein Gerücht aktuell für zusätzliche Verunsicherung in der Belegschaft. Laut Verdi sollen offenbar alle Gebäude auf dem G&D-Gelände mit Ausnahme des Altbaus bis Ende 2017 geräumt und ein neues Bürohaus angemietet werden. Wird der Standort an der Prinzregentenstraße etwa komplett geschlossen? G&D-Sprecherin Martina Rauch bestreitet das. Richtig sei, dass nach dem Auszug der Produktion der Standort so nicht mehr wirtschaftlich sei. Ein Nutzungskonzept werde gerade erarbeitet – es gebe noch keine Ergebnisse. „Wir haben zugesichert, dass München der größte G&D-Einzelstandort bleibt.“ Das gelte nach wie vor.

Bernhard Maurus hilft das freilich nicht viel. Er ist enttäuscht von seinem Arbeitgeber. „Immer hieß es, G&D ist eine große Familie, die zusammenhält – in guten und in schlechten Zeiten.“ Davon merke er gerade wenig.

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