Vom Münchner Hinterhof in die weite Welt des Films

- München - Die Zentrale eines Weltmarktführers kann unscheinbar sein. Eine Toreinfahrt, ein Pförtner, ein Kino und ein paar mehrgeschossige Gebäude hinter der Türkenstraße in München beherbergen Arri, eine Firma, die vor allem den großen Studios von Hollywood und den Regisseuren und Kameramännern auf der ganzen Welt ein Begriff ist. Hier werden professionelle Kameras gebaut, die unter dem Namen Arriflex und Arricam weltweit Berühmtheit erlangt und die Geschichte des Kinofilms mitgeprägt haben.

<P>Die Liste der Filmprofis, die mit Arri arbeiten ist lang: unter anderen Michael Ballhaus, Mauro Fiore, Stanley Kubrick, Wolfgang Treu und Joseph Vilsmaier. Den Produzenten weltweit sind die Kamerasysteme lieb und teuer: lieb, weil sie zuverlässig und gut sind, teuer, weil sie als komplettes Paket bis zu 500 000 Euro kosten.<BR><BR>Andere Hersteller gibt es kaum. "Unsere größten Konkurrenten sind unsere alten Kameras", sagt Arri-Geschäftsführer Franz Kraus. Eine Arriflex aus den 70er-Jahren ist heute durchaus noch einsetzbar - wenn nicht, wird sie in München repariert. So traf vor wenigen Tagen eine Kamera aus Marokko zur Reparatur in der Türkenstraße ein. Sie war 1974 hier gebaut worden.<BR><BR>Die Gründer des Unternehmens, August Arnold und Robert Richter (aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen ist die Bezeichnung Arri abgeleitet), waren selbst Filmer. Da es um 1917 aber nur sehr urtümliche Filmtechnik gab, entwickelten die beiden ihre Ausrüstung von der Kopiermaschine bis zur Kamera selbst. Eine erste eigene Kamerakonstruktion hieß Kinarri, ab 1937 wurde die Arriflex gebaut und bis heute weiterentwickelt.<BR><BR>In seiner 87-jährigen Geschichte hat das Münchner Unternehmen rund 60 000 professionelle Filmkameras gefertigt. Die Revolution war der Einsatz einer rotierenden Spiegelblende, für die Chefkonstrukteur Erich Kästner und August Arnold 1982 einen Oscar erhielten. Derzeit edelster Spross der Kamerafamilie ist das Arricam System. "Es ist gezüchtet auf absolute Laufruhe, was vor allem bei Studioaufnahmen unerlässlich ist", erklärt Walter Trauninger, Chef der Kameraproduktion.<BR><BR>Die Tüftler von Arri errangen zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen - unter anderem für den Arrilaser, der auf eine Kooperation mit dem Fraunhofer Institut in Freiburg aufbaut. Mit diesem Gerät, von der Größe einer Kühltruhe, werden digital fertig produzierte Filme wieder auf Zelluloid gelasert.<BR><BR>Mehr als 1000 Menschen arbeiten derzeit bei Arnold und Richter, nicht nur in München, sondern auch in Stephanskirchen, Berlin, in den USA, in Großbritannien und anderen Ländern. Zusätzlich bietet das Unternehmen praktisch alle Dienstleistungen rund um den Film an. Das reicht vom Verleih der Kameras und der Lichtausrüstung über das Entwickeln und Kopieren der Filme bis zur so genannten Postproduktion, der Endfertigung von Fernseh- und Kinofilmen mit Schnitt, Tonbearbeitung, Computeranimation, Farbbestimmung bis hin zum Ausbelichten der fertigen Ergebnisse. Der Jahresumsatz beträgt etwa 185 Millionen Euro.<BR><BR>Heute steht auch Arri vor einer neuen Herausforderung, der Digitalisierung. Auch hier sehen sich die Münchner gut aufgestellt. Mit dem Kamerademonstrator D-20 entwickelt Arri eine erste wirklich digitale "Film"-Kamera. Und mit der Arriflex 235 wird bald eine extrem kompakte 35-Millimeter-Filmkamera auf den Markt kommen.<BR></P>

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