Münchner Immobilienmarkt im Visier ausländischer Investoren

- München - Auf dem Münchner Immobilienmarkt geht die Post ab. An allen Ecken und Enden wird in der bayerischen Landeshauptstadt gebaut. Und immer mehr ausländische Investoren entdecken den deutschen und speziell auch den Münchner Markt. Was die einen eine "Heuschrecken-Plage" befürchten lässt, sieht der Marktführer für gewerbliche Immobilienfinanzierung, Eurohypo, durchaus positiv.

"Es gibt Adressen, die wollen die schnelle Mark, aber andere wollen die Immobilien im Bestand haben und halten", sagte Joachim Plesser, für das Firmenkundengeschäft zuständiger Vorstand der Eurohypo AG. Zum Beispiel kauft ein irischer Pensionsfonds Wohnungen in Randlage. "Das ist positiv, weil sie diese langfristig halten", fügte Rupert Hackl, Leiter der Münchner Niederlassung des Immobilienfinanzierers, hinzu.

Das Ausland hat den deutschen Immobilienmarkt entdeckt: Schon über die Hälfte der großen Investitionen kämen von dort. Dafür gebe es eine Reihe von Gründen: Die Ausländer sähen offensichtlich die volkswirtschaftlichen Chancen im Allgemeinen, die Preise hierzulande seien vergleichsweise niedrig und die Zinsen stabil. Dabei haben ausländische Investoren gerade erst den deutschen Markt entdeckt. "Ich glaube, die Welle haben wir erst noch vor uns", sagte Hackl.

Eine der markantesten Neubauten in München, der von Ex-OB Kronawitter als Vierkantbolzen geschmähte Turm "Uptown Munich" hat nach nahezu zweijährigem Leerstand nun mit dem Mobilfunkanbieter O2 einen erstklassigen Mieter und wurde für 300 Millionen Euro an eine Tochtergesellschaft der Regierung von Singapur verkauft.

Die Nachfrage nach Büro- und Handelsflächen sei in zentralen Lagen ungebrochen. Mitten im Zentrum von München, am Angerhof neben der neuen Synagoge, entstehen 12\x0f600 Quadratmeter Bürofläche und obendrauf 4000 Quadratmeter luxuriöse Penthäuser. Einziger Mieter der Büros: Die Linde AG, die ihr Hauptquartier von Wiesbaden nach München verlegte.

Die große Nachfrage lässt laut Hackl Mieten und Immobilienpreise nur in eine Richtung gehen: nach oben. "Institutionelle Investoren grasen den Markt nach Wohnungsportfolien ab und investieren neuerdings auch in Wohnungsneubauten." Das bedeute zwar Renditen unter fünf Prozent, aber im Gegensatz zu Büroimmobilien im Grunde kaum ein Mietausfallwagnis. Dennoch seien im Gegensatz zum Gewerbemarkt die Aussichten im Wohnungsbau noch "durchwachsen".

"Über Bayern scheint die Sonne. Bayern ist reich, auch an Menschen. Seine Bevölkerung wird bis 2030 sogar noch wachsen", sagte Klaus-Peter Müller, Sprecher des Vorstands der Commerzbank, in seinem Vortrag vor rund 300 Gästen der Eurohypo in München. Aber insgesamt werde die schrumpfende Bevölkerungszahl schwerwiegende Konsequenzen, gerade für Infrastruktur und Immobilien, haben.

Trotz all dieser Widrigkeiten prophezeite Hackl für den deutschen Immobilienmarkt, in dem München die Spitzenstellung auch 2007 einnehmen dürfte, eine anhaltende Schönwetterperiode.

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