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Boom

München: Ein attraktiver Standort – auch in Zukunft?

Technologie-Hochburg, Sitz des Deutschen Patent- und Markenamtes, boomende Region: Für Wirtschaftsanwälte sind dies wichtige Argumente, in München vertreten zu sein.

Die Landeshauptstadt strahlt eine große Attraktivität aus. Doch ist das auch in Zukunft so? Darüber gehen die Meinungen beim zweiten Wirtschaftsforum „Wirtschaftskanzleien“ auseinander.

Sieben Dax-Unternehmen haben in München ihren Sitz, die Region gilt hinter dem Silicon Valley und Boston in den USA und Tel Aviv in Israel als viertwichtigster Technologie-Standort. Für Dr. Thomas Jansen, Leiter des Münchner Büros der Kanzlei DLA Piper, waren das Gründe genug, hier eine Niederlassung aufzubauen. „Unser Wachstum beweist, dass die Entscheidung richtig war.“ Viele internationale Kanzleien haben hier Fuß gefasst, bestätigt Rainer Kreifels (Pinsent Masons): „Die meisten von ihnen haben eine junge Historie.“ Der Kanzlei-Boom hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten richtig an Fahrt aufgenommen.

Im Gegensatz zu anderen Ländern sei es ungewöhnlich, dass die großen Sozietäten in Deutschland gleich an mehreren Standorten Niederlassungen unterhalten, stellt Carsten Schneider (Osborne Clarke) fest. „Unter diesen hat München einen hohen Stellenwert und ein hohes Niveau der anwaltlichen Arbeit.“ Prof. Dr. Thomas Druyen (Sigmund Freud Privatuniversität München) vermisst indes eine perspektivische Betrachtung; das sei typisch für etablierte Märkte, die abzubrechen drohen.

Druyen stellt in Frage, ob München für junge, kreative Kräfte „hip“ genug sei. „Die Stadt macht keine Politik für junge Menschen aus aller Welt.“ Hier habe München gegenüber Berlin durchaus einen Nachholbedarf, räumt Jansen ein. Berlin habe ein dynamischeres Umfeld, in München sei aber das Geld der Investoren für Start-ups.

Ein Gradmesser für die künftige Attraktivität sei schon immer die Entwicklung auf den Immobilienmärkten gewesen, führt Dr. Armin Freiherr von Grießenbeck (Heuking) die Diskussion weiter. In München laufen die Preise wegen der hohen Anziehungskraft davon. Aber auch in Berlin gebe es viele neue Großprojekte und eine erstaunliche Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Dies deute auf eine steigende Attraktivität von Berlin in der Zukunft hin. München sei für den Wettbewerb aufgrund der traditionellen Strukturen gut gerüstet, müsse aber aufpassen, nicht den Anschluss zu verpassen. Das betreffe auch das Anwaltsgeschäft.

Die bayrische Landeshauptstadt habe aber einen aus eigener Substanz gewachsenen Anwaltsmarkt, wirft Frank Oprée (Beiten Burkhardt) ein: „In der Region haben viele mittelständische Unternehmen ihren Sitz, die gegenüber einer überbordenden Internationalisierung skeptisch sind. Für uns ist diese Klientel ein wichtiges Standbein.“ Es gebe in der Region eine alteingesessene Mandantschaft, bestätigt Kanzleikollege Dr. Maximilian Elspas. Da sei es schwer für neue Kanzleien, Fuß zu fassen. Doch mit Blick auf Start-ups und Venture Capital sieht Elspas durchaus Hürden in München, so würden zum Beispiel die hohen Lebenshaltungskosten junge Menschen und neue Unternehmen abschrecken, „viele gehen daher nach Berlin“.

Dr. Nikolaus Schrader (PwC Legal) sieht hier eine Parallele zu Hamburg. Die Stadt habe wie München ein Imageproblem, beide gälten als langweilig, alt und teuer, Berlin hingegen als hip. Man solle das alles nicht zu schwarzsehen, verteidigt Jansen seine Position: „München hat gezeigt, dass die Stadt sich weiterentwickeln kann.“ Der Jurist erinnert an das „Laptop und Lederhose“-Bild, das der frühere Bundespräsident Roman Herzog für die Entwicklung Bayerns vom Agrar- zum High-Tech-Land geprägt hat.

Für München spreche zudem die starke Private-Equity-Industrie, betont Dr. Undine von Diemar (Jones Day). Außerdem sei für in München ansässige Tochterunternehmen internationaler Konzerne die Beratung vor Ort wichtig. Als weiteres starkes Argument für München nennt von Diemar das Europäische Patentamt: „Fast ein Drittel unserer Kollegen im Münchner Jones Day-Büro ist in den Bereichen Patent- und Markenrecht tätig. Wir sind außerdem die einzige internationale Kanzlei, die ein großes gemischtes Team beschäftigt, in dem neben Rechtsanwälten, die auf patentrechtliche Streitigkeiten spezialisiert sind, auch zahlreiche hochspezialisierte Patentanwälte tätig sind, die vorranging Patentanmeldungen betreiben.“

Man müsse wohl wie in vielen anderen Bereichen des modernen Lebens Paradoxien akzeptieren, fasst Druyen die Diskussion zusammen: „Für einige ist München der beste Standort, für andere eher nicht. Solche Unvereinbarkeiten existieren nebeneinander. Wir müssen hier Brücken bauen.“ Zum Beispiel nach Antworten suchen, warum Standorte wie Tel Aviv über eine höhere kreative Fantasie verfügen.

Von Jürgen Grosche

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