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Wirtschaftskanzleien

Profi-Begleiter der Unternehmen

So gut wie nichts in der Wirtschaft läuft ohne den Rat von Anwälten. Und da es in der Wirtschaft derzeit brummt, erleben auch die Kanzleien gute Zeiten. Doch am Horizont tauchen neue große Herausforderungen auf, die die Anwälte schon jetzt beschäftigen.

Große Dinge passieren in der Wirtschaft: Die Energiekonzerne Eon und RWE müssen in Folge der Energiewende radikal umsteuern, sie strukturieren ihre Unternehmen um. Bayer schluckt das US-Saatgutunternehmen Monsanto. Das Bundeskartellamt eröffnet ein Verfahren gegen Facebook wegen Verdachts auf Marktmachtmissbrauch durch Datenschutzverstöße. Immobilienkonzerne fusionieren, Mittelständler expandieren in alle Welt und, und, und.

Eines haben all diese unterschiedlichen Nachrichten gemeinsam: Im Hintergrund sind immer Wirtschaftsanwälte tätig. Sie beraten die Unternehmen, gestalten die Verträge, bewerten Risiken. Der Markt der Kanzleien gestaltet sich dabei so vielschichtig wie die Wirtschaftsstrukturen, in denen sie arbeiten. Da sind weltweit operierende Sozietäten mit Tausenden Juristen ebenso unterwegs wie kleine, hoch spezialisierte Kanzleien, sogenannte Boutiquen, die oft auch gerne von den Großen für Spezialaufträge engagiert werden.

München genießt Spitzen-Ruf

Viele der Kanzleien haben eine Niederlassung oder gar ihren Hauptsitz in München. Die bayerische Landeshauptstadt genießt in der Branche und in der internationalen Wirtschaft einen sehr guten Ruf – nicht nur wegen der ökonomischen Bedeutung im wirtschaftsstarken Bundesland Bayern, sondern auch aufgrund ihrer Attraktivität und als Stadt von Welt im Zentrum Europas. Viele mögliche oder tatsächliche Kunden steuern aus direkter Nachbarschaft ihre nationalen, europäischen oder gar globalen Geschäfte.

Für den Standort spricht ein weiterer Punkt: Menschen ziehen gerne in die Region – die Kanzleien finden also eher den Nachwuchs und die Mitarbeiter, die sie so dringend benötigen. Das ist eine der Engstellen, die die Anwälte derzeit beschäftigt: Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist intensiv. Die Sozietäten müssen sich einiges einfallen lassen, um die Talente für sich zu interessieren.

Technologie ist treibendes Element

Beim zweiten Wirtschaftsforum „Wirtschaftskanzleien“ von Münchner Merkur tz diskutierten Münchner Wirtschaftsanwälte über die Themen, die den Markt bewegen. Dazu gehört beispielsweise die digitale Wirtschaft. Sieben Dax-Unternehmen haben in München ihren Sitz, die Region gilt hinter dem Silicon Valley und Boston in den USA und Tel Aviv in Israel als viertwichtigster Technologie-Standort. Für Dr. Thomas Jansen, Leiter des Münchner Büros der Kanzlei DLA Piper, waren das Gründe genug, hier eine Niederlassung aufzubauen. „Unser Wachstum beweist, dass die Entscheidung richtig war.“ „Technologie ist das treibende Element in München“, bekräfigt Rainer Kreifels (Pinsent Masons). „Hier ist eine Kultur der Innovationen entstanden, die ganz wesentlich zum Erfolg der Kanzleien beiträgt.“ Und Carsten Schneider (Osborne Clarke) fügt hinzu: „Die digitale Wirtschaft hat in der Landeshauptstadt die längste Tradition; gerade die Unternehmen in einem solch dynamischen Bereich benötigen anwaltlichen Rat.“

Überhaupt zeigen sich die Anwälte von München angetan. Die bayrische Landeshauptstadt habe aber einen aus eigener Substanz gewachsenen Anwaltsmarkt, wirft Frank Oprée (Beiten Burkhardt) ein: „In der Region haben viele mittelständische Unternehmen ihren Sitz, die gegenüber einer überbordenden Internationalisierung skeptisch sind. Für uns ist diese Klientel ein wichtiges Standbein.“ Es gebe in der Region eine alteingesessene Mandantschaft, bestätigt Kanzleikollege Dr. Maximilian Elspas. Für München spreche zudem die starke Private-Equity-Industrie, betont Dr. Undine von Diemar (Jones Day). Darauf verweisen auch Dr. Nikolaus Schrader (PwC Legal) und Dr. Carsten Böhm (McDermott Will & Emery): „Das ist ein großes Thema, insbesondere im Transaktionsbereich ist Private Equity eines der Felder mit der größten Dynamik in München.“

Dr. Armin Freiherr von Grießenbeck (Heuking Kühn Lüer Wojtek) sieht darüber hinaus ein weiteres Betätigungsfeld, das an Bedeutung gewinnt – anwaltliche Dienstleitungen rund um die Restrukturierung von Unternehmen. „Hier geht es weniger um die Insolvenz an sich als um die insolvenznahe Beratung – da gibt es zunehmend Chancen. Außerdem ist München stark im Immobilienbereich und in der Beratung von Infrastrukturmaßnahmen wie Bahn, Flughäfen, etc.“ Aber auch Münchner Anwälte haben mit Preisdruck zu kämpfen, bestätigen die Teilnehmer. „Hinzu kommt, dass der Einkauf von Rechtsdienstleistungen immer professioneller wird“, beobachtet Martin Gebhardt (Zirngibl Langwieser).

Von Patrick Peters

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