Münchner Mittelständler sticht bei Raumfahrtauftrag die Großen aus

- München - ­ Raumfahrt ist allgemein ein Geschäft für große Industriekonzerne. Und doch hat es ein vergleichsweise kleines Münchner Unternehmen geschafft, den Auftrag für eines der wichtigsten deutschen Satellitenprojekte der nächsten Jahre zu bekommen.Kayser-Threde führt ein Konsortium mittelständischer Unternehmen an. Dieser Verbund kann nun den Erdbeobachtungssatelliten Enmap entwickeln, der ab 2011 fünf Jahre lang Daten in bisher nicht möglicher Qualität über Zustand und Veränderung der Erdoberfläche liefern soll.

Das Projekt kostet insgesamt 100 Millionen Euro. Für Raumfahrt-Dimensionen ist das nicht viel. Doch an fehlenden Finanzmitteln wäre es beinahe gescheitert. Denn Deutschland leistet mit 560 Millionen Euro im Jahr zwar den größten Beitrag zur europäischen Raumfahrtagentur Esa. Doch für nationale Programme stehen insgesamt nur 270 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.

Frankreich gibt dafür 700 Millionen Euro im Jahr aus, Italien 500 Millionen Euro. "Wir geraten ins Hintertreffen", warnte Ludwig Baumgarten, Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der deutschen Raumfahrtagentur die politisch Verantwortlichen. Bei Rot-Grün rannte er damit gegen Windmühlen an.

So schien es lange, dass der von EADS-Astrium gebaute Tandem-X das einzige Satellitenprojekt sein würde, das Deutschland in den nächsten Jahren schultern könne. Auch Tandem-X ist ein Erdbeobachtungssatellit. Er soll gemeinsam mit seinem Schwestersatelliten Terrasar-X, der noch in diesem Jahr vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur starten soll, ab 2009 innerhalb von drei Jahren die gesamte Erdoberfläche in bisher unbekannter Genauigkeit vermessen.

Dagegen kann Enmap durch Analyse des Farbspektrums auch aufspüren, was unter der Erdoberfläche liegt (siehe auch Kasten). Nun ist der Weg dafür frei. Denn nach dem Regierungswechsel in Berlin wurde laut Baumgarten beschlossen, die nationalen Weltraum-Mittel schrittweise um insgesamt 30 Millionen jährlich aufzustocken.

Nun hofft man in Berlin auch darauf, dass kommerzielle Anwendungen langfristig für einen Rückfluss eines Teils der Fördergelder sorgen werden. Beim Projekt Terrasar ist mit "Infoterra"bereits eine Gesellschaft zur Vermarktung der Erdbeobachtungsergebnisse gegründet worden.

Das zusätzliche Geld reicht nun aus, um auch Enmap zu finanzieren. Für Kayser-Threde ein gewaltiger Schritt. Das erst 1967 gegründete Sendlinger Hochtechnologie-Unternehmen mit insgesamt rund 220 Mitarbeitern, das unter anderem auch bei Datenerfassungssystemen für Crash\-testanlagen Weltmarktführer ist, will sein Raumfahrt-Personal nun von 150 auf über 200 aufstocken.

Dabei handelt es sich um hochqualifizierte Stellen, um Wissenschaftler und Ingenieure, wie Kayser-Threde-Chef Jürgen Breitkopf gegenüber unserer Zeitung sagte. Vor allem sieht Breitkopf, dessen Unternehmen in Fachkreisen in Deutschland längst einen guten Namen hat, den "Einstieg in die europäische Szene ermöglicht". Und er rechnet mit Nachfolgeaufträgen, vor allem aus dem Sicherheitsbereich, wo man mit satellitengestützter Erdbeobachtung frühzeitig verdächtige Veränderungen auf der Erdoberfläche feststellen kann.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gaffal als vbw-Präsident wiedergewählt Seehofer lobt Merkel
Alfred Gaffal ist als Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft wiedergewählt worden. Bei seiner Festrede bekam er Kontra.
Gaffal als vbw-Präsident wiedergewählt Seehofer lobt Merkel
EU-Staaten wollen Aufsicht für Auto-Typzulassung verschärfen
Wie konnte es zum VW-Skandal um Tricksereien bei Abgaswerten kommen? Haben die Aufsichtsbehörden genau genug hingeschaut? Damit sich solche Fragen künftig nicht mehr …
EU-Staaten wollen Aufsicht für Auto-Typzulassung verschärfen
Dax schließt moderat im Plus
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Leitindex Dax ist am Montag erneut kaum von der Stelle gekommen. Ein Marktbeobachter sprach zu Beginn der Woche vor Pfingsten von …
Dax schließt moderat im Plus
EU will Regeln zur Zulassung von Autos verschärfen
Wie konnte es zum VW-Skandal um Tricksereien bei Abgaswerten kommen? Damit sich solche Fragen künftig nicht mehr stellen, bastelt die EU an einer Reform der Regeln. Doch …
EU will Regeln zur Zulassung von Autos verschärfen

Kommentare