+
Co-Chef Jürgen Fitschen.

Vor Prozessbeginn

Münchner Staatsanwaltschaft attackiert Deutsche Bank

München - Wie haben sich Mitarbeiter der Deutschen Bank auf Zeugenaussagen im Strafprozess gegen Co-Chef Fitschen vorbereitet? Die Münchner Staatsanwaltschaft äußerte vor dem Landgericht einen Verdacht.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank erhoben. Es bestehe der Verdacht, dass die Bank ihre Mitarbeiter gezielt auf Zeugenaussagen im Strafprozess gegen Co-Chef Jürgen Fitschen vorbereite und in Probeverfahren (Mock Trial) einstudiere, sagte Staatsanwalt Stephan Necknig am Dienstag vor dem Landgericht München. Dabei gehe es darum, den Zeugen zu sagen, was sie in dem Verfahren um versuchten Prozessbetrug im Fall Kirch sagen sollen. „Und wozu sie besser nichts sagen.“

Vor vier Jahren hatte die Bank nach Überzeugung der Anklagebehörde den ehemaligen Bankchef Rolf Breuer mit einem Probeprozess, in dem auch der Richter nachgespielt worden sei, auf eine Aussage vor dem Oberlandesgericht München vorbereitet. In dem Verfahren sollen Breuer, Fitschen, und drei weitere ehemalige Banker nicht die Wahrheit gesagt haben und sind deshalb derzeit wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. „Es scheint, als habe sich an der Mock-Trial-Praxis der Deutschen Bank nichts geändert“, sagte der Staatsanwalt.

Ein Anwalt der Deutschen Bank reagierte empört auf diesen Vorwurf und warf der Staatsanwaltschaft vor, die Mitarbeiter zu diskreditieren. „Das ist eine Ungehörigkeit, die die Staatsanwaltschaft zurücknehmen muss.“ Eine weitere Kooperation mit der Staatsanwaltschaft sei angesichts dieser Vorwürfe nicht mehr denkbar. Auch Fitschens Anwalt Hanns Feigen zeigte sich sichtlich verägert. Der Vorstoß der Staatsanwaltschaft werde nichts daran ändern, dass sie mit ihrer Anklage einen Totalschaden erleiden werde. „Das wird ein Fiasko.“

Auch der Vorsitzende Richter Peter Noll zeigte sich verwundert über die Worte der Staatsanwaltschaft. Wenn sich einzelne Zeugen nicht vollständig an die Geschehnisse rund um die Pleite der Kirch-Gruppe erinnern könnten, könne dies auch einfach daran liegen, dass die Vorfälle 13 Jahre zurückliegen.

Staatsanwalt Necknig stellte nach dem Wortgefecht mit der Verteidigung aber klar, dass es ihm nicht darum gehe, neue Ermittlungen gegen die Mitarbeiter der Deutschen Bank einzuleiten. Gegen Fitschen, Breuer und die anderen Angeklagten hatte die Behörde jahrelang ermittelt und schließlich im vergangenen Jahr Anklage erhoben. Sie geht davon aus, dass die Top-Banker zusammengewirkt haben, um Richter zu täuschen und die Deutsche Bank vor Schadenersatzzahlungen an den Medienunternehmer Leo Kirch abzuwehren, der die Bank stets für die Insolvenz seines Unternehmens verantwortlich gemacht hatte. Alle fünf Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

dp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Google: EU-Rekordstrafe lässt Gewinn stark schrumpfen
Der US-Internetriese Alphabet verzeichnet dank des florierenden Werbegeschäfts seiner Tochter Google weiter starkes Wachstum. Allerdings macht eine Rekordstrafe der …
Google: EU-Rekordstrafe lässt Gewinn stark schrumpfen
Extra-Kosten für SMS-TAN beim Online-Banking rechtens?
Karlsruhe (dpa) - Beim Online-Banking lassen sich etliche Kunden ihre Transaktionsnummern (TAN) per SMS aufs Handy schicken - mit einem Urteil des Bundesgerichtshofs …
Extra-Kosten für SMS-TAN beim Online-Banking rechtens?
Verdi: Nur 30 Prozent der Einzelhändler mit Tarifvertrag
Berlin (dpa) - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagt eine "dramatische Tarifflucht" im Handel. Unter den Einzelhändlern seien nur noch rund 30 Prozent, im Groß- …
Verdi: Nur 30 Prozent der Einzelhändler mit Tarifvertrag
Niedrigzinsen entlasten Euro-Staaten um fast eine Billion
Für die Staaten im Euro-Raum erweist sich die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als Segen. Und Banken greifen zunehmend zu einer kreativen Methode, …
Niedrigzinsen entlasten Euro-Staaten um fast eine Billion

Kommentare