Wie ein Münchner Tüftler aus Blech Gold machen will

- München - Ist er der David in der Schlacht um den Dosenpfand? Ein älterer Herr, der normalerweise an Dieselmotoren werkelt und Apfelsaft aus Mehrwegflaschen trinkt? Wie der biblische Held möchte Michael Zoche sein Heimatland retten. "Vor dem Pfandchaos", wie er sagt. Seine Waffen sind nicht Schleuder und Stein, sondern ein rundes Stück Metall - eine Pfandmünze, die direkt an der Dose befestigt ist.

<P>Geht es nach Umweltminister Jürgen Trittin, sollen die Kunden Einwegflaschen und Dosen ab dem 1. Oktober bei allen Geschäften abgeben können, die pfandpflichtige Einwegpackungen verkaufen. Zoche glaubt, mit seiner Idee das ideale System für einen einheitlichen Ablauf gefunden zu haben. Experten nennen es "einfach und robust". Kein lästiger Bon, keine Codes auf dem Gebinde - wie bei anderen Varianten.<BR><BR>Die Münzen können an den Flaschen haften und unter den Metallbügel an der Dosenöffnung klemmen. Mit der Münze wäre es möglich, den Einweg-Abfall dann in jedem Laden abzugeben. Die Händler sollen sich das Pfandgeld von einer Art Münz-Zentrale zurückholen. Von der Produktion bis zum Kunden wäre die Pfandpflicht gegeben. Das Geld wird von einer Bank treuhänderisch verwaltet.<BR><BR>"Der Handel möchte das System torpedieren."<BR>Pfand-Münzen-Erfinder Michael Zoche<BR><BR>Zoche sitzt an einem großen Tisch, auf dem mehrere Säcke mit kleinen Münzen und eine Reihe von Dosen stehen. Zeitungsartikel über das Pflichtpfand liegen daneben. Trotz "der Einfachheit" seines Systems erntete er von Handel und Industrie Absagen. Neben zwei kleineren Getränkehändlern unterzeichnete nur die Firma Pfandpartner einen Vertrag mit ihm. Die Karlsruher übernehmen das Dosenrecycling für kleine Geschäfte wie Bäckereien oder Metzgereien, 2000 Läden bundesweit. Die Zahl steige stetig, sagte ein Firmensprecher.<BR><BR>Zoche wittert vor allem einen Goliath: "Der Handel möchte den Zwangspfand torpedieren und verhindert ein einheitliches System, das kundenfreundlich wäre". Noch immer steht er mit den Großen in der Getränkebranche in Verhandlungen. "Die warten ab", sagt er, während er in einen seiner Münzsäcke greift und den Inhalt langsam durch die Hand rieseln lässt.<BR><BR>Drei bis vier Milliarden Euro beträgt das Volumen des Zwangspfands. Es geht im Dosenstreit um viel Geld - auch für Zoche. 0,286 Cent würde seine Firma pro Dose bekommen. Bei elf Milliarden Zwangspfand-Verpackungen wären das 29,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die Idee, mit der er hofft, Blech zu Gold zu machen, kam ihm zu Beginn des Jahres auf der Autobahn. Damals begannen die Kunden zu fluchen, dass die an der Tankstelle am Irschenberg erworbene Cola-Dose in den örtlichen Läden nicht zurückgegeben werden kann.<BR><BR>Mittlerweile bekommt sein Traum ein Gesicht. 100 Millionen Pfandmünzen - auf Vorder- und Rückseite bilden sie die Nord- und Südhalbkugel ab - prägt die Firma Eurocoin in Schwerte seit Anfang September wöchentlich. 50 Tonnen, zehn Lastzüge voll. Zwei Milliarden Münzen sollen es einmal sein.<BR><BR>Die Schlacht an der Dosenfront fordert vom Erfinder ihren Preis. Einen sechsstelligen Betrag hat er bereits investiert. "Das ist schon ziemlich verrückt", sagt der Tüftler, dessen Büro in einer alten Werkshalle im Münchner Norden liegt. Es riecht nach Diesel. Normalerweise entwickelt Zoche hier mit seinen Söhnen Motoren für Flugzeuge. Beim Entwickeln der Spritfresser muss Zoche geduldig sein - in Sachen Dosenpfand läuft die Zeit gegen ihn. Einige Ketten wie Aldi oder Lidl haben bereits eine eigene Einwegflasche mit besonderem Flaschentyp entwickelt. Durch die "Insellösung" müssen sie ab Oktober keine Einwegverpackungen von anderen Händlern annehmen. Als Kunden für Zoches System fallen sie weg.<BR><BR>Weil sein System vom Bundesumweltministerium gelobt wird, war auch schon das Fernsehen da. Das ZDF wollte den Tüftler sehen, der sich zwischen Lobby-Front wagt. "Die Logik und die bessere Technik ist auf unserer Seite", sagt Zoche. Genauso hat ja auch der biblische David gegen Goliath gewonnen.<BR><BR></P>

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