Studie

Münchner Unternehmen investieren ohne Bankkredit

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Freiberufler und Gewerbetreibende im Raum München machen momentan gute Geschäfte. Rund 80 Prozent bewerten die Geschäftsentwicklung in ihrer Branche als sehr gut oder stabil.

Das ergab eine Umfrage der Commerzbank, die unserer Zeitung vorliegt. Gut 1800 Geschäftskunden mit einem Jahresumsatz bis 2,5 Millionen Euro wurden dazu befragt – 150 davon aus der Metropolregion München, darunter Ärzte, Rechtsanwälte und Unternehmensberater. Die Zuversicht gründet vor allem auf vollen Auftragsbüchern. Bei rund 30 Prozent der Münchner Gewerbetreibenden und Freiberuflern ist die Auftragslage besser als vor sechs Monaten – bei 50 Prozent ist sie stabil, lediglich 20 Prozent klagten über einen Rückgang. Mehr Zurückhaltung übten die Befragten beim Ausblick für 2015. Optimisten und Pessimisten halten sich hier die Waage.

Sorge bereitet den Freiberuflern und Gewerbetreibenden vor allem der Fachkräftemangel und die Angst vor ausbleibenden Aufträgen. In der Region München macht zudem die Konkurrenz durch das Internet 14 Prozent der Befragten zu schaffen – bundesweit gaben elf Prozent an, hier Probleme zu haben.

Bei den Investitionen ist auffällig, dass Freiberufler und Gewerbetreibende in der Region vor allem ins Marketing investieren. „Hintergrund ist der große Wettbewerbsdruck in der Metropolregion“, sagt Stefan Rösch, Regionalfilialleiter Geschäftskunden bei der Commerzbank München. Bundesweit wird dagegen vor allem in Personal und IT investiert. Hier ist der Nachholbedarf groß: Nur ein Fünftel der Befragten wickelt bereits heute einen Großteil seines Geschäfts online ab.

Besonders konservativ sind die Geschäftskunden aus der Region München bei ihren Investitionen. Mehr als 50 Prozent finanzieren ihre Investitionen aus dem laufenden Geschäft, 20 Prozent aus Rücklagen. Weniger als zehn Prozent greifen auf Kredite zurück – im Bundesdurchschnitt sind es knapp 15 Prozent. Anders ausgedrückt: Die Münchner Unternehmen können sich Investitionen auch ohne Kredit leisten.

Entsprechend gering ist die Nachfrage nach Geschäftskrediten – trotz des derzeitigen Niedrigzinsniveaus. Laut Umfrage nehmen 60 Prozent der Geschäftskunden in der Region momentan weder einen Geschäftskredit noch eine Kreditlinie einer Bank in Anspruch.

Bitter für die Commerzbank: Wird ein Geschäftskredit vergeben, kommt dieser laut Umfrage meistens von einer Sparkasse (rund 50 Prozent), lediglich zwei Prozent der Befragten aus der Region wählen als Kreditgeber die Commerzbank, die in der Metropolregion München 64 000 Geschäftskunden betreut. Eine relativ geringe Zahl, allerdings kommt die Commerzbank aus ihrer Historie heraus aus dem Privatkundengeschäft. Jetzt will sie auch im Geschäftskundenbereich wachsen – und dabei unter anderem von den Filialschließungen der HypoVereinsbank profitieren.  

Rubriklistenbild: © dpa

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