Multimilliardär Kerkorian will Daimler von Chrysler befreien

Übernahme: - New York - Zum zweiten Mal nach 1995 versucht der amerikanische Geschäftsmann Kirk Kerkorian den Autobauer Chrysler zu kaufen. Seine Investmentfirma Tracinda legte am Donnerstag ein Gebot von 4,5 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) in bar vor. Kerkorian hatte sich schon 1995 für eine Übernahme von Chrysler interessiert, musste damals aber Daimler-Benz unter Protest den Vortritt lassen.

In einer von Tracinda veröffentlichten Erklärung hieß es, die Investmentfirma wolle den angeschlagenen Automobilhersteller erneuern und stärken. Dem Chrysler-Management in Auburn Hill, Michigan, und der Automobilarbeitergewerkschaft UAW wird angeboten, sich als Partner an der Transaktion zu beteiligen.

Kerkorian ist eine der schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten der USA. Seine Investitionen lenkt Kerkorian ­ der auf der diesjährigen Forbes-Liste der reichsten Menschen mit 15 Milliarden Dollar auf Platz 31 geführt wird ­ über die Tracinda Corp., die er nach seinen Töchtern Tracy und Linda benannt hatte.

Der 89-Jährige war nicht nur in der Filmindustrie aktiv, er hat sich auch stets für die Automobilbranche interessiert und entsprechend investiert. So war der Milliardär zeitweise mit nahezu zehn Prozent an General Motors beteiligt. Im Jahr 2000 verklagte er Daimler-Chrysler, weil er sich bei der Fusion benachteiligt fühlte. Die Klage wurde von einem US-Bundesrichter abgewiesen. Tracinda hält auch eine Mehrheitsbeteiligung an dem Kasino- und Hotelunternehmen MGM Mirage Inc.

Nach Bekanntwerden von Kerkorians Chrysler-Angebot stieg der Kurs von DaimlerChrysler um 3,81 Dollar oder 4,7 Prozent auf 84,80 Dollar. Dabei ist Kerkorian mit Tracinda nicht der einzige Interessent. So hat der kanadische Hersteller von Autoersatzteilen, die Magna International, Presseberichten zufolge 4,7 Milliarden Dollar für Chrysler geboten.

Außerdem werden mindestens zwei weitere Investorengruppen als Interessenten genannt, die Cerberus Capital Management LLC und ein Konsortium unter Führung der Blackstone Group. Beide haben die Finanzen von Chrysler geprüft, und es wird erwartet, dass sie ebenfalls ein Angebot vorlegen.

DaimlerChrysler-Sprecher Han Tjan sagte in New York, das Unternehmen spreche mit Partnern über einen Verkauf. "Alle unsere Optionen sind weiter offen", fügte Tjan hinzu.

Alle jetzt ins Gespräch gebrachten Angebote signalisieren den Niedergang von Chrysler. 1995 hatte Kerkorian schon einmal 22,8 Milliarden Dollar für das Unternehmen geboten, war aber damit nicht zum Zuge gekommen.

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