Die Musik-Fusion und ihre Folgen

- München - Wenn zwei Elefanten eine Hochzeit planen, geht dies nicht ohne großes Aufheben über die Bühne. Bereits im vergangenen Dezember vereinbarten die beiden Musikfirmen BMG (Bertelsmann Music Group) sowie Sony die Zusammenlegung ihrer Musiksparten. Jetzt genehmigte die EU-Kommission diesen Zusammenschluss ohne Auflagen.

Durch die Fusion katapultiert sich der neue Konzern, der unter dem Namen Sony BMG (Sitz in New York) firmieren wird, auf den ersten Platz der - nunmehr nur noch vier - großen Labels, die sich 74 Prozent des Gesamtmarktes aufteilen. <BR><BR>Die EU-Kommission will den Markt weiter scharf beobachten. Preisabsprachen seien bisher nicht nachzuweisen gewesen. Sony BMG ist nach neuesten Daten mit 25,1 Prozent Marktanteil nun Marktführer, gefolgt von Universal Music (23,5 Prozent), Warner (12,7 Prozent) und EMI (12,7 Prozent). Die restlichen 26 Prozent entfallen auf unabhängige Plattenfirmen. Das neue Unternehmen Sony BMG erhofft sich durch den Zusammenschluss jährliche Einsparungen in Höhe von 250 bis 300 Millionen Dollar.<BR><BR>Gründe für die Fusion sind im weltweiten Einbruch der Absatzzahlen im Tonträgerbereich zu sehen, bedingt durch die illegale Verbreitung von Musik durch Internettauschbörsen sowie Raubkopien. Das neue Unternehmen Sony BMG wird weltweit zukünftig rund 9000 Arbeitnehmer beschäftigen und einen Umsatz von knapp fünf Milliarden Dollar erwirtschaften. Allerdings wird man bei der Belegschaft Einsparungen forcieren: Spekuliert wird über den Abbau von 2000 Stellen weltweit.<BR><BR>Wie viele Arbeitsplätze in München von Sparmaßnahmen betroffen sind, ist nicht bekannt. Auf Anfrage wollte sich Bertelsmann nicht einmal zur genauen derzeitigen Zahl an Mitarbeitern äußern. Neben Entlassungen sollen im Bereich der unter Vertrag stehenden Künstler gravierende Einschnitte drohen. Im Vormonat verkündete BMG, dass 60 Prozent des Künstlerstammes aufgelöst werden sollen. Namen wurden keine genannt, um sich vor Schadensersatzklagen der Künstler wegen Rufschädigung zu schützen. Dass es sich hierbei vorrangig um nationales Repertoire handelt, ist nach Aussage eines Bertelsmann-Sprechers offensichtlich: "Wir wollen keine One-Hit-Wonder mehr."<BR><BR>Neuer Vorstandschef des vereinten Unternehmens wird Andrew Lack, der bisher für die Musiksparte von Sony zuständig war. <BR><BR>Zu möglichen Umzugsplänen der BMG, welche seit Anfang 2000 im neuen Bertelsmannkomplex an der Neumarkter Straße in München residiert, wollten sich weder BMG noch der Mutterkonzern Bertelsmann äußern. Bei Einsparungen im Bereich der Gebäude könnte es allerdings durchaus Sinn ergeben, dass die BMG-Sparte in Berlin ansässig wird. Dort besitzt der Fusionspartner mit dem Sony Center das größte Prestigegebäude in der deutschsprachigen Musikwelt.<BR><BR>Für Berlin spricht außerdem die Ausrichtung der Hauptstadt zur Musikhauptstadt, deren Ruf in den letzten Wochen bereits die Münchner Plattenfirma Virgin sowie der Musiksender MTV gefolgt sind. Allerdings wären mit einem Umzug hohe Kosten verbunden, welche das - entgegen dem allgemeinen Branchentrend - gute Ergebnis der BMG (27 Millionen Euro Gewinn im ersten Halbjahr 2004) schmälern würden. <BR><BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Deutlich besser ausgefallen als angenommen ist das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten unter Führung Trumps. Dennoch hat sie an Schwung verloren.
Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Freitag mit leichten Verlusten ins Wochenende verabschiedet. Gute Wachstumszahlen aus der US-Wirtschaft halfen ihm, sein Minus …
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Vanille ist die Lieblings-Eissorte der Deutschen. Bald könnten den Eisjüngern aber schmerzhafte Veränderungen ins Haus stehen.
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA
Auf dem G7-Gipfel kritisierte Donald Trump scharf den deutschen Handelsüberschuss gegenüber der USA. Jetzt reagiert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln mit einer …
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA

Kommentare