Mysterium Abgeltungssteuer: Was die Bundesregierung plant

- Die Große Koalition hat diese Woche nicht nur die Eckpunkte der Unternehmenssteuer-Reform festgezurrt, sondern klammheimlich auch die Einführung einer 25-prozentigen Abgeltungssteuer ab Januar 2009 beschlossen.

Die Besteuerung von Kapitaleinkünften der Bürger wird sich damit teils radikal ändern ­ wovon vor allem Spitzenverdiener profitieren. Unsere Zeitung fasst zusammen, was die Finanzexperten von Union und SPD vorhaben.

Was ist eine Abgeltungssteuer?

Eine Abgeltungssteuer ist eine Abgabe, die auf Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden fällig wird. Sie wird direkt an der "Quelle" eingezogen, da die Banken die Abgabe an die Finanzämter abführen, bevor der Steuerzahler das Geld in die Finger kriegt. Wenn also ein Anleger beispielsweise 100 Euro Zinsen auf Sparguthaben erhält, würde ihm seine Bank bei dem geplanten pauschalen Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent ­ und ohne Berücksichtigung des Sparerfreibetrags ­ nur 75 Euro gutschreiben und die restlichen 25 Euro an den Staat überweisen.

Die Regierung erhofft sich dadurch unterm Strich höhere Einnahmen, da die Einkünfte nicht mehr so leicht am Fiskus vorbeigemogelt werden können. Der Vorteil für die Bürger mit Kapitaleinkünften: Die Steuererklärung vereinfacht sich, weil die Erträge nicht mehr angegeben werden müssen.

Welche Einkünfte sollen erfasst werden?

Die Bundesregierung will zum einen Zinsen erfassen, die etwa auf Anleihen, Tagesgeld- oder Sparbuchguthaben gezahlt werden. Darüber hinaus soll die Abgeltungssteuer aber auch auf Dividenden fällig werden, auf Einkünfte durch Investmentfonds und sogenannte Spekulationsgewinne. Nicht erfasst werden sollen Verkäufe von Immobilien.

Wird Aktienbesitz weniger rentabel?

Ja. Zum einen, weil Dividenden künftig durch die Abgeltungssteuer erfasst werden sollen und nicht mehr durch das Halbeinkünfteverfahren. Dieses schreibt vor, dass die Ausschüttungen nur zur Hälfte versteuert werden müssen. Nach Berechnungen der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf führt das zu einer deutlich höheren Steuerlast.

Zum anderen: die Abgaben auf Spekulationsgewinne sollen steigen. Die sind bislang steuerfrei, wenn Aktien länger als zwölf Monate gehalten werden. Die Koalition will diese Frist abschaffen ­ dann wären Veräußerungsgewinne generell steuerpflichtig. Allerdings soll die neue Abgeltungssteuer nur für Aktienkäufe und anschließende Verkäufe gelten, die nach dem 31. Dezember 2007 erfolgen.

Ist die Abgeltungssteuer gerechter?

Nein. Experten haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die Abgeltungssteuer Geringverdiener stärker belastet als Großinvestoren. Das liegt daran, dass Kapitaleinkünfte bislang über den vom Verdienst abhängigen Einkommenssteuersatz zwischen 15 und 42 Prozent besteuert werden. Wer bislang weniger als 25 Prozent zahlen muss, wird bei dem geplanten Modell also drauflegen.

Um das zu entschärfen, sollen sich Sparer, die weniger als 25 Prozent abführen, künftig weiterhin nach den alten Regeln besteuern lassen dürfen. Das ändert aber nichts daran, dass Spitzenverdiener unterm Strich deutlich entlastet werden: Wer den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zahlt, muss heute von 1000 Euro Zinsen ­ über dem Sparerfreibetrag ­ 443 Euro Steuern zahlen. Mit der Abgeltungssteuer von 25 Prozent werden es nur noch 264 Euro sein, wie die Agentur Reuters berechnet hat. Ein "attraktiver und übersichtlicher Platz" für Kapitalanleger soll Deutschland so werden, erkärte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Steuerpläne kürzlich.

Könnte die Kontenabfrage wegfallen?

Die umstrittene Abfrage von Konten in Deutschland, zur Überprüfung von Steuerhinterziehung würde durch die Abgeltungssteuer zum Großteil überflüssig. Abrufe wären nur noch notwendig, wenn es um staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld geht.

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