Nach dem Absturz an Chinas Börsen: Deutsche Aktien rutschen weiter ab

- Der vorübergehende Absturz an Chinas Börsen hat die Kurse an den internationalen Handelsplätzen am Mittwoch erneut ins Minus gedrückt. Auch in Deutschland sackten die Aktienwerte weiter ab, Panikverkäufe blieben trotz eines katastrophalen Starts am Vormittag aber aus. Viele Marktbeobachter sehen in den Turbulenzen nach wie vor keinen Grund zur Sorge.

Am Mittwochmorgen standen die Zeichen an den deutschen Börsen noch auf Crash. Der Deutsche Aktienindex fiel nach Handelsbeginn zeitweise um 180 Punkte auf einen Tiefstand von 6640 Zählern, nachdem das Barometer schon am Dienstag um 200 Punkte abgestürzt war. Auch die Aktien der mittelgroßen Gesellschaften und der Technologie-Werte standen stark unter Druck, weil über Nacht in den USA die Kurse so stark eingebrochen waren wie seit fünf Jahren nicht mehr. Im Laufe des Tages beruhigte sich die Lage allerdings wieder: der Dax schloss am Abend mit einem vergleichsweise moderaten Minus von 1,53 Prozent auf 6715,44 Zähler. Der M-Dax büßte 0,92 Prozent auf 9694,99 Zähler ein, der Tec-Dax fiel um 1,61 Prozent auf 803,42 Punkte.

Gegen den Trend stemmten sich an der Dax-Spitze die Aktien von Volkswagen mit plus 2,94 Prozent auf 95,34 Euro. "Seit Tagen ist hier ein großer Käufer im Markt, der sich systematisch an schwächeren Tagen große Stücke sichert", sagte ein Händler. Unterdessen büßten Eon-Aktien am Index-Ende 3,98 Prozent auf 99,14 Euro ein. Auch Aktien der Münchener Rück gaben mit 3,40 Prozent auf 120,43 Euro deutlich ab. Im M-Dax gewannen Papiere der Airbus-Mutter EADS nach Bekanntgabe der Sanierungspläne um 1,17 Prozent auf 25,90 Euro.

Die unter Strich deutlichen Kursverluste waren noch immer ein Nachbeben des Einbruchs in Schanghai vom Vortag. Die dort gehandelten Werte hatten rund neun Prozent verloren, nachdem am Markt Gerüchte hochgekocht waren. Unter anderem hieß es, dass die chinesische Regierung eine Spekulationssteuer einführen möchte, was später dementiert wurde. Am Mittwoch holten die Börsen in Schanghai und Shenzen wieder auf und machten vier Prozuent wieder gut, was schließlich auch die Verkaufslust der deutschen Anleger dämpfte.

Fachleute reagierten gelassen auf die Kurseinbrüche. Der Crash an den chinesischen Börsen gebe keinen Anlass zur Sorge, schrieben die Marktbeobachter von Allianz und Dresdner Bank in einem Kommentar. Die Wirtschaft in China stehe nach wie vor auf sicherem Fundament. Eine Korrektur sei absehbar gewesen, weil die Kurse im vergangenen Jahr um 130 Prozent zugelegt hatten. Der Asien-Experte der Investmentgesellschaft Schroders, David Mackenzie erklärte: "China wird langfristig attraktiv bleiben."

Ähnlich äußerte sich Fidel Helmer, Leiter des Aktienhandels bei der Bank Hauck & Aufhäuser über den deutschen Aktienmarkt. "Eine technische Reaktion war seit 14 Tagen überfällig", sagte Helmer gegenüber unserer Zeitung. Die Rahmenbedingungen seien aber nach wie vor günstig, da Konjunktur und Unternehmensgewinne nach wie vor stimmen. Von seiner Dax-Prognose für das Jahresende von 7100 Punkten rückt Helmer deswegen ebenso wenig ab wie die Commerzbank, die den Leitindex dann bei 7400 sieht.

Allerdings erwarten Fachleute, dass die Kurse an der Börse in den kommenden Tagen noch weiter absacken: "Das war noch zu wenig", sagte Helmer. Er schließt nicht aus, dass der Dax zeitweise auf 6500 Punkte zurückfällt.

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