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Flugzeug-Zwitter: Tui-fly hat Flugzeuge von Air Berlin geleast. Dieser startete am Dienstag in München.

Folgen der Air-Berlin-Pleite

24.000 Flugrechte im Visier - wer bekommt die freien Slots in München?

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Die Air-Berlin-Insolvenz hat auch spürbare Folgen am Flughafen München. 240 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Ihr Schicksal hängt auch an der Frage, wer die frei werdenden Flugrechte ergattern wird.

München -Air Berlin - das war mal eine feste Größe am Flughafen München. Mit einem Anteil an den Gesamtbewegungen von 6,7 Prozent - 24.400 Starts und Landungen - war die Fluglinie im Jahr 2016 nach der Lufthansa eine Marke im Erdinger Moos. Der Marktanteil ist aber in den vergangenen Monaten schon etwas zurückgegangen, sank zwischen Januar und September auf 5,1 Prozent.

Doch noch sind viele Air-Berlin-Maschinen eingeplant, vor allem im innerdeutschen Verkehr: In der vergangenen Woche konnte Air Berlin noch 64 Mal Richtung Berlin-Tegel und 55 Mal Richtung Düsseldorf abheben - dieselbe Anzahl Maschinen landete von dort in München. Der internationale Verkehr spielte schon in der vergangenen Woche kaum mehr eine Rolle. Zwei Mal hob eine Maschine in Richtung Catania und Sardinien ab, einmal Richtung Hurghada/Ägypten. Früher hatte die Airline auch Karibik-Flüge im Programm, aber das ist Vergangenheit. Fast im Wochentakt reduziert die Fluglinie, die bis 28. Oktober ihren Betrieb komplett einstellen will, nun ihren Flugplan. Zuletzt wurden zum Beispiel Hamburg und Köln gestrichen.

Jeder zweite Flug startet in München mit Verspätung

Flughafen-Sprecher: „Keine Lücken“

Die Frage ist, wer dafür zum Zuge kommt. „Bei den innerdeutschen Rennstrecken ist die Nachfrage so groß, dass es keine Lücken geben wird“, sagt Flughafen-Sprecher Ingo Anspach. Und weist darauf hin, dass „die Kompensation schon begonnen hat“. Obwohl die Kauf-Gespräche offiziell noch nicht beendet sind, hat die Lufthansa schon in der vergangenen Woche einen Teil des Air-Berlin-Programms übernommen. Die Airline bot 21 zusätzliche Flüge nach Hamburg und 14 nach Köln an - sprang also genau in die Lücken, die Air Berlin hinterließ.

Sollte die Lufthansa wie angekündigt weitere Maschinen übernehmen, wird sie ihren Marktanteil in München weiter ausbauen - und auch die Berlin-Flüge von Air Berlin übernehmen? Schon heute ist Lufthansa in München der mit Abstand größte Anbieter - der genaue Anteil wird aus wettbewerbsrechtlichen Gründen vom Flughafen nicht genannt.

Keine oder nur geringe Erstattung für rund 100.000 Air-Berlin-Kunden

Flughafenkoordination der Bundesrepublik vergibt Slots

Bisher nutzt die Fluglinie offenbar nur eigene Slot-Rechte, die sie intern umorganisiert. Slot ist das Recht für einen Start oder eine Landung. Die Slots, die in den „Rush-hours“ heiß begehrt sind, kann der Flughafen München nicht nach eigenem Gutdünken vergeben. Vielmehr ist dafür die Flughafenkoordination der Bundesrepublik Deutschland zuständig, eine Bundesbehörde, die dem Bundesverkehrsministerium untersteht. 

Frei werdende Slots fallen in einen sogenannten Slotpool zurück, erläutert Sprecherin Gesine Schulte-Nossek. Die Koordinatoren vergeben die Rechte auch kurzfristig. Auch ein konzerninterner Transfer von Slots sei möglich. Bisher allerdings habe weder eine Neuverteilung von größeren Air-Berlin-Slotkontingenten noch ein zustimmungspflichtiger Transfer von Slots an andere Airlines stattgefunden.

Air Berlin streicht Flüge - auch nach München

Gespräche mit Lufthansa und Easyjet bis Donnerstag abgeschlossen

Während die Gespräche mit Lufthansa und Easyjet über den Verkauf von Unternehmensteilen bis Donnerstag abgeschlossen sein sollen, dauert die Hängepartie für die Air-Berlin-Techniksparte noch länger - die Bieterfrist läuft bis 20. Oktober. In München beschäftigt Air Berlin 244 Mitarbeiter mit der Flugzeugwartung. „Wir versuchen, den Mitarbeitern soweit möglich zur Seite zu stehen“, sagt Hans Sterr von der Gewerkschaft Verdi.

Allerdings kann Verdi derzeit nur Optionen aufzeigen. Denkbar ist, dass eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet wird (die aber jemand finanzieren müsste). Aber auch von einem Sozialplan ist die Rede. Die Chance für einen qualifizierten Triebwerker, in einem anderen Betrieb unterzukommen, sei nicht schlecht, meint Sterr. Doch es komme immer auf den Einzelfall an.

Gute Jobchancen für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten

Dirk Walter

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