Nach Daimler kappt auch BMW Gewinnprognose - Aktie bricht ein

München - Nach dem Konkurrenten Daimler hat auch BMW wegen des schwierigen Marktumfelds seine Gewinnprognose für dieses Jahr drastisch zusammengestrichen. Neben den deutlich gestiegenen Öl- und Rohstoffpreisen und der Schwäche des Dollar kämpft der Münchener Autobauer auch mit den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise.

Reagieren will BMW nun mit weiteren Einsparungen, einer Drosselung der Produktion und Preiserhöhungen. "Ein Ende der angespannten Situation ist nicht in Sicht", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Freitag in einer Telefonkonferenz. Erst 2010 sei mit einer Besserung zu rechnen. An den langfristigen Prognosen hielt BMW aber fest. An der Börse wurden die Nachrichten mit Bestürzung aufgenommen. Zum Mittag verlor die Aktie acht Prozent auf 26,60 Euro.

BMW nahm das bisherige Ziel eines Gewinns vor Steuern von mindestens 3,78 Milliarden Euro zurück. Stattdessen sei nur noch eine Umsatzrendite vor Steuern von mindestens 4 Prozent geplant, sagte Finanzvorstand Michael Ganal. Eine konkrete Ergebniszahl wollte er allerdings nicht nennen. Da der Konzern in diesem Jahr allenfalls ein leichtes Umsatzplus schaffen dürfte, entspräche die genannte Zielmarke etwa einem Vorsteuergewinn von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro. Bis 2010 wolle BMW wieder auf eine Umsatzrendite von mindestens sechs Prozent im Konzern und eine EBIT-Marge von sechs Prozent im Autogeschäft kommen. Das langfristige Ziel einer EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent bis 2012 bleibe bestehen.

Allein die Mehrkosten durch ungünstige Wechselkurse und die hohen Rohstoffpreise lägen in diesem Jahr voraussichtlich um 800 Millionen Euro über Vorjahresniveau, sagte Ganal. Massive Probleme bereiteten auch Kreditausfälle und die schlechte Lage auf dem US-Gebrauchtwagenmarkt durch die Finanzkrise. BMW kämpft wie andere Hersteller mit dem Problem, dass die Erlöse für Autos, die aus Leasingverträgen zurückkommen, nicht so hoch liegen wie angenommen. BMW hatte im Frühjahr dafür bereits 236 Millionen Euro zur Seite gelegt. Nun kamen nochmals 459 Millionen hinzu. Dabei könne sich die Lage durchaus noch weiter verschlimmern.

Hinzu kämen die Ausgaben für den geplanten Abbau von 3100 Stellen bei der Stammbelegschaft. Diese hätten sich im ersten Halbjahr bereits auf rund 107 Millionen Euro summiert. Im zweiten Halbjahr sei nochmals mit einem höheren Betrag zu rechnen. Der Anfang des Jahres angekündigte Abbau von insgesamt 8100 Stellen erweise sich angesichts der aktuellen Lage aber "als wichtiger denn je". Weiteren Stellenstreichungen seien derzeit nicht geplant, ergänzte Reithofer. "Wir werden keinen weiteren außerordentlichen Stellenabbau haben."

Angesichts der massiven Belastungen fielen die Zahlen des ersten Halbjahrs entsprechend schwach aus. Der Umsatz stieg zwar um 4,5 Prozent auf 27,84 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) brach allerdings um 35 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro ein. Das Vorsteuerergebnis verschlechterte sich in der selben Größenordnung auf 1,24 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite lag damit in den ersten sechs Monaten bei knapp 4,5 Prozent nach 7,2 Prozent im Vorjahr. Unterm Strich schrumpfte der Gewinn von 1,34 Milliarden Euro auf 994 Millionen Euro.

Reagieren will BMW nun mit weiteren Einsparungen, Preiserhöhungen und Produktionskürzungen. Insgesamt würden 40 000 eigentlich für den US-Markt vorgesehene Fahrzeuge in andere Länder umgeleitet oder gar nicht erst produziert, sagte Reithofer. Insgesamt könnte die Produktionskürzung bei 20 000 bis 25 000 Fahrzeugen liegen. Auf dem US-Markt werde der Absatz in diesem Jahr zurückgehen. "Es würde überhaupt keinen Sinn machen, Fahrzeuge in den US-Markt zu pumpen, nur um zu wachsen."

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