Nach dem Ende des Zivildienstes: So klappt der Freiwilligendienst

München - Freiwilliges Engagement ist eine tragende Säule gesellschaftlichen Lebens geworden - in Zukunft wird es noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Denn der Zivildienst ist abgeschafft, stattdessen gibt es ab 1. Juli den Bundesfreiwilligendienst. Wer den Dienst leistet, „nimmt viel mit an Lebenserfahrung", sagt Roland Hartmann vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFZA) in Köln. Wir erklären, was man über den neuen Dienst wissen muss:

Freiwillige Dienste

Neben dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) gibt es auch das Freiwillige soziale Jahr (FSJ) sowie das Freiwillige ökologische Jahr (FÖJ). „Die Angebote sind auf Augenhöhe“, sagt Hartmann, also nahezu identisch. Ein Plus im Lebenslauf sind sie auf alle Fälle. „Solche Dienste sind gesellschaftlich hoch anerkannt“, sagt Hartmann. Bei der Bewerbung für einen Studienplatz gilt der Dienst als sogenanntes „nachrangiges Kriterium“: Gibt es zwei Bewerber mit derselben Anzahl Wartesemester, erhält derjenige den Platz, der den Dienst absolviert hat.

Voraussetzungen

Am BFD kann jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist und die 9. Klasse absolviert hat, teilnehmen (siehe Kasten). Nach oben gibt es keine Altersgrenze. Ein BFD dauert zwischen sechs und 24 Monaten. Man ist Vollzeitbeschäftigt. Eine Dauer von zwei Jahren betrifft meist Einsatzbereiche, in denen eine Ausbildung vorgesehen ist, beispielsweise zum Rettungssanitäter oder zum Übungsleiter im Sportverein.

Ein BFD kann man zu jedem Monatsanfang starten. Beim FSJ und FÖJ hingegen dürfen die Bewerber maximal 27 Jahre alt sein und die Dienste dort starten am 1. September.

Taschengeld als Lohn

Es gibt für die geleistete Arbeit keinen Lohn, aber ein Taschengeld in Höhe von maximal 330 Euro im Monat, das die Funktion einer Aufwandsentschädigung hat. Das Taschengeld gehört zu den Einkünften und ist damit steuerpflichtig.

Wichtig: Auch Verpflegung und Unterkunft gehören zu den Einkünften, auch wenn die anfallenden Kosten nicht ausgezahlt werden. Hat ein Interessent aber keine anderen Einkünfte, fallen für das Taschengeld wegen der geringen Höhe auch keine Steuern an.

Empfänger von Arbeitslosengeld können grundsätzlich ein BFD absolvieren. Bis zu 60 Euro vom Taschengeld werden nicht auf das ALG II angerechnet. Während der Dauer des BFD ist der Teilnehmer nicht verpflichtet, eine Arbeit aufzunehmen.

Einsatzgebiete

Praktische Hilfe ist in vielen Gebieten gefragt: in der Behindertenhilfe, in Alten- und Pflegeheimen, in Kindertagesstätten, in Pfarreien, in der Jugendarbeit, in Sportvereinen. Für Bewerbungen gibt es keine verbindlichen Fristen. Diese legt jede Einsatzstelle individuell fest, ebenso das genaue Prozedere. Am besten spricht man frühzeitig auf eigene Initiative eine Einrichtung an, ob sie Stellen hat. Oder aber man sucht über die Stellenbörse beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (www.bundes-freiwilligendienst.de).

Unterschiede zum Zivi

Obwohl der BFD sehr am Zivildienst angelehnt ist, fallen einige Aspekte weg. Es sind im BFD keine kostenlosen Familien-Heimfahrten vorgesehen und es gibt keine Berufsfördermaßnahmen wie die Teilnahme an Fremdsprachenkursen. Auch als Wartesemester an der Uni wird die Teilnahme nicht angerechnet. Allerdings gilt der Dienst als sogenanntes „nachrangiges Kriterium“: Gibt es mehrere Bewerber für einen Platz, die alle denselben Notendurchschnitt haben oder dieselbe Anzahl an Wartesemestern vorzuweisen haben, erhält derjenige den Platz, der den Dienst absolviert hat.

Annette Jäger

Mehr Informationen gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 51 (62 Cent/Minute, sechs Seiten) bis zum 17. Juni. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 90 Cent frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Freiwilligendienste“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

Rubriklistenbild: © dpa

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