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Europas größte Drohne, der "Euro Hawk"

Nach Debakel um „Euro Hawk“

Rüstungsfirmen planen Europa-Drohne

Paris - Franzosen, Italiener und Deutsche wollen bei unbemannten Militärflugzeugen künftig zusammenarbeiten. Dadurch könnten gefährdete Arbeitsplätze am EADS-Standort Manching gerettet werden.

Das Drohnendebakel der Bundesregierung könnte zu einer Überlebenschance für den Militärflugzeugbau in Deutschland führen. Tausende gut bezahlte Hightech-Arbeitsplätze vor allem bei der EADS-Tochter Cassidian in Manching könnten damit erhalten bleiben. Denn die Industrie nimmt nach dem Fehlschlag beim „Euro Hawk“ auf Basis einer US-Drohnen-Konstruktion einen neuen Anlauf zu einem eigenen europäischen unbemannten Flugzeug mit mittlerer Flughöhe und großer Flugdauer (MALE).

Dafür haben sich unter anderem zwei europäische Konkurrenten angenähert: Cassidian und Dassault (Frankreich) stehen sich bislang mit dem Eurofighter und der Rafale im Kampf um internationale Kunden gegenüber. Jetzt wollen sie zusammenarbeiten – gemeinsam mit der italienischen Finmeccanica-Tochter Alenia-Aermacchi. Sie fordern von der Politik den Start eines europäischen MALE-Programms.

„Ein gemeinsames Entwicklungsprogramm berücksichtigt die sensiblen Zertifizierungsanforderungen für den Betrieb im europäischen Luftraum von Anfang an“, erklärten die drei Unternehmen mit Blick auf die „Euro Hawk“-Probleme. Ein gemeinsames Programm könnte dort anknüpfen, wo Cassidian vor einem halben Jahr mit dem eigenen Drohnenprogramm Talarion mangels politischer Unterstützung aufhören musste.

Nicht nur die Erfahrungen mit US-Flugkörpern im europäischen Luftraum erhöhen die Chancen für eine heimische Lösung. Dassault hat bisher in der Drohnentechnologie mit British Aerospace im Auftrag der französischen und der britischen Regierung zusammengearbeitet. Dieses Projekt wird nun ganz offensichtlich aufgegeben. Die französische Beteiligung macht es wahrscheinlicher, dass die Grundbedingung der Unternehmen für eine Weiterentwicklung der MALE-Technologie erfüllt wird.

„Wir brauchen einen Kunden“, sagt Cassidian-Chef Bernhard Gerwert auf der Air Show am Pariser Flughafen Le Bourget. Dass die französische Regierung auf Drohnentechnologie nicht verzichten will, ist bekannt. Doch nach den Worten Gerwerts gibt es auch aus Berlin inzwischen Signale, dass man eine eigenständige europäische Lösung anstrebt. Das wären dann schon zwei Kunden.

Als sicher gilt, dass Drohnen nicht nur für das Militär immer wichtiger werden. Gerwert schätzt den zivilen Markt für unbemanntes Fliegen auf sechs Milliarden Euro. Wichtig ist vor allem für den Standort Manching, dass nur eine eigenständige Entwicklung den durch Eurofighter und Rafale erreichten europäischen Technologievorsprung gegenüber der globalen Konkurrenz erhalten und sogar noch ausbauen kann.

Grundsätzlich dürfte es Piloten in Kampfflugzeugen nicht mehr lange geben. Denn praktisch alle Flugmanöver, die über die Möglichkeiten heutiger Kampfflugzeuge hinausgehen, hält ein Mensch kaum lange aus. Daher führt an unbemannten Flugzeugen kein Weg vorbei – es sei denn, ein Land ist bereit, auf die Lufthoheit zu verzichten.

Den Bedarf von Deutschland, Frankreich und Italien schätzt Cassidian-Chef Gerwert auf 30 bis 40 der angestrebten MALE-Flugkörper. Sicher ist, dass die Unternehmen – wie heute bei Rafale und Eurofighter – langfristig auch Exporterfolge anstreben. Gerwert geht davon aus, „dass wir wettbewerbsfähig sind“.

Eine politische Entscheidung in Berlin ist allerdings kaum noch vor der Bundestagswahl zu erwarten. Scheitert nach Talarion auch dieses Projekt, sieht es für den in Bayern konzentrierten militärischen Flugzeugbau düster aus. Gerwert sagt klar, was die Folge wäre: „Dann werden die entsprechenden Fähigkeiten abgebaut.“ Die Erfolge einer mehr als fünf Jahrzehnte dauernden erfolgreichen industriellen Aufholjagd gegenüber den einst scheinbar uneinholbaren Amerikanern und Russen würden kampflos aufgegeben.

Airbus-Coup: Flugzeugfinanzierer kauft 20 A380

Mit ersten Verkaufserfolgen glänzen die Rivalen Airbus und Boeing zum Auftakt der Pariser Flugschau in Le Bourget. Airbus konnte zu Beginn der Messe einen Coup für seinen Riesenflieger A380 landen. Der Flugzeugfinanzierer Doric Asset Finance will 20 Exemplare des Großraumflugzeugs bestellen. Nach Angaben beider Unternehmen wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet. Laut Preisliste hat die A380-Bestellung einen Gesamtwert von gut acht Milliarden Dollar (rund sechs Milliarden Euro).

Außerdem stockte der Flugzeugfinanzierer ILFC seine Bestellung von Mittelstreckenjets aus der A320neo-Familie von 100 auf 150 Maschinen auf. Dazu zog das Unternehmen Kaufoptionen, die es schon früher mit Airbus vereinbart hatte. Der Auftrag für die A320neo-Jets kommt auf rund fünf Milliarden Dollar. Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Rabatte im zweistelligen Prozentbereich üblich.

Doric will die A380-Jets an mehrere Fluggesellschaften weiterreichen. Einige Kunden habe er schon an der Hand, sagte Doric-Chef Mark Lapidus. Airbus-Verkaufschef John Leahy hielt unterdessen an seinem Ziel fest, in diesem Jahr 25 A380 zu verkaufen. „Wenn ich ein paar mehr verkaufe, werden es eben ein paar mehr“, sagte er. Insgesamt will Airbus in diesem Jahr Aufträge für rund 800 neue Flugzeuge einsammeln.

Die erwartete Langversion von Boeings „Dreamliner“ rückt offenbar näher. Mit der Flugzeugfinanzierungssparte des US-Konzerns General Electric, Gecas, unterzeichnete Boeing einen Vorvertrag über zehn Exemplare der 787-10. Der Kauf hänge aber noch davon ab, ob die 787-10 tatsächlich entwickelt und gebaut werde, teilten beide Unternehmen mit.

Unterdessen winkt die Fluggesellschaft Qatar Airways Boeing mit einem Milliardenauftrag für bis zu neun Langstreckenjets. Während der Messe unterzeichnete die staatliche Fluglinie des Emirats Katar eine Festbestellung für zwei Boeing 777-300ER samt Optionen für weitere sieben Maschinen

Martin Prem

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