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Der Streik der GDL ist zwar seit Samstagabend beendet, der Zugverkehr hat sich aber noch nicht normalisiert.

Grube fordert Einlenken der GDL

Nach dem Streik: Am Montag Normalität?

Berlin - Nach dem Ende des Lokführer-Streiks rollen die Züge wieder - nicht alle, nicht überall und nicht immer pünktlich. Das könnte bis Montag so bleiben.

Nach dem Ende des Bahnstreiks sollen Pendler und Reisende ab Montagfrüh wieder störungsfrei Zug fahren können. Am Sonntagnachmittag rollten nach Angaben des Unternehmens rund 60 Prozent der Fernzüge, im Nahverkehr konnten bereits 80 Prozent der Verbindungen angeboten werden. Bahn-Chef Rüdiger Grube forderte die Lokführer-Gewerkschaft GDL zu einer raschen Wiederaufnahme der Verhandlungen auf.

Der Bahnstreik war am Samstagabend um 18.00 Uhr nach knapp drei Tagen vorzeitig beendet worden. Nach Angaben der Bahn war die Umstellung auf Normalbetrieb aber nicht "von einer Sekunde auf die andere" möglich. Züge und Personal hätten erst wieder an ihre Einsatzorte gebracht werden müssen.

Trotz Einschränkungen war der Zugverkehr am Sonntag nach Angaben eines Bahn-Sprechers "wieder stabil und deutlich ausgeweitet". Die Wiederaufnahme des normalen Fahrplans im Fern- und Regional- sowie S-Bahn-Verkehr wurde für Montagfrüh angekündigt. Im Nahverkehr sei teilweise bereits wieder der volle Fahrplan angeboten werden, sagte der Sprecher weiter. Die Berliner S-Bahn verkehrte am Tag des Mauerfall-Jubiläums mit hunderttausenden Berlin-Besuchern demnach wieder zu hundert Prozent.

Gravierende Störungen gab es in Norddeutschland wegen Brandanschlägen auf Kabelschächte und Signalanlagen. Die Bahn empfahl Reisen, sich weiterhin vor Fahrtantritt über die Verbindungen zu informieren.

Bahn-Chef Rüdiger Grube bezifferte in der "Bild am Sonntag" den Schaden durch die streikenden Lokführer auf "bislang mehr als 100 Millionen Euro". Hinzu kämen der "Imageschaden und Vertrauensverlust".

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL forderte er auf, wieder in Verhandlungen einzusteigen. Die Bahn habe viele Kompromissangebote gemacht, "jetzt liegt der Ball im Feld der GDL", sagte Grube der "BamS". Der Streit dürfe nicht weiter auf dem Rücken der Bahnkunden und -Mitarbeiter ausgetragen werden. GDL-Chef Claus Weselsky warf er vor, das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zwischen den Sozialpartnern zu verletzen.

Die Lokführer hatten ihre Arbeit am Mittwoch im Güterverkehr niedergelegt und im Personenverkehr in der Nacht zum Donnerstag. Am Freitag gab die GDL dann überraschend bekannt, dass sie ihren Streik schon am Samstag um 18.00 Uhr und nicht wie geplant am Montagmorgen um 04.00 Uhr beenden werde. Zuvor war die Deutsche Bahn im zweiten und letzten Anlauf mit ihrem Versuch gescheitert, den Streik juristisch zu stoppen.

Die GDL fordert für die Lokführer mehr Lohn und kürzere Wochenarbeitszeiten. Es geht ihr aber vor allem auch darum, für das gesamte Zugpersonal verhandeln zu dürfen, nicht mehr nur für die Lokführer. Sie konkurriert dabei mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, kritisierte den fehlenden Wettbewerb im Fernverkehr auf der Schiene. Der Lokführer-Streik zeige, wie wichtig es sei, "dass Verkehrsleistungen nicht nur von einem Unternehmen erbracht werden", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel" vom Montag. Im Schienen-Fernverkehr sei daher mehr Wettbewerb "wünschenswert".

AFP/dpa

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