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Kann Griechenland sich der schuldenkatastrophe noch erwehren? Für Laokoon und seine Söhne endete der Kampf mit den Schlangen tödlich.

Nach Griechenland: Sind Staatsanleihen noch sicher?

München - Staatsanleihen galten als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten. Die drohende Pleite von Griechenland verunsichert. Sind Staatsanleihen noch sicher? Und wenn ja, welche?

Knapp über ein Prozent Rendite nach Steuern. Reich wird, wer in deutsche Staatsanleihen investiert, garantiert nicht. Aber er hält wenigstens sein Vermögen einigermaßen zusammen, ein Teil dessen, was die Inflation verzehrt, bekommt er als Zins wieder zurück. Das ist in unruhigen Zeiten schon etwas. Und doch sind Staatsanleihen ins Gerede gekommen. Was ist, wenn Griechenland und dann noch Portugal pleitegehen? Was passiert, wenn der deutsche Staat sich weiter verschuldet, um mit dem Geld Griechenland und anderen zu helfen? Neben dem mit 300 Milliarden Euro verschuldeten Griechenland stehen ja auch Portugal (100 Milliarden Euro), Spanien (500 Milliarden Euro) und Irland (100 Milliarden Euro) als Wackelkandidaten bereit. Alle vier zusammen sind mit einer Billion Euro verschuldet - das entspricht ungefähr dem Staatsschuldenstand Deutschlands.

Deutschland zahlt

Bei Bundesanleihen gebe es „kein Kreditrisiko", sagt Kornelius Purps", Spezialist für Staatsanleihen bei der Unicredit. „Selbst wenn viele Länder ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können, ist Deutschland über jeden Zweifel erhaben." Dennoch hält es Purps für falsch, jetzt blind deutsche Staatsanleihen zu kaufen. Privatanleger sollten keine Risiken aufnehmen, die ihnen unkalkulierbar erscheinen, sagt er. Bei Unternehmen habe man eine Bilanz, an die man sich als Anleger halten kann. „Sobald die Politik eingreift, wird es schwierig", sagt Purps.

Auf oder ab

Denn einerseits gibt es, so Purps, durchaus ein Preisrisiko. Wenn Deutschland Griechenland hilft oder die EZB Athener Staatsanleihen kauft, könnte das dazu führen, dass die Kurse auch deutscher Anleihen nachgeben - und die Zinsen entsprechend steigen. Ein Verkauf von Anleihen vor Ablauf wäre dann nur mit Verlust möglich.

Doch es könnte auch das gegenteilige Szenario eintreten: Weil Deutschland vergleichsweise gut dasteht, könnten die Probleme anderer Länder einen Ansturm auf deutsche Bundesanleihen auslösen. Das würde die Zinsen weiter drücken und die Kurse steigen lassen. Um diese Risiken zu minimieren rät Purps allenfalls zu kurzlaufenden Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von drei bis vier Jahren.

Rendite-Schnäppchen

Weit mehr Rendite kann man derzeit mit griechischen Staatsanleihen erwirtschaften. Doch das ist - wie immer - mit viel Risiko verbunden. Wenn einzelne Anleihen (Zins und Risiko-Wertabschlag zusammengenommen) Jahresrenditen oberhalb 20 Prozent in Aussicht stellen, so bedeutet das hübsche Einnahmen - falls der Schuldner Griechenland dann noch zahlt. Andernfalls ist auch das investierte Geld weg - oder bei einer Umschuldung ein Teil davon. Also ein Fall allenfalls für abgebrühte Zocker, aber keinesfalls für Anleger ohne ausgeprägte Risikoneigung.

Was BB+ bedeutet

Wie hoch das Risiko für eine Pleite Griechenlands eingeschätzt wird, zeigt die neue Ratingnote von Standard &Poor's BB+ /B. Der Volksmund nennt Anlagen solcher Schuldner als Ramsch. Als „Non Investmentgrade" wird das - ökonomisch korrekt - auf englisch bezeichnet, als spekulative Anlage auf Deutsch. Bei einer Verschlechterung sei mit Ausfällen zu rechnen. Eine solche Verschlechterung allerdings erwartet Standard & Poor's und gibt einen negativen Ausblick.

Wie schlecht ist jetzt diese Bewertung? Seit der Subprime-Krise, bei der mit Bestnoten versehene Wertpapiere über Nacht wertlos wurden, sind ja auch die Rating-Agenturen in Misskredit geraten. Doch man muss in Europa eine Weile suchen, um ein Land zu finden, das wie Griechenland eingestuft ist: Rumänien. Es wurde allerdings in den letzten Monaten nicht als drohender Pleitekandidat gehandelt - ebensowenig wie Thyssen-Krupp ins Insolvenzverfahren musste, als Standard & Poor's den im Dax notierten Stahlkonzern im November 2009 auf BB + (allerdings bei stabilem Ausblick) herabstufte.

Doch sind diesmal andere Faktoren zu berücksichtigten. Zum Beispiel die allgemein erwartete Hilfe für Griechenland von den EU-Partnern, die eine schlimmere Bewertung verhindert hat. Denn dann könnte Griechenland nach eigener Einschätzung bereits im Mai fällige Schulden nicht mehr zahlen. Für diesen Fall hält Standard & Poor's auch Noten bereit von CCC+ (nur bei günstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten) bis D. Für die Beschreibung reicht dann ein Wort: Zahlungsausfall.

Martin Prem

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