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Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen

Es gibt neue Vorwürfe

Nach Razzia: Banker Fitschen "erschüttert"

Düsseldorf - Nach der Großrazzia bei der Deutschen Bank wehrt sich Konzernchef Jürgen Fitschen. Unterdessen gibt es neue Anschuldigungen gegen den Manager.

Die Vorwürfe wegen schwerer Steuerhinterziehung gegen sich und ein weiteres Vorstandsmitglied, Stefan Krause, hätten ihn "erschüttert“, sagte Fitschen der „Bild“-Zeitung (Onlineausgabe). Er sei davon überzeugt, dass sie sich als unbegründet erweisen werden.

„In meinem über 40-jährgen Berufsleben bin ich den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns stets treu geblieben“, versicherte Fitschen. „Insofern fühle ich mich ungerecht behandelt.“ Er wundere sich, dass es überhaupt „zu einem solchen Verfahren kommen konnte“, so Fitschen zum „Handelsblatt“. Aus seiner Sicht entbehrten die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft jeder Grundlage, schrieb die Zeitung. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft sei  "überzogen" gewesen, so Fitschen.

Fitschen räumte ein, die Deutschen Bank habe Fehler gemacht. „In dem Bestreben, als deutsche Bank auch international erfolgreich zu sein, hat mein Institut sich auch auf neue Märkte und Produkte konzentriert. Dabei ist in einigen Fällen das rechte Maß verloren gegangen“, sagte er. Das solle korrigiert werden.

Fitschen sagte, die Deutsche Bank habe die Steuererklärung sofort korrigiert, als sie erkannt habe, dass sie betrügerischen Kunden aufgesessen sei. „Es ist zu keinem Zeitpunkt unrechtmäßig Steuergeld an die Deutsche Bank zurückgezahlt worden“, sagte er. Für einen Rücktritt sehe er keinen Grund.

Am Mittwoch hatten hunderte Beamte die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main durchsucht. Die Vorwürfe der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft gegen 25 Mitarbeiter lauten auf Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung im Zusammenhang mit dem millionenschweren Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate). Nach dpa-Informationen handelt es sich bei den Beschuldigten um Händler, Fachleute für Steuerrecht, Mitarbeiter der Rechtsabteilung und IT-Spezialisten. Fünf Beschäftigte der Bank waren am Mittwoch festgenommen worden, vier von ihnen müssen vorerst in Untersuchungshaft bleiben.

Auch gegen Co-Vorstandschef Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause wird ermittelt, weil sie die fragliche - und später korrigierte - Umsatzsteuererklärung der Bank für das Jahr 2009 unterschrieben hatten.

Unterlagen vorenthalten?

Ermittler gehen nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ davon aus, dass ihnen Unterlagen vorenthalten wurden. Das sei einer der zentralen Vorwürfe in den Haftbefehlen gegen fünf Beschäftigte der Bank, berichtet die Zeitung in ihrer Freitagausgabe. Die Staatsanwaltschaft vermute, dass E-Mails zu den mutmaßlich kriminellen Geschäften vernichtet wurden.

Die Bank habe nach einer ersten Razzia im Frühjahr 2010 den Behörden zugesagt, vollständig zu kooperieren und alle nötigen Unterlagen zu übergeben. Zwei Jahre später hätten Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und Bundeskriminalamt entdeckt, dass Mails fehlten und deren Herausgabe verlangt. Einen Teil des Materials habe die Bank nachliefern können, ein anderer Teil sei bereits gelöscht gewesen, schreibt die Süddeutsche“.

Aus der Bank und ihrem Umfeld heiße es, niemand habe manipuliert. In den riesigen Datenmengen sei es zu unbeabsichtigten Lücken gekommen. Die Vorwürfe seien absurd. So gehöre etwa der jetzt festgenommene Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung zu den Leuten, die intern die Aufklärung des Falls vorangetrieben hätten.

dpa/dapd

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