+
Nachdem sie wegen angeblicher  Holocaust-Vernachlässigung Ärger bekam: Eine Ex-Managerin verklagt Siemens wegen Mobbings.

Nach Holocaust-Ärger: Ex-Managerin verklagt Siemens

Nürnberg - Eine Ex-Siemens-Managerin (45) hat den Konzern wegen Mobbings auf rund zwei Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Die Betriebswirtin hatte damit auf ihre Kündigung wegen angeblicher Verharmlosung des Holocausts reagiert.

Eine entsprechende Kündigungsschutzklage hat das Landesarbeitsgericht Nürnberg am Mittwoch auf den 17. März vertagt. An diesem Tag sollen auch die zunächst ausgeklammerten Mobbing- Vorwürfe verhandelt werden, betonte die Kammer. Die Anwälte der afghanischstämmigen Managerin sprechen von einer der größten Summen, die jemals in einem Mobbing-Prozess in Deutschland eingeklagt wurden.

Die Einkäuferin hatte sich nach ihren Angaben als Frau und Ausländerin von ihren Vorgesetzten diskriminiert gefühlt. Als sie sich darüber bei Siemens-Chef Peter Löscher in mehreren E-Mails beklagte und ihr Leid mit dem der Juden während der Nazi-Diktatur verglich, kündigte ihr der Konzern. In einer der E-Mails stand nach Angaben ihrer Anwälte unter anderem der Satz: “Ich darf Ihnen heute schriftlich bestätigen, dass kein Jude in diesem Land solche seelischen Qualen erleiden musste wie ich.“ Die Siemens-Führung wertete diese Äußerung als Verharmlosung des Holocausts.

Gekündigt! Diese Bagatellen können Sie den Job kosten

Gekündigt! Diese Bagatellen können Sie den Job kosten

Die Einkaufsmanagerin räumte am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa ein, dass die Äußerung sicher “starker Tobak“ gewesen sei; allerdings müsse man auch ihre siebenjährige Leidenszeit berücksichtigen. Sie habe sich schon bald nach ihrer Einstellung als Ausländerin diskriminiert gefühlt. So sei sie täglich beim Betreten und Verlassen des Nürnberger Firmengeländes kontrolliert worden, andere Mitarbeiter nur ganz selten. Kollegen hätten in ihrem Beisein Männerwitze erzählt und sie als “Dreck“ und “Araberin“ beschimpft.

Nach der Geburt ihres viertes Kindes sei ihr nahegelegt worden, das Unternehmen zu verlassen. Als sie sich geweigert habe, habe man sie in ein Einzelbüro fast ohne Kollegenkontakt gesteckt und später mit fachfremden Schulungsaufgaben beschäftigt. “Das war eine Verfolgsjagd gegen mich, deren Systematik ich erst später erkannt habe“, sagte die frühere afghanische TV-Journalistin, die wegen politischer Verfolgung aus dem Land geflohen war. Ihr Anwalt Frank Jansen wertete die Kündigung der 45-Jährigen als “großen Schlussakt gegen meine Mandantin“.

Siemens-Anwalt Thomas Fries betonte dagegen, nach der Holocaust- Verharmlosung sei die Mitarbeiterin für den Konzern nicht mehr tragbar gewesen. Die Mobbing-Vorwürfe bezweifelte der Unternehmensvertreter. Daher hatte er zunächst einen Vergleich zwischen den Parteien abgelehnt, zu dem das Gericht geraten hatte. Siemens sei nicht bereit, über ein früheres Abfindungsangebot von 60 000 Euro hinauszugehen. Die Ex-Managerin lehnte dies ab und beharrt weiter auf ihrer Schmerzensgeld-Forderung von rund 1,2 Millionen Euro. Zusammen mit entgangenem Gehalt oder materiellen Schäden summiere sich der Schaden auf rund zwei Millionen Euro.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber
Der US-Autoteilehändler LKQ will den deutschen Auto-Ersatzteilehändler Stahlgruber kaufen. Noch ist die Übernahme aber nicht von den Behörden genehmigt worden. 
US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber
Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam
Apple hat den Kauf der Musikerkennungs-App Shazam bestätigt. Der Preis könnte laut Medieninformationen über 400 Millionen Dollar gewesen sein. 
Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam
Dax resigniert vor 13.200 Punkten
Frankfurt/Main (dpa) - Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger zum Wochenbeginn vergeblich auf einen ersehnten Jahresendspurt gewartet. Nach einem frühen …
Dax resigniert vor 13.200 Punkten
Edeka will Fruchtsafthersteller Albi übernehmen
Laut dem Bundeskartellamt, will der Lebensmittelhändler Edeka den Fruchtsafthersteller Albi übernehmen. Damit will das Unternehmen die Abhängigkeit von externen …
Edeka will Fruchtsafthersteller Albi übernehmen

Kommentare