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Nach 30 Jahren: Das Ende des Strichcodes naht

München - Früher wuselten Verkäufer im Supermarkt durch die Gänge, um auf jeden Artikel ein Preisschild zu kleben. Das Klicken ihrer Etiketten-Pistolen ist verstummt und dem Piepen der Scanner-Kassen gewichen. Heute tragen fast alle Produkte schon ab Werk den "Zebrastreifen". Eine Gewürzmischung der Firma Wichartz aus Wuppertal trug als erstes Produkt in Deutschland den Strichcode auf der Verpackung, der heuer 30 Jahre alt wird.

Dem ersten elektronisch kassierten Artikel folgte ein weltweiter Siegeszug der schwarz-weißen Muster. Inzwischen ist der europäische Standard zur Weltsprache des Handels geworden. Aber zum Jubiläum am 1. Juli ist der Abgesang auf den Strichcode unüberhörbar. Nach dem Willen der Handelskonzerne soll er in einigen Jahren durch Funk-Etiketten (RFID) ersetzt werden.

In Deutschland sind derzeit 98 Prozent der Lebensmittel und 80 Prozent der übrigen Produkte mit dem Strichcode versehen. 130 000 Unternehmen bundesweit und eine Million Firmen weltweit nutzen ihn. Fünf Milliarden Produkte mit dem Streifenmuster werden jeden Tag verkauft. Nur in wenigen afrikanischen Ländern sind Scannerkassen noch unbekannt.

Die unterschiedlich dicken schwarzen Striche und die weißen Lücken zwischen diesen Balken symbolisieren Zahlen: die Europäische Artikel-Nummer EAN, die von einem Laser-Scanner optoelektronisch eingelesen werden kann.

Die grundlegende Erfindung war bereits 1949 von zwei US-Amerikanern entwickelt worden. Doch bis es zu einem US-Standard kam, vergingen Jahrzehnte. Der meist 13-stellige Strichcode beginnt mit der zwei- bis dreistelligen Länderziffer. Die Zahlen 40 bis 43 stehen dabei für Deutschland. Die 440 auch, sie stand früher für DDR-Waren.

Rund 100 Mitarbeiter sind heute in Köln damit beschäftigt, die Nummern für den deutschen Markt zu vergeben. Zuständig ist die GS1 Germany, die zweitstärkste Länderorganisation im weltweiten Netzwerk "Global Standards One". Nach der Länder-Kennzahl folgt die fünf- bis siebenstellige Herstellernummer, danach die Artikelnummer. Mit der letzten Zahl wird geprüft, ob sich kein Fehler in die Zeichenfolge eingeschlichen hat.

Inzwischen sind die Scanner-Kassen nicht nur mit der Lagerverwaltung der Einzelhandelsfilialen vernetzt, sondern auch die Handelshäuser mit den Herstellern: So können die Produzenten den Verkauf ihrer Produkte jederzeit beobachten und die Produktion danach steuern. Bis dahin war es seit 1977 aber noch ein langer Weg. Viele Handelsketten rüsteten erst Ende der 80er-Jahre ihre Kassensysteme um. Discounter Aldi verweigerte sich noch weit länger der neuen Technologie.

Doch nun scheinen auch die Tage der piependen Scanner gezählt. Die Radiofrequenz-Etiketten (RFID-Chips) können mehr. Sie enthalten nicht nur mehr Informationen wie etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum, sie übermitteln sie auch per Funk. Das Produkt muss dafür nicht mehr angefasst, der Einkaufswagen nicht mehr ausgepackt, die Palette nur noch durch ein Funk-Tor geschoben werden. Der Handel verspricht sich ein gewaltiges Einsparpotenzial, besonders beim Kassiervorgang. Doch noch schrecken die Kosten der Funk-Etiketten und technische Probleme vor dem breiten Einsatz ab. Seinen 40. Geburtstag werde der Strichcode deshalb wohl noch erleben, glaubt man bei GS1 in Köln.

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