Nach Jahren der Sanierung wagt sich Infineon in die Offensive

München - Nach hohen Verlusten und Jahren der Sanierung wagt sich der gebeutelte Infineon-Konzern wieder in die Offensive. Der jetzt vereinbarte Kauf des Mobilfunkgeschäfts des US-Konkurrenten LSI für mindestens 330 Millionen Euro ist der mit Abstand größte Zukauf, seit Vorstandschef Wolfgang Ziebart vor drei Jahren die Führung des DAX-Konzerns übernahm. "Erst einmal wurden die Hausaufgaben gemacht, jetzt kann man langsam nach vorne schauen", hieß es in Unternehmenskreisen.

Infineon machte in der jüngeren Vergangenheit vor allem mit Negativschlagzeilen von sich reden. In den vergangenen zweieinhalb Jahren häufte der Konzern Verluste von mehr als 800 Millionen Euro an. In diesen zehn Quartalen schrieb der Konzern unter dem Strich nur ein einziges Mal schwarze Zahlen. Zuletzt allerdings war für die schwachen Zahlen vor allem die Speicherchip-Tochter Qimonda verantwortlich, von der sich Infineon komplett trennen will. Die Fortschritte im neuen Kerngeschäft mit Logikchips wurden so teilweise verdeckt.

Im Zuge der Sanierung hat sich Infineon zwar auch von einigen Aktivitäten getrennt. Das Beispiel der Sparte Wireless (Drahtlose Kommunikation), die nun mit dem Zukauf gestärkt wird, zeigt aber auch, dass Ziebart im Zweifel viel Geduld hat. Viele hätten sicher den einfacheren Weg gewählt und das defizitäre Geschäft dicht gemacht oder verkauft. "Mittel- und langfristig ist es aber besser, den harten Weg der Sanierung zu gehen", sagte Ziebart und gab der Sparte sogar mehrere Jahre Zeit, endlich in die Gewinnzone zu kommen. Im vierten Quartal 2007 soll dies nun gelingen.

Im Geschäft mit Chips für Mobilfunkkunden litt Infineon lange Zeit vor allem unter der Abhängigkeit vom Großkunden Siemens. Infineon machte einen Großteil des Handygeschäfts mit der ehemaligen Konzernmutter, nach der Pleite der einstigen Siemens-Handyssparte BenQMobile brach ein wichtiger Teil des Geschäfts weg. Inzwischen aber konnte Infineon eine Reihe weiterer Großkunden gewinnen. Durch die Übernahme der LSI-Aktivitäten bekommen die Münchner nun vor allem einen besseren Zugang zu Samsung. Die Koreaner gehören derzeit zu den erfolgreichsten Anbietern. Im zweiten Quartal überholte Samsung den US-Konzern Motorola und stieg zur Nummer zwei im Weltmarkt auf.

Infineon sieht gute Perspektiven für das Handygeschäft. "Der Mobilfunkmarkt ist der weltweit größte Elektronik-Markt." Experten rechneten mit rund 1,1 Milliarden verkauften Mobiltelefonen in diesem Jahr, ein Ende des Booms sei nicht in Sicht. Dennoch dürfte das Geschäft schwierig bleiben. "Der Preisdruck wird weiter groß bleiben", sagt Halbleiter-Spezialist Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Wachstum gebe es in neuen Märkten wie China und Indien, wo vor allem Billig-Geräte gefragt sind. Da sind sogenannte Ultra-Low-Cost-Handys auch schon für 30 Dollar zu haben, für die Zulieferer bleibt ein entsprechend kleiner Teil übrig.

Dennoch ist Analyst Kitz von der Infineon-Strategie grundsätzlich überzeugt. Wer sich wie Infineon im Low-Cost-Markt bewege, brauche Masse. Auch strategisch sehe man inzwischen klarer. Erst vor wenigen Wochen habe Infineon erstmals einen Fahrplan für die weitere Trennung von Qimonda vorgelegt. "Jetzt kann man sich um die übrigen Teile kümmern und diese weiter ausbauen."

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