Nach Kindererziehung Anrecht auf bis zu 1364 Euro Arbeitslosengeld

- Ab 1. Februar können sich fünf Millionen Selbstständige, Pflegepersonen und Arbeitnehmer mit Auslandsbeschäftigung bei der Bundesagentur für Arbeit freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern - und so bis zu 1364 Euro monatliches Arbeitslosengeld I erhalten. Eltern erwerben dieses durch Gesetz. 4. und letzte Folge: Eltern.

Junge Eltern, vor allem Mütter, haben oft schlechte Karten bei der Arbeitsuche. Denn viele Personalchefs gehen davon aus, dass sie häufig fehlen, wenn ihre Kinder krank sind. Bei Einstellungen werden daher oft andere Bewerber vorgezogen. Ergo bleiben die Betroffenen lange arbeitslos. Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung können Eltern von Kleinkindern aber auch ohne aktuelles Beschäftigungsverhältnis erwerben. Dafür sorgt eine Regelung im dritten Sozialgesetzbuch (SGB III: "Sonstige Versicherungspflichtige"). Danach erwerben Mütter und Väter auch durch die Zeit der Erziehung eines Kindes unter drei Jahren ein (neues) Anrecht auf Arbeitslosengeld I (§ 26 Absatz 2a). Wer ein volles Kindererziehungsjahr nachweisen kann, erwirbt eine Anwartschaft auf sechs Monate Arbeitslosengeld oder verlängert einen bereits bestehenden Arbeitslosengeld-I-Anspruch entsprechend. Zwei Jahre Kleinkinderziehung bringen sogar einen neuen Anspruch auf zwölf Monate Arbeitslosengeld I. Um einen Anspruch auf die Versicherungsleistung zu erwerben, müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

 Kein Leistungsbezug: Neue Anrechte auf Arbeitslosengeld I erwirbt man natürlich nicht in der Zeit, in der man bei der Arbeitsagentur eben diese Versicherungsleistung bezieht.

Anderes gilt für Alg-II-Bezieher, die vor der Erziehungszeit versicherungspflichtig beschäftigt waren oder Arbeitslosengeld I bezogen. Sie haben nach zwei Jahren Kindererziehung Anspruch auf ein Jahr Arbeitslosengeld I.

 Vorherige Beschäftigung: Rechte bei der Arbeitslosenversicherung baut nur auf, wer unmittelbar vor dem Beginn der Erziehungszeit (bzw. Mutterschutzfrist) sozialversichert beschäftigt war oder Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosenhilfe bezogen hat. Der Bezug von Arbeitslosengeld II zählt nicht.

Wer diese zweite Voraussetzung derzeit noch nicht erfüllt, kann sich kurzfristig etwa als Urlaubsvertretung um einen sozialversicherten Aushilfsjob bemühen. Das kann auch halbtags und nur für kurze Zeit sein.

Beispiel: Anja Müllers zweites Kind kam im Februar 2005 zur Welt. Vor der Entbindung war die junge Mutter nicht beschäftigt, sie erhielt kein Arbeitslosengeld I. Damit bringt ihr die Erziehungszeit zunächst auch keinen (neuen) Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Das änderte sich aber, nachdem sie am 1. Januar 2006 bei einem früheren Arbeitgeber eine Krankheitsvertretung übernahm. Dabei handelt es sich zwar nur um einen Halbtagsjob für vier Wochen, aber dieser ist sozialversicherungspflichtig. Damit werden auch Beiträge an die Arbeitslosenversicherung abgeführt. Die Folge: Anja Müllers weitere Erziehungszeit sichert ihr nun Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung - und zwar so lange, bis ihr Kind drei Jahre alt ist. Wenn sie bis zum Februar 2008 zu Hause bleibt und sich dann arbeitslos meldet, kann sie damit 24 Anwartschaftsmonate für das Arbeitslosengeld I vorweisen. Die Versicherungsleistung steht ihr dann für zwölf Monate zu. Da Müller nur für kurze Zeit beitragspflichtig beschäftigt war, wird die Höhe der Leistung fiktiv bemessen. Dabei gehen die Ämter von der beruflichen Qualifikation der Mutter aus. Weil Frau Müller eine Hochschulausbildung vorweisen kann, wird sie monatlich nach der aktuellen Leistungstabelle Arbeitslosengeld I in Höhe von 1163,70 Euro (Westdeutschland) beanspruchen können.

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