Nach Kirch-Debakel: Landesbank streicht 1000 Arbeitsplätze

- München - Die durch den Kollaps der Kirch-Gruppe schwer in Mitleidenschaft gezogene Bayerische Landesbank tritt jetzt erneut auf die Kostenbremse: Insgesamt 1000 Arbeitsplätze sollen dem Sparkurs zum Opfer fallen, kündigte Vorstandschef Werner Schmidt in München an. "Die Restrukturierung muss schnell gehen, sonst wird's problematisch", meinte Schmidt, der für 2003 erneut von einem "sehr schwierigen Bankenjahr" ausgeht.

<P>300 Stellen seien bereits abgebaut worden. Ob man bei den noch anstehenden 700 um betriebsbedingte Kündigungen herumkommen wird - dahinter setzte Schmidt "ein großes Fragezeichen". 100 Millionen Euro an Personalkosten und ebenso viel an Sachkosten sollen bis 2004 gespart werden. Gekürzt werden auch freiwillige Leistungen für die Mitarbeiter wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Statt dessen soll es gewinnabhängige Bonuszahlungen geben.<BR><BR>Zur Restrukturierung des Hauses gehört auch ein Zurückschrauben des Auslandsengagements, die BayernLB nimmt Bayern als wichtigsten Markt wieder stärker ins Visier. Auch fordert man bei der Kreditvergabe an Firmenkunden bestimmte Mindest-Umsatzzahlen.<BR><BR>An einem solchen Mindestumsatz nicht gescheitert wäre allerdings der dickste Brocken in den Büchern der halbstaatlichen Landesbank: Die Kirch-Gruppe. Rund eine Milliarde Euro wurden für die gefährdeten Kredite in die Risikovorsorge eingestellt. Insgesamt musste die Risikovorsorge im vergangenen Jahr fast verdoppelt werden - auf knapp 2,3 Milliarden Euro, wobei "Risikovorsorge nicht gleich Ausfall ist", wie der Vorstandschef nicht müde wurde zu betonen. Für die Formel-1-Beteiligung, die im Zuge der Kirch-Insolvenz der Landesbank zugefallen war, hofft Schmidt sein eingesetztes Kapital samt Verzinsung zurück zu bekommen.<BR><BR>Auch im laufenden Jahr dürfte die Risikovorsorge auf stark erhöhtem Niveau bleiben. Schmidt rechnet mit mindestens einer Milliarde Euro, weil sich an der angespannten Konjunkturlage nichts wesentliches ändern dürfte. "Normal" für eine Bank dieser Größe wären nach seiner Einschätzung etwa 400 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis werde um 20 bis 30 Prozent unter dem des Vorjahres liegen, nähere Schätzungen seien angesichts der unsicheren Lage noch nicht möglich.<BR><BR>Gestartet ist die Bank jedenfalls mit Gewinneinbußen. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge schmälerte sich im 1. Quartal um rund 10 Prozent auf 340 Millionen Euro. Trotzdem erwartet Schmidt einen in etwa stabilen Jahresüberschuss. Dazu beitragen könnten erneut Beteiligungsverkäufe, Schmidt deutete an, dass der 46-Prozent-Anteil an der österreichischen Bawag keineswegs sakrosankt ist. Schon 2002, dem "schwierigsten Jahr seit Bestehen der Bank", waren es Beteiligungsverkäufe im dreistelligen Millionen-Bereich, die ein Abgleiten in die Verlustzone verhinderten.</P>

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