Nach Krümmel-Pannen: Vattenfall lenkt ein

Berlin - Kurz schien es, als käme alles noch schlimmer: Der Stromkonzern Vattenfall soll laut Medienberichten im schwedischen Atomkraftwerk Ringhals acht betrunkene Arbeiter erwischt und entlassen haben. Der Konzern, der auch das nach einer Pannenserie in die Schlagzeilen geratene deutsche Atomkraftwerk Krümmel betreibt, dementierte: Betroffen seien Monteure einer Fremdfirma, die außerhalb des Werksgeländes gezecht hätten.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte gestern in Berlin eine "präzise Aufklärung" der Vorgänge. Besonders der Fall Krümmel alarmiert die Atomaufsicht. In dem Kernkraftwerk östlich von Hamburg war Ende Juni in einer Trafostation ein Brand ausgebrochen. Bedienungsfehler hatte Vattenfall zunächst verschwiegen, außerdem wurden an einigen Stellen nicht zulässige Dübel entdeckt. Unklar ist nach wie vor auch, warum die Sicherheitskette nach dem Brand nicht so funktionierte wie eigentlich vorgesehen.

Gabriel schloss selbst den Entzug der Betriebsgenehmigung als Konsequenz für Vattenfall nicht aus. Das dafür zuständige Kieler Sozialministerium prüfe vorerst technisches und menschliches Versagen. "Sicher ist aber, dass der Ablauf nicht reibungslos war", so der Minister.

Zur genaueren Untersuchung soll es am Montag nun doch ein Gespräch zwischen den verantwortlichen Arbeitern, der Atomaufsicht des Bundes und des für die Genehmigung zuständigen Landes Schleswig-Holstein geben. Vattenfall hatte sich zunächst geweigert, ein solches Treffen vor der internen Aufklärung zu genehmigen.

"Bei dem Gespräch geht es nicht darum, Mitarbeiter an den Pranger zu stellen", ergänzte Gabriel. "Die Menge an Pannen ist aber unverantwortlich und spricht gegen die von den großen Stromkonzernen verfolgte Verlängerung der Laufzeiten älterer Atommeiler." Vattenfall wiederum will der Aufsichtsbehörde heute in Kiel voraussichtlich einen Zwischenbericht zu den Pannen in Krümmel vorlegen. Darin sollen alle bisher bekannten Vorfälle in der Anlage zusammengefasst werden.

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