Nach dem Orkan: Wer für welchen Schaden aufkommt

- München -­ Glück gehabt? Oder hat "Kyrill" bei Ihnen doch zugeschlagen? In vielen Fällen springen Versicherungen bei Sturmschäden ein. Allerdings ist die Abgrenzung nicht immer leicht. Manchmal ist die Wohngebäudeversicherung gefragt, manchmal die Haftpflichtversicherung, die Hausratversicherung oder die Police fürs Auto.

Einige Grundregeln hat der Bund der Versicherten für alle möglichen Versicherungen aufgestellt.

- Informieren Sie umgehend Ihre Versicherungsgesellschaft.

- Veranlassen Sie Reparaturen erst nach Abstimmung mit der Versicherung.

- Dokumentieren Sie den Schaden vor der Beseitigung mit Fotos oder anderen Beweisstücken (Zeitungsberichte über den Sturm aufheben).

- Bei drohenden höheren Folgeschäden muss die Schadensabwehr unabhängig davon sofort eingeleitet werden.

Baum stürzt aufs Haus

Bei Schäden, die ein umstürzender Baum oder herumgewirbelte Äste am eigenen Haus angerichtet haben, ist die Wohngebäudeversicherung dran.

Dach abgedeckt

Hat der Sturm Ihr Dach abgedeckt oder ein Fenster eingedrückt, muss ebenfalls die Wohngebäudeversicherung zahlen.

Schäden beim Nachbarn

Beschädigt ein Baum aus Ihrem Grundstück oder ein Ziegel von Ihrem Dach das Haus des Nachbarn, zahlt zunächst ebenfalls dessen Wohngebäudeversicherung. Doch sie versucht sich das Geld wiederzuholen. Bei morschen Ästen zum Beispiel hat sie Chancen, dann wäre Ihre Haftpflichtversicherung gefragt. Der Münchner Haus- und Grundbesitzerverein verweist darauf, dass ein Grundstückseigentümer seiner Verkehrssicherungspflicht bereits mit regelmäßigen Sichtkontrollen bei Baumbestand und Gebäude (zum Beispiel Dachziegel) nachgekommen ist. Wenn dabei nicht erkennbar war, dass ein Baum oder das Dach dem Sturm nicht mehr standhalten würde, muss die Gebäudeversicherung (oder bei Autos die Kaskoversicherung) zahlen.

Haus noch im Bau

Ist ein Haus noch im Bau, ist die Bauleistungsversicherung zuständig.

Zaun und Schuppen

Wer jedoch Gartenhäuschen, Geräteschuppen, Hundehütte, Zaun oder ähnliche Grundstücksbestandteile mitversichern will, der muss dies im Regelfall mit seiner Versicherung eigens vereinbart haben.

Keller vollgelaufen

Für vollgelaufene Keller gibt es nur Geld von der Wohngebäudeversicherung, wenn Elementarschäden mitversichert sind.

Einrichtung kaputt

Sturmschäden an Wohnungseinrichtungen fallen unter den Schutz der Hausratversicherung. Sie ersetzt zum Beispiel Schäden an Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen. Regenwasserschäden sind versichert, wenn der Wind das Dach abgedeckt oder ein Fenster eingedrückt hat und dadurch Wasser in die Wohnung gekommen ist.

Fenster geborsten

Für zerborstene Scheiben müsste eine Glasbruchversicherung bestehen; sie kommt auch für eine Notverglasung auf.

Gefallene Töpfe

Vom Balkon gefallene Blumentöpfe oder Weihnachtsbäume, die einen Passanten treffen, können ein Fall für die Privathaftpflichtversicherung sein. Wurde sie für "überflüssig" gehalten, dann kann der Verletzte unmittelbar vom Eigentümer Schadenersatz verlangen.

Baum im Weg

Autofahrer sollten wissen: Wer mit seinem Wagen bei Sturm von der Straße abkommt oder gegen einen auf der Straße liegenden Baumstamm fährt, dem ersetzt die Vollkaskoversicherung den Schaden. Das gilt ebenfalls, wenn jemand in ein Fahrzeug hineinfährt, das zuvor gegen einen umgestürzten Baum geprallt ist.

Stein am Autodach

Die Teilkasko kann in Anspruch genommen werden, wenn ein Pkw durch heruntergefallene Gegenstände (Dachziegel, Äste) oder durch einen umstürzenden Baum beschädigt wurde. Ein von der Teilkaskoversicherung regulierter Schaden hat keinen Einfluss auf den Schadenfreiheitsrabatt bei der Vollkasko.

Bei Verletzungen

Unfallopfer schalten ihre Krankenkasse ein. Bei bleibenden Schäden kann Geld aus der privaten Unfallversicherung fällig werden, zusätzlich bei Unfällen auf Arbeitswegen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Schwere Folgen entschädigen auch die gesetzliche Rentenversicherung oder eine private Berufsunfähigkeitsversicherung.

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