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Die endlose Geschichte der Gesundheitkarte: Auch Bayerns frühere Sozialministerin Christa Stewens warb seinerzeit für das ehrgeizige Projekt. 

Nach Pannenserie: 2. Chance für Gesundheitskarte

München - Röntgenbilder, Rezepte und Arztbriefe – auf der Gesundheitskarte sollen alle wichtigen Patientendaten gespeichert sein. Doch der Start verzögert sich seit Jahren. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf – mit einer abgespeckten Karte.

Als Wundermittel wurde die elektronische Gesundheitskarte einst bejubelt. Heute gilt die Einführung als eines der größten Pannenprojekte im Gesundheitswesen. Bereits 2006 sollte jeder der etwa 70 Millionen Versicherten die neue Chipkarte in den Händen halten. Das Prestige-Projekt von Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wurde allerdings im heftigen Streit zwischen Ärzten, Kliniken, Krankenkassen, Apotheken und Datenschützern zerrieben. Immer wieder musste die Einführung verschoben werden.

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) forderte daher im Herbst zunächst eine Bestandsaufnahme. Das Ergebnis dürfte eher ernüchternd gewesen sein. Trotz umfassender Tests in verschiedenen Regionen ist das Milliarden-Projekt von den hochgesteckten Zielen weit entfernt. Die Politik habe „zu schnell zu viel gewollt“, sagte die Vorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Doris Pfeiffer, zu den Rückschlägen in der Vergangenheit.

Ziel der neuen Chipkarte war es, teuere Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Dazu sollte für jeden Versicherten eine elektronische Patientenakte geschaffen werden. In dem virtuellen Tresor hätte der Versicherte seine persönliche Krankengeschichte deponieren können – also Arztbriefe, Laboruntersuchungen und Rezepte. Was in der Theorie einfach klingt, erwies sich in der Umsetzung als weitaus komplizierter als gedacht. Das größte Problem: Die Vernetzung von 20 000 Apotheken, etwa 185 000 niedergelassenen Ärzten und 2200 Krankenhäusern.

Um das Projekt doch noch zu retten, verständigten sich die Beteiligten auf eine Mini-Lösung: Auf das elektronische Rezept – es sollte jährlich 700 Millionen Verordnungen auf Papier überflüssig machen – wird erst mal verzichtet. Auch die elektronische Patientenakte ist auf unbestimmte Zeit vertagt.

Warum dann überhaupt neue Chipkarten? Mit der elektronischen Versichertenkarte kann zumindest der Missbrauch eingedämmt werden. Künftig sind die Versichertendaten zentral gespeichert. Wer seine Karte verliert, kann sie sperren lassen. Verbesserungen gibt es auch beim Umzug. Bisher verschickte die Kasse eine neue Karte mit der aktualisierten Adresse. „Dies ist nicht mehr nötig“, sagte Daniel Poeschkens, Sprecher der Betreibergesellschaft Gematik. „Beim nächsten Arztbesuch werden die Informationen beim Lesen der Karte geändert.“ Auch Notfalldaten wie Blutgruppe, Allergien können die Patienten freiwillig auf der neuen Chipkarte speichern.
Wann die elektronische Versichertenkarte bundesweit startet, ist allerdings noch ungewiss. „Es gibt noch keinen festen Zeitplan“, bestätigte Poeschkens. In der Pilotregion Nordrhein hat die Ausgabe bereits begonnen. Da die neuen „Ausweise“ jedoch auch ein Foto des Versicherten zeigen, müssen die Krankenkassen erst mal ihre Mitglieder anschreiben und sich ein Bild schicken lassen. Zumindest die Karten-Hersteller sind startbereit: „Wir warten nur noch auf das Signal“, sagte Heiko Witzke, Pressesprecher bei Giesecke & Devrient.

Der Branchenverband Bitkom sieht den neuen Beschluss zwiespältig. Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer begrüßte zwar grundsätzlich die Entscheidung für die elektronische Gesundheitskarte. „Wir bedauern allerdings, dass die Kartenfunktionen in diesem Zusammenhang weiter ausgedünnt wurden.“ Die Karte müsse nun möglichst rasch ausgegeben und schrittweise um weitere Funktionen wie die elektronische Patientenakte erweitert werden, betonte Scheer.

STEFFEN HABIT

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